Mediamarkt in der SCS

© Kurier / Jeff Mangione

Wirtschaft
03/08/2021

MediaMarktSaturn-Chef wechselt zum FC Barcelona

Dem Handelskonzern steht ein Umbau bevor

von Simone Hoepke

FĂŒr den Spanier Ferran Reverter geht wohl ein Kindheitstraum in ErfĂŒllung: Der Manager wird in seiner Heimatstadt Chef beim FC Barcelona und pfeift damit auf die VerlĂ€ngerung seines (im Oktober auslaufenden) Vertrags bei der MediaMarktSaturn-Gruppe.

Per 30. Juni rĂ€umt Reverter seinen Chefsessel in Ingolstadt und zieht zurĂŒck zu seiner Familie nach Katalonien. Ob er dort – neben der Sanierung des Traditionsclubs – viel mehr Zeit fĂŒrs Privatleben haben wird, darf bezweifelt werden.

Bei der deutschen MediaMarktSaturn-Gruppe gehörte Ferran Reverter jedenfalls nach knapp 20 Jahren im Unternehmen schon fast zum Inventar. Seit 2018 war er an der Konzernspitze, hat dort die Digitalisierung vorangetrieben und die Strukturen in Einkauf und Logistik vereinfacht. Anders formuliert: Er hat Kosten reduziert, defizitĂ€re MĂ€rkte geschlossen, den Abbau von 3.500 Vollzeitstellen eingelĂ€utet. Zuletzt war ihm nachgesagt worden, dass auch er sich beruflich verĂ€ndern wolle. Nach oben, in den Chefsessel der Ceconomy-Mutterholding, in der kĂŒnftig die Macht des Konzerns gebĂŒndelt wird. FĂŒr MediaMarktSaturn heißt das nicht, dass der Konzern nun in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Im Gegenteil. Nach jahrelangen Streitereien unter den EigentĂŒmern stehen nun endgĂŒltig grĂ¶ĂŸere Umbauten an.

Zur GrĂ¶ĂŸenordnung: MediaMarktSaturn ist mit mehr als 1.000 MĂ€rkten und mehr als 47.000 BeschĂ€ftigten die grĂ¶ĂŸte Elektrohandelskette in Europa. In Österreich ist die Gruppe seit 1990 vertreten, aktuell mit 50 Standorten und fast 3.000 Mitarbeitern. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei, auch weil OnlinehĂ€ndler einen immer grĂ¶ĂŸeren Teil des Umsatzkuchens abholen. Im vergangenen Oktober verabschiedete sich der Konzern von der Zwei-Markenstrategie und stampfte die Marke Saturn ein.

Auch ganz oben in der Konzernstruktur kommt es zu einer Straffung der Struktur. Im Februar hatte die Hauptversammlung der DĂŒsseldorfer Ceconomy-Holding beschlossen, dass MediaMarktSaturn zur GĂ€nze ĂŒbernommen wird. Im Gegenzug steigt die bisherige MinderheitseigentĂŒmerin, die streitbare Familie Kellerhals, direkt bei Ceconomy ein und wird mit mehr als 25 Prozent grĂ¶ĂŸter EinzelaktionĂ€r. Mit der Transaktion sollen Doppelgleisigkeiten zwischen Ingolstadt und DĂŒsseldorf wegfallen.

Ausblick ungewiss

Aktuell leiden MediaMarkt und Saturn trotz boomenden Online-GeschĂ€fts unter den Corona-Folgen. Zahlreiche Filialen mussten vorĂŒbergehend schließen. Wegen der VerlĂ€ngerung des Lockdowns am Heimmarkt Deutschland, wo die Gruppe mit 420 Standorten vertreten ist, hatte der Konzern zuletzt seinen Ausblick zurĂŒckgezogen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen knapp 20,8 Milliarden Euro umgesetzt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollte laut bisheriger Prognoserechnung von 236 Millionen im Vorjahr auf 320 bis 370 Millionen Euro zulegen.simone hoepke

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