Nach Corona-Hamsterkäufen: Österreicher essen wieder weniger Schokolade

Nach Corona-Hamsterkäufen: Österreicher essen wieder weniger Schokolade
Nach dem Plus von zehn Prozent 2020 im Vorjahr sind die Preise wieder gefallen. Die höheren Preise im Energiesektor werden sie aber wieder steigen lassen.

In schwierigen Zeiten ist nicht nur Klopapier, sondern auch Nervennahrung gefragt: Diese Devise haben sich die Österreicherinnen und Österreicher im ersten Coronajahr zu eigen gemacht und Schokolade gehamstert. Die Verkäufe von Tafelschokolade zogen 2020 um 10 Prozent an. Im vergangenen Jahr habe sich der Markt dann um genau diese 10 Prozent wieder zurückentwickelt und liege nun bei etwa 180 Mio. Euro, sagte der Österreich-Chef von Ritter Sport, Wolfgang Stöhr. "Was 2020 gekauft wurde, wurde 2021 gegessen."

Anders als bei anderen Agrarprodukten und Rohstoffen ist der Preis von Kakao im Vorjahr sogar leicht gefallen, allerdings machen Logistikprobleme, Knappheit bei Verpackungsmaterial und hohe Energiepreise die Herstellung teurer, was auch Konsumentinnen und Konsumenten zu spüren bekommen dürften. Stöhr kann einen Preisanstieg bei Schokolade im Supermarkt nicht ausschließen, wie er im APA-Gespräch sagte.

Probleme in der Türkei

Ein Unsicherheitsfaktor ist auch der Währungsverfall im wichtigsten Haselnuss-Anbauland der Welt, der Türkei. Haselnüsse sind neben Kakao, Milch und Zucker die wichtigsten Rohstoffe für die quadratische Schokolade von Ritter Sport. Seit zwei Jahren hat das deutsche Familienunternehmen deshalb eine eigene Haselnuss-Plantage in Chile. Das soll die Abhängigkeit von Ländern wie der Türkei etwas reduzieren. Auch für Kakao besitzt die Firma eine Plantage in Nicaragua.

Seit gut einem Jahr hat Ritter Sport auch in Österreich, im burgenländischen Breitenbrunn, ein Produktionswerk. Das Unternehmen hat die Schokofabrik von Mars Austria zusammen mit der Marke Amicelli gekauft und beschäftigt dort 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist der erste Produktionsstandort des Familienbetriebs abseits des Stammwerks in Deutschland. Der Zukauf und ein organisches Wachstum dürfte den Österreich-Umsatz 2021 um 20 Prozent auf 15 Mio. Euro getrieben haben, schätzt Stöhr.

Bio hat sich nicht rentiert

Neben Amicelli laufen in Breitenbrunn alle veganen Sorten vom Band. Während Ritter Sport im Verkauf von Bio-Schokoladen kein attraktives Geschäftsmodell gesehen hat und das Projekt für gescheitert erklärte, komme vegane Schokolade sehr gut bei den Konsumenten an, sagte Stöhr. Vegan sei ein genereller Trend, auch Schokolade mit einem höheren Kakao-Anteil.

Global gesehen war 2021 für den Schokoladenhersteller, der weltweit 1.650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, ein gutes Jahr. Ritter Sport habe sich in allen von Corona beeinträchtigten Geschäftsfeldern - wie den Duty-free-Läden etwa an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen - erholt, wenngleich das Niveau von 2019 noch nicht erreicht worden sei. 2020 machte die Süßwarenfirma einen Umsatz von 470 Mio. Euro, 2019 waren es 480 Mio. Euro.

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