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Ski-Star Marcel Hirscher: Warum er eigene Ski baut und wie er sein Weltcup-Comeback plant

Marcel Hirscher weiß, dass es eine neue Skiproduktion eigentlich nicht braucht. Trotzdem hat er sie gebaut. Für den heurigen Skiweltcup gilt: Wenn er eine Startnummer kriegt, ist er dabei.
Marcel Hirscher steht draußen vor unscharfem Hintergrund und blickt nach links.

Bühne ist nicht Piste: Marcel Hirscher betont, dass er nervös ist, vor so vielen Menschen zu sprechen. Im Gespräch ist er gewohnt zurückhaltend. Und sagt dann doch sehr viel.

KURIER: Sie haben zwei Firmen gegründet, sind Ski-Profi, der ein Comeback geben will, sind Vater: Wie geht sich das alles aus?

Marcel Hirscher: Es ist eine Herausforderung. Ob es sich ausgeht, werden wir sehen. Vielbeschäftigte kennen das: Irgendwas kommt immer ein bissl zu kurz. Zumindest fühlt es sich oft so an.

Sie haben vor fünf Jahren Ihre Skimarke Van Deer-Red Bull Sports gestartet – wie geht’s der Firma heute?

Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Es war vielleicht nicht besonders schlau, da allein loszubrettern und zu sagen: Ich baue jetzt Ski, denn ich kann es besser. Obwohl ich schon glaube, dass ich es besser kann. Dass es jetzt so ist, war glückliche Fügung: Ich konnte Dietrich Mateschitz für das Projekt gewinnen. Er hat gesagt: „Marcel, ich wollt immer eine Skifirma – mach ma gemeinsam eine und verändern den Skisport.“ So ist ein Joint Venture entstanden, das bei Red Bull meines Wissens einmalig ist. Ich weiß das enorm zu schätzen: Die Firma ist Kindheitstraum und Lebenswerk.

Man sagt: Die modernste Skiproduktion der Welt, mit 100 Mitarbeitern. Was macht den Unterschied?

In der Industrie gibt es seit jeher ein Rennläufer-Privileg. Ich wollte bei unseren Skiern nicht zwischen Weltcup-Athleten und Kunden differenzieren. Wir sind keine Skifirma, die auch einen Rennstall betreibt. Wir sind ein Rennstall, der auch Ski für jedermann herstellt. Gleiche Rohstoffe, gleiche Konstruktionen, gleiche Kanten – das macht den Unterschied.

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Skiproduktion von Van Deer in Scheffau

Braucht es in der Welt eine neue Skiproduktion?

Nein, brauchen nicht. Eine Skifirma ist keine kritische Infrastruktur. Unsere ist aus Leidenschaft entstanden. Es ist schön, dass es sie gibt, gerade in Österreich, gerade mit dieser Bedeutung des Skisports für den Tourismus. Wann wir gewinnbringend sein werden mit verhältnismäßig kleinen Stückzahlen und dem Manufaktur-Ansatz, wird sich zeigen. Das Ziel ist es definitiv.

Wenn man sich alle Fakten anschaut, ist Österreich wohl der falsche Standort.

Rein faktisch: absolut. Aber: Wir haben in Österreich Expertise und Know-how Ende nie. Die größte Dichte an Experten, was Skisport betrifft. Klar könnten wir woanders günstiger und preiswerter produzieren. „Engineered in Österreich“ ist halt ein Wert, der stolz macht.

Welche Wirtschaftszahlen verraten Sie? Die Produktion soll auf 30.000 Paar Ski ausgelegt sein.

Zahlen stehen im Firmenbuch. Wir entwickeln uns besser und schneller als erwartet – bei Skiern und Schuhen.

Wie viel Digitalisierung und KI steckt in der Firma?

Wahrscheinlich noch zu wenig. Wir können viel rechnen, simulieren, zeichnen, messen, aber am Ende des Tages sind es die Athleten, die das Feedback geben. Schnee ist eine launische Materie.

Skifahren ist relativ analog?

