Immer mehr Leerstand: Warum der Modehandel in Österreich schwindet
Die Zeiten sind nicht einfach für die heimischen Modehändler. Sie sehen sich immer mehr mit steigenden Kosten und starkem Konkurrenzdruck konfrontiert. Bereits seit vielen Jahren gibt es deswegen mehr Schließungen als Gründungen, so eine Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw).
Die Zahl der Bekleidungs- und Schuhgeschäfte in den Innenstädten und Einkaufszentren sei demnach seit 2015 um gut ein Fünftel gesunken. Vor allem im Schuheinzelhandel kam es zuletzt zu mehreren Schließungen und Insolvenzen. Diese betreffen nicht nur kleine Betriebe, sondern immer häufiger auch Filialsysteme, sagt Studienautor Peter Voithofer.
Hohe Lebenshaltungskosten drücken auf das Shopping-Budget
Hintergrund sei ein verändertes Konsumverhalten. Denn die Österreicher geben ihr Geld immer lieber für Freizeiterlebnisse aus als für Kleidung und Schuhe. Auch die gestiegenen Lebenshaltungskosten drücken bei vielen auf das Shopping-Budget.
Gleichzeitig sehen sich die Händler mit steigenden Kosten konfrontiert. „Von 2019 bis 2025 ist der Verbraucherpreisindex kumuliert um etwa 30 Prozent gestiegen. Bei der Mode lag das Plus im Schnitt bei nur acht Prozent“, rechnet Voithofer vor. Das liege am starken Konkurrenzdruck innerhalb der Branche.
Immer mehr leerstehende Geschäftslokale in Top-Lagen
Für die stationären Händler werden außerdem die hohen Mieten immer mehr zum Problem. Die Folge ist zunehmender Leerstand, sagt Günther Rossmanith, Obmann des Bundesgremiums Modehandel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die Verkaufsfläche ist österreichweit seit 2015 um rund zehn Prozent (oder auch fast 200.000 Quadratmeter) geschrumpft.
Günther Rossmanith, Obmann des WKÖ-Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln
Durch den Wegfall von immer mehr Händlern und Geschäftsflächen steigt auch die Zahl der Arbeitslosen. Zwischen 2008 und 2023 ist die Zahl der Beschäftigten um acht Prozent geschrumpft. Gleichzeitig hat sich die Teilzeitquote deutlich erhöht und liegt aktuell bei 72 Prozent. Dies trifft vor allem Frauen, die den größten Teil der Arbeitnehmer im Modehandel ausmachen.
Nach Schließungen bleiben 42 Prozent der Geschäfte leer
Wenn ein Modegeschäft schließt, eröffnet im betroffenen Geschäftslokal nur in einem Drittel der Fälle wieder ein Modehändler. Nach 42 Prozent der Schließungen bleibt die Verkaufsfläche leer. Auch in Top-Lagen wie der Wiener Innenstadt oder der Mariahilfer Straße würden nicht nur immer mehr Geschäftslokale leer stehen, sondern die Leerstände würden auch immer länger andauern.
Auch große Flächen seien mittlerweile teils jahrelang ohne Mieter. „Das zeigt sich im Stadtbild. Oft finden sich maximal Übergangslösungen oder Pop-up-Stores “, so Rossmanith. Er appelliert an die Vermieter, die bei Verhandlungen mit potenziellen Mietern „flexibler sein müssen“. Gleichzeitig müsse sich die Immobilienbranche von der Erwartung verabschieden, dass mit jedem Mieterwechsel die Mieten deutlich steigen könnten.
Leerstand gehört auf der Mariahilfer Straße mittlerweile dazu.
Modehandel kritisiert Paketabgabe und unfairen Wettbewerb
Neben den stationären Händler sieht sich auch der immer wichtiger werdende Onlinehandel mit Herausforderungen konfrontiert. So etwa mit der Paketabgabe, die ab Oktober für Sendungen von großen Händlern mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. Euro eingeführt werden soll.
Rossmanith zeigt sich dieser gegenüber „eher skeptisch“. Die Debatte um die Abgabe von zwei Euro pro Paket entzweit aktuell die Handelsbranche. So sprach sich am Donnerstag etwa der Wiener Handel „klar“ gegen die Maßnahme aus, Shoppingcenter-Besitzer und Buchhändler können der Abgabe hingegen etwas abgewinnen.
Rossmanith sieht nur für jene Händler einen Vorteil, die keinen Onlineshop betreiben. Ansonsten sieht er darin einen weiteren „Österreich-Aufschlag“. Zudem wisse er nicht, wie man die Abgabe gegenüber Anbietern aus Drittstaaten wie etwa den chinesischen Billigplattformen Shein oder Temu durchsetzen wolle.
Insgesamt seien diese asiatischen Webshops immer wieder im Vorteil, weil etwa europäische Umwelt- oder Sicherheitsstandards gegen sie nicht exekutierbar seien, beklagt Rossmanith. Er wünscht sich deswegen von der Politik faire Wettbewerbsbedingungen. Auch „unfaire Steuer- und Zollvorteile“ müssten abgeschafft werden.
In den beiden modischen Branchen (Bekleidungs- und Schuheinzelhandel) gibt es rund 4.200 Unternehmen mit etwa 45.700 Beschäftigten und Nettoumsätzen von 7,4 Milliarden Euro der österreichischen Einzelhändler. Andere Indikatoren wie die gesamten Modeausgaben fallen höher aus, weil Umsätze internationaler Online-Anbieter hinzugerechnet werden.
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