Wirtschaft
31.10.2018

Brisante Millionenpleite der Waagner-Biro AG

Das Unternehmen sitzt auf einem Schuldenberg von zumindest 27,3 Millionen Euro. Sanierer Grossnigg übernimmt eine Tochterfirma.

Die Spatzen haben es längst von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es fix. Die Waagner-Biro AG (WBAG) hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Konkursgericht Wien angemeldet. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Laut Unternehmensangaben beschäftigt die Konzernmutter selbst nur 45 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt der Konzern in seinen Töchtern (vor allem) im Ausland 1500 Mitarbeiter.

Laut Jürgen Gebauer vom KSV1870 will die WBAG ihren Gläubigern Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren zahlen. Die Erfüllung des Sanierungsplans soll laut AKV "durch die Verwertung der Unternehmensbeteiligungen erfolgen".

Die Waagner-Biro AG ist Gesellschafterin bzw. Aktionärin der:

  • Waagner-Biro Immobilienverwaltungs GmbH,
  • Waagner-Biro Beteiligungsverwaltungs GmbH
  • WBB Stahl- und Maschinenbau AG,
  • Waagner-Biro Austria Stage Systems GmbH,
  • SBE Alpha AG (insolvent),
  • Waagner-Biro Bridge Systems AG,
  • Qualter Hall 6 Company Limited (Barnsley,UK)

"Die Insolvenzursachen liegen in der Insolvenz der Tochtergesellschaft SBE Alpha AG und der damit verbundenen Liquiditätssituation der Holding. Ebenso stehen die Finanzierungslinien nicht mehr zur Verfügung", sagt Creditreform-Experte Gerhard Weinhofer zum KURIER.

Die Schulden

Das Unternehmen hat insgesamt 64,62 Millionen Euro Verbindlichkeiten (Buchwerte) und bereinigt um Ab- und Umwertungen sollen schlussendlich 27,317 Millionen Euro Schulden zu Buche stehen. Davon entfallen rund 15 Millionen Euro auf Banken, 7,167 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen und 3,712 Millionen Euro auf sonstige Verbindlichkeiten.

Noch nicht eingerechnet ist eine Patronatserklärung (anscheinend für Tochterfirmen) in Höhe von 15,3 Millionen Euro, da noch nicht geklärt sein soll, ob diese Garantien auch gezogen werden. Dazu kommt noch eine weitere Eventualverbindlichkeit in Höhe von bis zu drei Millionen Euro, die schlagend werden könnte.

Das Vermögen

Die Aktiva haben einen Buchwert in Höhe von 64,62 Millionen Euro, aber nur einen Verkehrwert in Höhe von 4,979 Millionen Euro. Unter Strich bleibt ein freies Vermögen in Höhe von 4,822 Millionen Euro. Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen (11,597 Millionen Euro) wurden zur Gänze wertberichtigt ebenso der Wert der Unternehmensbeteiligungen. Bei der Tochter Waagner-Biro Austria Stage Systems AG bleibt eine positiver Wert in Höhe von 450.000 Euro in den Büchern, zuvor stand sie mit einem Wert von 7,247 Millionen Euro in der Bilanz. Und die britische Beteiligung Qualter Hall wurde von 12,257 Millionen Euro auf vier Millionen Euro abgewertet.

Rettung von Teilbereichen

Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Die finanziellen Mittel sollen dazu von den noch operativen Tochtergesellschaften zur Verfügung gestellt werden. Die insolvente Tochter SBE Alpha AG wurde gestern bereits geschlossen, deren Gläubiger müssen mit einem Totalverlust ihrer Forderungen rechnen. Bei der Waagner-Biro AG sollen auch Teilbereiche geschlossen werden, um ein Überleben zu sichern. Eine Gesamtschließung wäre die schlimmste Variante, weil damit auch das Aus der Tochterfirmen einhergehen würde.

Sanierer Grossnigg übernimmt das Ruder

Laut Waagner-Biro AG übernimmt der Sanierer Erhard Grossnigg "vorbehaltlich der Zustimmung des Insolvenzverwalters - die Waagner-Biro Austria Stage Systems AG". "Damit konnte der Fortbestand der Waagner-Biro Austria Stage Systems AG gesichert werden", heißt es weiter. "Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für die Waagner-Biro Bridge Systems AG wird weiterhin eine Fortführung angestrebt – dazu laufen noch intensive Gespräche."

Neue Köpfe an Bord

Seit 29. Oktober 2018 wurden Alexander Liaunig als Vorstand der Waagner-Biro AG und der Waagner-Biro Austria Stage Systems AG und Bernhard Chwatal als Vorstand der Waagner-Biro AG und der Waagner-Biro Bridge Systems AG bestellt. Karl Grabner wurde zudem zum Vorstand der Waagner-Biro Bridge Systems AG berufen. Bernhard Chwatal ist ein ausgewiesener Sanierungsexperte. Das stellte er in den Restrukturierungsfällen Libro (alt), Hofmann-Gruppe, Ankerbrot und CEE Immobilien unter Beweis.

Der Waagner-Biro-Konzern und seine Eigentümer

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