Bei den Metallern fliegen bekanntlich die Funken. Die Lohnverhandlungen konnten trotz anfänglich üblicher Meinungsverschiedenheiten am Montag zu Ende gebrachten werden.

© Reuters/HEINZ-PETER BADER

Lohnverhandlungen
10/28/2013

Metaller bekommen bis zu 3,2 Prozent höhere Löhne

Vor dem Druck des unbefristeten Streiks wurde die Flexibilisierung der Arbeitszeit in eigene Verhandlungen ausgelagert.

von Franz Jandrasits

Nur acht Stunden vor dem unbefristeten Streik am Dienstagmorgen schafften Arbeitgeber und Gewerkschaften nach einer zehnstündigen Verhandlungsrunde am späten Montagabend den Durchbruch: Die 120.000 Beschäftigten des Fachverbands Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) bekommen ab 1. November Lohnerhöhungen um bis zu 3,2 Prozent. Diesen Prozentsatz gibt es für die niedrigsten Einkommen, die Bestverdiener der Branche bekommen 2,5 Prozent mehr.

Für Metaller-Chef Rainer Wimmer ist der Abschluss „ein hart umkämpftes Ergebnis“, von dem vor allem die Bezieher niedriger Einkommen profitieren. Der Mindestlohn steigt von 1638 auf 1688 Euro brutto im Monat.

Arbeitszeit ausgelagert

Mindestens ebenso wichtig wie die Prozentsteigerung ist für Wimmer und Karl Proyer, Chefverhandler der Angestelltengewerkschaft GPA, die Auslagerung der Arbeitszeitverhandlungen. Die Arbeitgeber hatten auf einer Koppelung von Lohn- und Arbeitszeitgesprächen beharrt. Die Gewerkschaften kehrten erst nach einem Streikbeschluss und Sondierungsgesprächen am Wochenende wieder an den Verhandlungstisch zurück.

Die Arbeitgeberseite kann mit dem Abschluss ebenfalls leben. Die Höhe des Abschlusses sei, so Verhandler Veit Schmid-Schmidsfelden, wegen des konkreten Verhandlungsplans über die Arbeitszeitflexibilisierung gerechtfertigt. Dadurch könnten die Firmen besser auf Auftragsschwankungen reagieren. Konkret vereinbarten die Kollektivvertragspartner, unverzüglich Arbeitszeitgespräche aufzunehmen und bis Mitte 2014 konkrete Vereinbarungen größtenteils auf KV-Ebene abzuschließen. Sollte es wider Erwarten keine Ergebnisse geben, würde sich das – so Schmid-Schmidsfelden und FMMI-Obmann Christian Knill – auf die Lohnrunde im nächsten Jahr auswirken.

Die Arbeitszeit-Flexibilisierung war der Knackpunkt der Lohnrunde. Die Arbeitgeber forderten ein Zeitkonto, auf dem bis zu 167,4 Plus- und Minusstunden angesammelt werden können. Mehrstunden sollen in einem langen Durchrechnungszeit-raum ohne Zuschläge in Freizeit abgegolten werden. Die Gewerkschaften warfen den Arbeitgebern vor, nur Überstundenzuschläge einsparen zu wollen und hatten das Modell vehement abgelehnt.

Bilder: Die eiserne Lohnrunde im Herbst

Letzter Arbeitskampf war 2011

Mit der Ankündigung eines unbefristeten Streiks gibt es in der Metallindustrie heuer zum zweiten Mal seit der Jahrtausendwende einen Arbeitskampf in der Metallbranche. 2011 riefen die Gewerkschaften allerdings nur zu einem Warnstreik auf, die nächste Stufe nach unbefristeten Betriebsversammlungen. Diesen Druck bauten sie aber schon nach der zweiten Verhandlungsrunde auf, diesmal sind bereits vier Runden ins Land gezogen.

2011 beteiligten sich an den Warnstreiks rund 160 Firmen, allerdings verhandelten damals noch alle sechs Metallerfachverbände gemeinsam mit den Gewerkschaften Pro-Ge und GPA, seit 2012 verhandelt jeder Fachverband für sich mit den Arbeitnehmervertretern.

Bevor die Warnstreiks 2011 zu einem richtigen Streik ausuferten, trafen sich beide Seiten an einem Sonntag zu Sondierungsgesprächen. Dort wurde vereinbart, am folgenden Montag die Lohnrunde wieder aufzunehmen. Am Dienstagmorgen wurde dann eine Einigung erzielt, im Schnitt gab es für die Arbeitnehmer ein Lohnplus von 4,2 Prozent. Der Industrie kostet der Abschluss 2011 rund 300 Mio. Euro. Als Verhandlungsbasis war damals von einer Inflationsrate von 2,8 Prozent ausgegangen worden.

Streiks in Österreich seit 1945

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