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07/26/2021

Kaffeepreise: Mehr Kasse mit der vollen Tasse

Ernteausfälle ließen die Preise steigen. Wegen des Klimawandels wird das wohl auch so bleiben

von Andreas Anzenberger

Die billigen Zeiten für Kaffeetrinker sind vorbei. Vor allem bei den Qualitätssorten sind die Preise zuletzt massiv gestiegen. Die aus Äthiopien stammende Sorte Arabica ist seit Jahresbeginn um 60 Prozent teurer geworden. Der günstigere Robusta hat im selben Zeitraum um immerhin 40 Prozent zugelegt.

Der Grund dafür sind Wetterkapriolen im größten Produktionsland Brasilien. Dürre und Frost haben die Erträge deutlich reduziert. Im drittgrößten Anbauland Kolumbien behindern politische Unruhen die Produktion. Laut dem Rabobank-Analysten Carlos Mera dauert es drei bis neun Monate, bis die gestiegenen Weltmarktpreise auch den Einzelhandel erreichen.

Deutschland zuerst

In Deutschland hat Tchibo Mitte Juni die Kaffeepreise zwischen einem und zwei Euro pro Kilo angehoben. Österreich ist bislang von Preiserhöhungen verschont geblieben. Der KURIER hat wegen möglicher Preiserhöhungen bei den Kaffeehändlern nachgefragt. Jacobs wollte angesichts der deutlich höheren Kosten eine Anhebung nicht ausschließen.

„Die Kaffeepreise werden steigen“, lautet die kurze und deutliche Botschaft von Jan Lühmann. Vor allem für qualitativ bessere Sorten. Der selbstständige Kaffee-Experte mit Firmensitz in Amsterdam war jahrelang Chefeinkäufer eines großen Kaffeehändlers. Die Preisanhebungen werden im Lebensmitteleinzelhandel am deutlichsten ausfallen. In der Gastronomie spielen auch andere Faktoren wie Lohnkosten und Lokalmieten eine Rolle. Daher wird die Anhebung dort moderater ausfallen.

Vor allem für den teureren Arabica-Kaffee werden die Konsumenten unabhängig von lokalen Wetterereignissen auch in Zukunft tiefer in die Tasche greifen müssen. Arabica ist Hochlandkaffee und wird vor allem in Regionen über 1.000 Meter Seehöhe angebaut.

Sinkende Anbaufläche

Der durch den Klimawandel verursachten Temperaturanstieg reduziert die Anbauflächen für Arabica. Es gibt Schätzungen, wonach der Bestand an Pflanzen in Äthiopien in den kommenden Jahrzehnten massiv zurückgehen wird. Das hat natürlich auch negative Auswirkungen auf die Kaffeeproduktion.

Wobei für Kaffee in den 70er und 80er Jahren deutlich mehr bezahlt werden musste als heute, betont Lühmann. Die Nachfrage war ab den 90er Jahren gestiegen. Nicht weil pro Person mehr Kaffee getrunken wurde, sondern weil die Zahl der Konsumenten deutlich mehr wurde. Das galt vor allem für Asien als damals neuen Markt.

Es kam trotzdem immer wieder zu deutlichen Preisschwankungen. Denn gleichzeitig mit der steigenden Nachfrage wurden auch die Produktionskapazitäten vor allem in Ländern wie Brasilien und Vietnam ausgeweitet. Lühmann: „Wir sehen jetzt, dass Produktionssteigerungen kaum mehr möglich sind.“ Die deutlichen Preissenkungen der vergangen Jahre werden sich daher nicht mehr wiederholen.

Wobei es bei Kaffee ein breites Spektrum gibt. Abhängig von der Qualität und dem Aufwand bei der Produktion sind die Preisunterschiede enorm. Die günstigsten Angebote belaufen sich auf rund 10 Euro das Kilo. Eine wirklich gute Qualität kann 35 Euro pro Kilo kosten.

Viele Kaffeekapseln kosten zwischen 40 und 50 Euro das Kilo. Das hat nicht nur mit der Qualität zu tun. Man bezahlt auch die Verpackung. Dazu kommen Luxussorten wie Jamaica Blue Mountain (150 Euro das Kilo) oder Kopi Luwak, der an nachtaktive Katzen verfuttert wird. Der Kilopreis beträgt zwischen 800 bis 1.200 Euro.

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