Wirtschaft 05.12.2011

Mehr Klarheit beim Einkaufen

Mindestschriftgrößen auf Packungen, Nährwerttabellen, Herkunftsangaben: Die EU verbessert die Kennzeichnung.

Die EU sagt Analogkäse und Schummelschinken den Kampf an: Heute, Mittwoch, verabschiedet das EU-Parlament die neue Lebensmittelkennzeichnung. Für Konsumenten wird bewusstes Einkaufen im Supermarkt damit ein Stück weit einfacher.

Noch muss die "Verbraucherinformationsverordnung" vom EU-Rat formell beschlossen werden. In der Landwirtschaftskammer Österreich freut man sich aber bereits über die Neuregelung: "Es ist vor allem gelungen, dass die Herkunftskennzeichnung für Frischfleisch verbessert wird", meint LKÖ-Präsident Gerhard Wlodkowski. Immer wieder prangern die Bauernvertreter an, dass Konsumenten Importfleisch als heimisch untergejubelt wird.

Die Regelung ist recht umfassend. Folgende Teilbereiche werden geändert:

Herkunft

Bei Rindfleisch gibt es sie bereits, bei Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege soll nun ebenfalls eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung kommen. Details muss die Kommission bis 2013 festlegen. LKÖ-Experte Christian Jochum: "Wir wollen kein Touristen-Schwein, das drei Wochen in einem österreichischen Stall steht und dann als Fleisch aus Österreich verkauft werden darf." Auf verpflichtende Angaben bei Milch- und Fertigprodukten sowie Produkten mit nur einer Zutat konnte man sich nicht einigen. Hier wird von der EU weiter evaluiert.

Imitate

Zu Analogkäse oder Schummelschinken gibt es nun eine klare EU-Regelung. Auf das Imitat muss gut sichtbar auf der Vorderseite der Verpackung hingewiesen werden. Jochum: "Auch auf dass in Fertigprodukten oft vorkommende Formfleisch (Anm. gepresste Fleischstückchen) muss künftig vorne hingewiesen werden."

Nährwert

Auf jeder Lebensmittelpackung muss künftig stehen, wie viel Fett, Zucker und Salz enthalten sind. Ob die enthaltene Menge viel oder wenig ist, darauf weist ein Prozentsatz (Anteil am empfohlenen Tagesbedarf) hin. Auf eine Ampellösung (z.B. Rot für viel Zucker, Grün für wenig) konnte man sich nicht einigen. Die Staaten können zusätzlich nationale Vorschriften erlassen.

Schriftgröße

Jeder Text auf den Verpackungen muss künftig eine Mindestgröße von 1,2 Millimeter haben.
Allergene Auf Inhaltsstoffe, die eine Lebensmittelallergie auslösen können, muss auch bei unverpackter Ware hingewiesen werden.

Sofort werden die Konsumenten die neuen Vorschriften im Regal aber nicht bemerken, denn die Industrie hat lange Übergangsfristen ausverhandelt: "Wir rechnen damit, dass die neuen Packungen frühestens Ende 2013 in den Regalen liegen", heißt es aus dem Verband der Lebensmittelindustrie.

Die Bauern hoffen nun, dass die Gesundheitsminister auf EU-Ebene auch bei Wurst oder Milchprodukten eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung ausverhandeln. "Österreich tritt klar für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für unverarbeitete Produkte und landwirtschaftsnahe Verarbeitungsprodukte wie Milch in Käse ein", fordert Agrarminister Niki Berlakovich weitere Schritte. Die Regelung sei noch sehr vage. Bis die Regelung in den Regalen angekommen ist, will er "nationale Impulse" setzen, "etwa mit dem AMA Gütesiegel".

Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation sieht die Regelung als "Schritt in die richtige Richtung". Vor allem die Herkunft wäre den Konsumenten sehr wichtig. "Und wäre man dem Konsumentenwunsch nachgek

EU-Parlament: Gentechnik wird Länder-Sache

Noch eine bedeutende Entscheidung des EU-Parlaments im Bereich Landwirtschaft: Am Dienstag stimmte es dafür, die Zulassung bzw. das Verbot des Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen künftig den Mitgliedsstaaten zu überlassen. Die Initiative von Österreichs Agrarminister Niki Berlakovich könnte damit zum Erfolg werden, allerdings muss noch der EU-Rat zustimmen.

Österreich könnte damit sein Anpflanzverbot für Gentechnik aufrecht erhalten, auch wenn auf EU-Ebene andere Entscheidungen fallen. "Es ist ein weiterer wichtiger Etappensieg, dass nach der EU-Kommission nun auch das Parlament unsere Initiative des Selbstbestimmungsrechts klar unterstützt" freut sich Berlakovich.

Von der Nutzung einer "historischen Chance" sprechen die Grünen. "Und Umweltkriterien und gesundheitliche Gegenargumente dürfen künftig auch als Gegenargument angeführt werden", sieht Wolfgang Pirklhuber von den Grünen die Front gegen Gentechnik anwachsen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011