Wirtschaft
19.09.2017

Mexikanische Machos in der Telekom Austria

América Móvil hat keine einzige Frau im Konzern-Aufsichtsrat.

Es sollte eine reine Routine-Veranstaltung werden. Der einzige Tagesordnungspunkt für die außerordentliche Hauptversammlung der Telekom Austria ist die Bestellung von Verbund-Finanzchef Peter Kollmann in den Aufsichtsrat. Als Nachfolger des überraschend zurückgetretenen Investors Ronny Pecik.

Ganz so reibungslos wie geplant wird das Aktionärstreffen ab Mittwoch früh in der Telekom-Zentrale allerdings nicht ablaufen.

Die Bestellung von Kollmann wird für Diskussionen sorgen. Dabei geht es nicht um die fachliche Qualifikation des Verbund-Vorstands, diese ist unbestritten. Sondern um die Tatsache, dass wieder ein Mann auf einem Ticket des Telekom-Mehrheitseigentümers América Móvil in das Kontrollgremium eines der größten heimischen Unternehmen einzieht. An dem die Republik Österreich noch 28,4 Prozent hält.

Der mexikanische Telekom-Gigant des MilliardärsCarlos Slim hat acht von zehn Kapitalvertreter-Mandate. Ein reiner Männer-Klub, typisch für südamerikanische Machos. Da kann Alejandro Plater, Holding-Chef der Telekom Austria und Statthalter der Mexikaner, nach außen hin noch so frauenfreundlich tun.

"Enttäuschend und befremdlich", kritisiert Alexander Sollak, Betriebsrats-Chef der Holding. Vor allem in Hinblick auf die gesetzliche Verpflichtung einer 30-prozentigen Frauenquote, die 2018 in Kraft tritt, sei diese Entscheidung "nicht nachvollziehbar".

2016 wurde die einzige Aufsichtsrätin der Mexikaner, Elisabetta Castiglioni, durch Peter Hagen ersetzt, den Ex-Chef der Vienna Insurance Group (VIG). Die Vertraute von Plater ging ins operative Geschäft und ist nur im Aufsichtsrat der Österreich-Tochter A1. In diesem Gremium ist die Managerin als Frau alleine.

Aber auch bei den Belegschaftsvertretern könnte die Quote besser sein. Unter den fünf Delegierten ist nur eine Betriebsrätin.

Für die Staatsholding ÖBIB ist Stahl-Industrielle Karin Exner-Wöhrer im Aufsichtsrat. Entspricht einem Frauenanteil von 50 Prozent, die Republik hat allerdings nur zwei Mandate.

Für Diskussionen wird auch der Konflikt zwischen dem gebürtigen Argentinier Plater und A1-Chefin Margarete Schramböck sorgen. Wolfgang Ruttenstorfer, Aufsichtsratspräsident der Telekom-Holding, hat darüber bereits ein ernstes Gespräch mit Plater geführt. Sollte das Zerwürfnis unüberbrückbar sein, müssten Maßnahmen gesetzt werden, kündigte Ruttenstorfer gegenüber dem Sonntags-KURIER an.

A1-Betriebsratschef Walter Hotz hofft dringend auf einen Friedensschluss: "Ich appelliere an beide, im Interesse der Mitarbeiter und des Unternehmens wieder zusammenzufinden."

Verabschiedet sich ein Vorstand, gehen die engsten Mitarbeiter ebenfalls. Das hat bei der Telekom lange Tradition. Die von Schramböck geholte, top-qualifizierte A1-Personalchefin Sabine Bothe hatte bereits vergangene Woche ihren letzten Arbeitstag.

Auch der Holding kommt der Personal-Chef abhanden. Der Schwede Jesper Smith verabschiedet sich nach knapp zwei Jahren. Er will, heißt es, aus privaten Gründen wieder zurück nach Skandinavien.