Noch. Das KI-Zeitalter fängt bei uns grad an: Vorbereitung, Planung, Trainingssteuerung und Kursanalysen. Wir arbeiten mit Telemetrie und GPS – alles Modelle, die uns helfen und manchmal auch verwirren. Aktuell ist Skifahren noch eine analoge Sportart. Am Ende entscheidet der Athlet, welchen Ski er nimmt – mit seinem Gefühl und dem Mix an Information und Intuition, aber ohne KI.

Ihr Comeback-Versuch ist nicht wie geplant geglückt. Haben Sie die Entwicklung oder das Älterwerden unterschätzt?

So hätte ich es gar nicht gesehen. Mit der dritten Laufzeit in Sölden war ich happy, im Slalom haben wir uns schwergetan. Dann kam der Kreuzbandriss. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass bei mir eine passive Struktur reißen könnte und wurde eines Besseren belehrt. Es ist viel schwieriger, wieder zurückzukommen, als ich gedacht habe. Es ist eine andere Nummer, nochmals etwas zu versuchen, wenn man verletzt war. Die Wahrheit ist: Das Geschenk „Wildcard“ zum damaligen Zeitpunkt hat uns etwas überrollt. Es war der Plan, dass ich Mitte, Ende der Saison ein Weltcuprennen fahre. Dann kam aber diese Wildcard. Ich war nicht vorbereitet genug.

Sie haben beim Karriereende gesagt, wenn man nicht mehr trainieren will, muss man aufhören. Was hat Sie wieder zurückgeholt?

Ich habe Ski getestet und ich war auf eine halbe Sekunde Rückstand dabei. Da konnte ich es mir plötzlich wieder vorstellen: ich hatte mich erholt und hab das Feuer wieder gespürt. Damals war ich 34, zu jung, um nichts zu tun.

Auch das Training hat sich wohl weiterentwickelt.

Es ist eine neue Welt: Schlaf, Ernährung, Training, Erholung sind ständige Forschungsfelder. Wir experimentieren auch mit Sensoren, Telemetriedaten, sind da aber noch am Anfang. Die Formel 1 ist da meilenweit voraus – Ziel ist noch mehr Know-how-Transfer.

Sind Sie immer vermessen, wenn Sie trainieren?

Nicht immer. Bio-Tracking ist super, aber auch eine Überforderung. Man muss diese Daten richtig einordnen. In der Saison bin ich im roten Bereich. Trotzdem muss ich Rennen fahren – dem Rennkalender ist der Stresswert egal.

Sie sehen nicht aus, als hätten Sie nicht trainiert. Die Wildcard könnte wieder kommen. Was ist der Plan für die kommende Skisaison?

Ich will hundert Prozent fit sein. Wieder dorthin, wo ich war. Aber das Comeback ist nicht Selbstzweck, es geht mir auch um die Skifirma, um unsere Athleten, Kunden. Ich will den Sport weiterentwickeln. Nichtsdestotrotz: Sollte ich ein Ticket bekommen, möchte ich das gerne nützen.

Von Anfang an? Also mit Einstieg in Sölden?

Wäre schön, ist aber von der Zeit her schon wieder sehr knapp. Ich lasse mir das noch offen. Den Fehler, zu früh einzusteigen, mache ich nicht noch einmal.

Beide Disziplinen?

Klar: Beide! Slalom und Riesenslalom brauchen sich gegenseitig. Auch physiologisch: Für die Wirbelsäule ist Slalomfahren ein Traum, das ist wie lockern. Riesentorlauf ist für den Rücken schon ziemlich anstrengend.

Die Weltcup-Szene geht ja im Sommer zum Training nach Übersee. Sie auch?

Wir entscheiden bald, ob mein Knie wieder fit ist. Mein verletztes Bein war im Jänner noch 60 Prozent schwächer als das andere – diese Disbalance mussten wir ausgleichen.

Wann wissen wir, ob es heuer Rennmomente mit Marcel Hirscher gibt?

Die Entscheidung des Internationalen Skiverbands ist jetzt ausschlaggebend. Wenn ich eine Startnummer kriege, bin ich da.

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