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Wirtschaft
06/28/2022

Moody's stellt Zahlungsausfall Russlands fest - Kreml verwundert

Keine Pleite, Kreml verweist auf durch Sanktionen blockierte Zahlungen. Kreml: Wenn Moody uns wieder bewertet, sollten sie es uns mitteilen.

 

Die Ratingagentur Moody's hat wegen nicht fristgem├Ą├č beglichener Schulden bei internationalen Investoren einen Zahlungsausfall Russlands festgestellt. Konkret gehe es um Zinszahlungen zweier Staatsanleihen, die auch nach Ablauf einer Verzugsfrist von 30 Tagen nicht bei Gl├Ąubigern angekommen seien, teilte das US-Unternehmen am Montag (Ortszeit) in New York mit.

Russlands letzter Zahlungsausfall bei Auslandsschulden liegt ├╝ber hundert Jahre zur├╝ck. Das letzte Mal, dass das Land seine Rechnungen bei internationalen Gl├Ąubigern nicht beglich, war 1918 nach der bolschewistischen Revolution. Die letzte Staatsinsolvenz Russlands erfolgte 1998 durch Geldn├Âte im Zuge fallender ├ľlpreise und der Asienkrise, sie betraf damals aber nur die Binnenschulden in Rubel.

Keine Pleite in eigentlichen Sinne

Um eine Pleite im eigentlichen Sinne handelt es sich diesmal nicht. Russlands Staatskassen sind gut gef├╝llt, doch wegen der westlichen Sanktionen aufgrund des Kriegs gegen die Ukraine hat der Kreml Probleme, Schulden im Ausland zu begleichen. Dass die Zahlungen Moskaus wegen Sanktionen blockiert w├╝rden, sei "nicht unser Problem", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag laut Agentur Interfax.

Am Dienstag dann zeigte sich Peskow verwundert dar├╝ber, dass die Agentur Moody's die Finanzsituation seines Landes ├╝berhaupt kommentiere: "Wenn wir es richtig verstehen, haben sie es abgelehnt, unser Land zu bewerten. Bedeutet das jetzt, dass Moody's den Bewertungsprozess wieder aufgenommen hat?", fragte er. "Die Agentur sollte uns das wahrscheinlich erkl├Ąren."

Sanktionen verbieten die Bewertung der Finanzlage eigentlich

Die Feststellung einer Staatspleite ist normalerweise ein Fall f├╝r die Ratingagenturen. Die drei gro├čen Bonit├Ątsw├Ąchter, zu denen Moody's z├Ąhlt, werden von Staaten und Kreditgebern bezahlt, um die Kreditw├╝rdigkeit von Schuldnern zu beurteilen. Im Falle Russlands sind sie aber eigentlich au├čen vor, da Sanktionen der Europ├Ąischen Union es ihnen verbieten, die Finanzlage zu bewerten.

Zahlungsausfall kommt wenig ├╝berraschend

Angesichts der bekannten Probleme aufgrund der Sanktionen kommt der Zahlungsausfall wenig ├╝berraschend. An den Finanzm├Ąrkten galt das Risiko schon seit Monaten als fest einkalkuliert und ├╝berschaubar. Die Chefin des Internationalen W├Ąhrungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, bezeichnete das Engagement internationaler Banken in Russland bereits im M├Ąrz als "definitiv nicht systemrelevant".

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