Wirtschaft
22.10.2018

Millionenpleite Charles Vögele Austria: Gläubiger segnen Rettung ab

Insgesamt haben 1261 Gläubiger rund 38,2 Millionen Euro Forderungen angemeldet. Mit Rabattaktion will man Kunden zurückgewinnen.

Im Sanierungsverfahren über das Vermögen der Firma Charles Vögele (Austria) GmbH mit Sitz in Graz wurden heute, Montag, die endgültigen Weichen für die Zukunft gestellt. Die Mehrheit der Gläubiger hat bei der Abstimmung dem verbesserten Sanierungsplan zugestimmt. Die Gläubiger erhalten eine 20-prozentige  Barquote. Finanziert wird diese durch den neuen Investor GA Europe GmbH. Bei einer Zerschlagung und Liquidation des Unternehmens hätten die Gläubiger nur eine Quote von rund 12 Prozent erhalten. Das heißt: Der auf Sanierungen spezialisierte Fonds GA Europe zahlt zwischen 4,8 Millionen Euro bis 5,4 Millionen Euro, dazu kommen noch die Verfahrenskosten.

„Wieder einmal zeigt sich, wie gut das österreichische Insolvenzrecht bei Sanierungen funktioniert", sagt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform. "In nicht einmal drei Monaten wurde ein Investor gefunden, der rund 60 Prozent der Mitarbeiter übernimmt und das Unternehmen fortführt. Und die Gläubiger bekommen eine höhere Quote als bei einer Liquidation.“ 

 

"In Abstimmung mit dem neuen Eigentümer wurden im Rahmen des Sanierungsverfahrens 31 Filialen aufgelassen, sodass eine Fortführung an 70 Standorten mit rund 500 Dienstnehmern erfolgt", heißt es dazu vom AKV. "Einzelne Vermieter von aufgelassenen Filial-Standorten haben bedingte Schadenersatzforderungen angemeldet, bei zahlreichen Bestandgebern konnten derartige Ansprüche bereits im Vorfeld wegverhandelt werden. Die Insolvenzverwaltung war insbesondere bemüht, interne Konzernverrechnungsforderungen und wechselseitige Ansprüche mit dem italienischen Lieferanten OVS weg zu verhandeln, sodass einschließlich der bedingten Anmeldungen vorerst von quotenrelevanten Verbindlichkeiten von rund 27,2 Millionen ausgegangen werden kann." Insgesamt haben über 1261 Gläubiger - inklusive der Dienstnehmer - 38,2 Millionen Euro Forderungen angemeldet.

„Wir sind für die Charles Vögele Austria, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Kunden sehr froh, dass der Atem gereicht hat, um alle notwendigen Verhandlungen positiv abschließen zu können, sagt Masseverwalter Dr. Clemens Jaufer. „Für die CVA als Teil der internationalen Konzerninsolvenz „Charles Vögele“ mussten wir sehr viele und äußerst komplexe Fragen lösen, die allesamt auf grenzüberschreitenden Grundlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen basierten. Alle erforderlichen Vereinbarungen standen noch dazu unter der Bedingung des positiven Abschlusses des Sanierungsverfahrens. Dieser letzte – wichtige – Baustein wurde heute gesetzt, womit die Sanierung der CVA gelungen ist.“
 

"Der Masseverwalter hofft und ist zuversichtlich diese Verbindlichkeiten im Zuge der weiteren Verhandlungen auf rund 24 Millionen reduzieren zu können", heißt es dazu vom AKV weiter. Ursprünglich waren in mehr als 100 Filialen 711 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Fall der Liquidation des Unternehmens wären die Verbindlichkeiten laut KSV1870 auf mehr als 70 Millionen Euro gestiegen, "da dann mit zahlreichen Schadenersatzforderungen sowie Beendigungsansprüchen der Dienstnehmer zu rechnen gewesen wäre".

 


„Wir werden nun in den verbliebenen knapp 70 Filialenalles tun, um das Vertrauen unserer zahlreichen Stammkunden zurückgewinnen. Das hätten sich vor allem unsere loyalen KollegInnen an der Front verdient“, sagt Charles-Vögele-Austria-Geschäftsführer Thomas Krenn.  Wie bereits bekannt, war für die erfolgreiche Sanierung von Charles Vögele (Austria) die Verschlankung der Filialstruktur notwendig. "Die aktuelle Herbst-/Winter Kollektion ist jetzt in den Filialen erhältlich. Das möchte Charles Vögele (Austria) mit ihren treuen Kundinnen und Kunden feiern. Daher sind alle Kundinnen und Kunden diese Woche zu einem Einkaufserlebnis mit Gebäck und Prosecco eingeladen", so Krenn. "Darüber hinaus gibt es diese Woche 20 Prozent Rabatt auf die aktuelle neue Herbst-Winter-Kollektion."