Wirtschaft
31.07.2017

Nachhilfe im A1 Campus: "Was, das Internet ist eine Landkarte?"

Reportage: Im A1 Campus lernen vor allem Kinder und Senioren den richtigen Umgang mit dem World Wide Web.

Trotz Ferienzeit tummeln sich im A1-Ausbildungszentrum um neun Uhr Früh bereits viele neugierige und wissbegierige junge Gesichter. Einen eigenen Comic online gestalten – darum geht es heute. "Wie kann ich denn den Gesichtsausdruck verändern? Und wie mach ich, dass die Figur was sagt?", sind einige der Fragen. Allgemeine Begeisterung entfacht unter den jungen Teilnehmern.

Während der Schulzeit werden Workshops zu Schwerpunkten wie: "Selbstdarstellung im Internet", "Code Lab: Spiele programmieren" oder "das Handy in der Schule" angeboten. Die Workshops wurden in Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro der Universität Wien entwickelt. "Unsere Expertise ist das digitale Leben. Das Kinderbüro betreut die Workshops mit den Sieben- bis 14-Jährigen und bietet den pädagogischen Hintergrund", erklärt Irene Jakobi , Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung bei der Telekom Austria. Auch mit Experten der EU-Initiative "Saferinternet" wird zusammengearbeitet. "Kinder können die Konsequenzen im Netz oft nicht abschätzen. Die finden ein Foto von sich lustig und laden das hoch", schildert Jakobi. Ein Bewusstsein für Sicherheit im Netz heranzubilden sei Teil der Kurse.

Elternabende sind ein weiterer Programm-Bestandteil: Hier könnten Eltern persönliche Sorgen einbringen und sich von Experten beraten lassen. Verbieten sei der falsche Ansatz, besser sei sich gemeinsam dem Thema zu widmen und zeitliche Begrenzungen bei der Internetnutzung zu vereinbaren, rät eine Expertin aus dem Kinderbüro. Workshops für Schulen finden immer vormittags statt und "sind jedes Mal in kürzester Zeit ausgebucht". Nachmittags gibt es den digitalen Lernraum, zum gemeinsamen Hausaufgaben machen und spielerischen Weiterbilden.

Coding gilt als Kompetenz der Zukunft: Die Funktionsweise von Programmen wird in den Kursen spielerisch vermittelt. Technisches Verständnis wird so in die Heranbildung der Kinder eingebunden. "Uns geht es auch darum alternative Berufsbilder aufzuzeigen, Mädchen zu technischen Berufen zu ermutigen und die Kinder zu inspirieren", erklärt Jakobi.

Generationen-Gap

Einen Raum weiter wird auch fleißig gelernt – Thema und Teilnehmer sind jedoch andere. "Ich will selbstständig sein, den Anschluss nicht verlieren und die Jungen, die erklären das nicht richtig", erzählt eine 60-jährige Teilnehmerin. Schritt für Schritt lernen Senioren den alltäglichen Umgang mit dem Computer und dem Internet. Grundkenntnisse wie das Suchen und Finden im Internet werden besprochen. Beim Öffnen von Google Maps staunte eine 98-jährige Teilnehmerin: "Was, das Internet ist eine Landkarte?"

Für Fortgeschrittene gibt es Kurse wie: "Fotobuch gestalten" oder " mein Online Speicherplatz". "Ein Speicher ist wie ein Nachtkastl mit Schubladen", erklärt der Trainer kreativ. Es sei wie eine Sprache, mit der die ältere Generation nie konfrontiert war: "Kreative Beschreibungen helfen dabei für das Verständnis", erläutert Jakobi.

Besonders herzerwärmend sei die Geschichte einer älteren Dame aus der ländlichen Region: der Kurs zum Thema Facebook habe ihr Leben verändert. Aus Gründen der Einsamkeit rief sie regelmäßig bei der Seelsorge an. Bei ihrem letzten Anruf sagte sie, man solle sich keine Sorgen machen, denn sie werde sich jetzt seltener melden. Ein Internet-Kurs habe ihr Leben verändert. Auf Facebook entdeckte sie alte Schulkollegen und kam auch in Kontakt mit Leuten aus ihrer Umgebung. "Das Internet macht Spaß und verbindet die Leute. Diese Botschaft wollen wir weitertragen", sagt Jakobi.

Zahlen

Auswertungen der Statistik Austria ergaben, dass 41,4 Prozent der 65- bis 74-Jährigen in Österreich noch nie das Internet genutzt haben. Das A1 Ausbildungszentrum will auf diesem Weg einen Beitrag zur Schließung der digitalen Kluft beitragen. Die meisten Teilnehmer unter den Senioren finden sich im Altersbereich 65 Plus. Vor allem Alt und Jung werde hier angesprochen, der Anteil der Gruppe der 30 bis 50-Jährigen sei verschwindend gering.

Die Teilnahme an den Kursen ist kostenfrei und steht allen offen. "Internet für Alle" gibt es in Wien, Klagenfurt und Salzburg. Das Projekt ist außerdem mobil unterwegs, um auch Leute abseits der Ballungszentren zu erreichen.

Anmeldungen unter:

A1 Internet für Alle Campus Engerthstraße 169, 1020 Wien 05066444505

eMail: internet.fuer.alle@A1telekom.at Mo-Fr 8.30 -18 Uhr Sommerpause: 7.-28. August