Wirtschaft 18.01.2012

Müllvermeidung: Freiwilligkeit gescheitert

© Bild: KURIER/Gruber

Der Anteil an Glas- und Mehrwegflaschen sinkt stetig. Der Ruf nach gesetzlich festgelegten Quoten wird lauter.

Die Plastikflasche löst in steter Regelmäßigkeit neue Debatten aus Während die einen den seit den 1990er Jahren massiv gesunkenen Anteil an wiederverwertbaren Getränkeverpackungen monieren und wieder verbindliche Quoten einführen wollen, argumentieren die anderen damit, dass Kunden nun mal nach Einwegverpackungen verlangen.

Außerdem ist umstritten, ob Glas- und Mehrwegflaschen wirklich umweltschonender sind als Wegwerfflaschen. Eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) stärkt nun Verfechtern des sogenannten Ökobonus-Modells den Rücken. Die freiwilligen Maßnahmen der Getränkewirtschaft seien gescheitert, heißt es darin.

"Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen", so die Autoren der Studie, die von PricewaterhouseCoopers (PwC) am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde.

Der Mehrweganteil bei Wasser, Bier, Limonade, Fruchtsaft und Milch ist in Österreich seit 2007 von 24,2 auf 18,3 Prozent gesunken. Statt "freiwilliger, wirkungsloser" Vereinbarungen fordert  Alfred Brezansky von der Wiener Umweltanwaltschaft daher gesetzlich festgelegte Mehrwegquoten.

Aus Bonus/Malus wurde nichts

Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat bereits Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe installiert, die ein Bonus/Malus-System ausgearbeitet hat. Das sogenannte Ökobonusmodell sah vor, die Mehrwegquote von 2012 bis 2018 in drei Schritten auf 50 Prozent zu erhöhen. Händler, die zu viele Wegwerfflaschen anbieten, sollten eine Strafe zahlen, Unternehmen, die die Quote übererfüllen, einen Bonus bekommen. Der Vorschlag wurde wegen Widerstands aus der Wirtschaft bis dato nicht umgesetzt, der Ball an die Sozialpartner weitergespielt. Im Sommer 2011 legten diese ein Konzept vor, das wieder auf Freiwilligkeit setzt: Der Handel wurde ersucht, Mehrweggebinde prominenter in den Supermarktregalen zu platzieren und zu bewerben.

Handel und Industrie hatten sich in der Vergangenheit stets gegen das Ökobonusmodell ausgesprochen. Argumentiert hatten sie dies unter anderem mit dem hohen administrativen Aufwand und dem Verhalten der Kunden. Diese hätten in den letzten Jahren eben vermehrt zur Plastikflasche gegriffen, weil sie nicht mehr bereit seien, schwere Glasgebinde nach Hause zu schleppen. Lenkungsmaßnahmen seien kontraproduktiv und außerdem ungerechtfertigt.
Der Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts, Christian Pladerer, fordert Berlakovich nun auf, das Ökobonusmodell oder vergleichbare rechtlich verbindende Maßnahmen "endlich" umzusetzen.

Erstellt am 18.01.2012