Wirtschaft 27.06.2012

Machtkampf bei Red Bull?

Greift nach dem Tod des Red Bull-Erfinders Chaleo Yoodvidhya sein Sohn Chalerm (61) nach der Macht bei Red Bull? Zeichen deuten darauf hin.

Der Energydrink Red Bull hat – zumindest in westlicher Wahrnehmung – ein Gesicht: jenes des stets juvenil auftretenden, braungebrannten Dietrich Mateschitz. Und da war noch einer, das war bekannt – der eigentliche Erfinder: Chaleo Yoovidhya. 89-jährig ist der Mann Mitte März verstorben. Mateschitz hat mit Chaleo nicht nur einen Geschäftspartner, sondern nach eigenen Angaben einen „guten Freund“ verloren. "Ich werde ihn immer als besonderen Menschen in Erinnerung behalten", ließ der gebürtige Österreicher als Reaktion auf den Tod des zweitreichsten Mannes Thailands ausrichten. Was die Firma betrifft, werde es keine Veränderungen geben, so Mateschitz am Rande.

Chaleo Yoodvidhya wurde mittlerweile nach buddhistischen Riten bestattet – die Zeremonie dauerte eine Woche. Auch Mateschitz erwies seinem Freund, der ihn 30 Jahre seines Lebens begleitete, die letzte Ehre. "Dietrich ist auch ein Familienmitglied für uns", fand Chalerm Yoovidhya, 61-jähriger Sohn von Chaleo, laut Süddeutscher Zeitung anerkennende Worte für den weitgereisten Trauergast.

Und er sagte noch mehr: "Ich habe geholfen, den Drink aus dem Nichts zu entwickeln", zitiert die Bangkok Post. "Manchmal musste ich mein eigenes Geld einsetzen, um die Firma zu stützen." Was Chaleo damit sagen will? Vielleicht, dass er jetzt nach dem Tod seines Vaters am Erfolg der Marke teilhaben wolle – in größerem Maße als bisher. Denn bislang gehören dem  Yoovidhya-Spross zwei Prozent der Firma. Mateschitz und der verstorbene Erfinder halten jeweils 49%.

Erfolg zum daran teilhaben gäbe es genug: Nachdem Mateschitz bei Yoovidhya im Jahr 1982 das Rezept für Krating Daeng (=roter Stier, Anm.) kennengelernt hatte, schlossen sich die beiden 1984 zu einem Unternehmen zusammen. 1987 wurde Red Bull geboren und der weltweite Eroberungsfeldzug begann. In 164 Ländern gibt es den Energydrink mittlerweile, 4,631 Milliarden Dosen verkaufte der Konzern 2011 und setzte damit rund 4,3 Mrd. Euro um.

Chalerm als Red Bull-Boss

Oder greift Chalerm gar nach der Macht im Red Bull Konzern? Bislang überließ die Familie Yoodvidhya die öffentliche Bühne immer dem Marketingtalent Dietrich Mateschitz.

Vielleicht will sich der Spross auch nur gegenüber seinen Geschwistern profilieren? Immerhin hinterließ sein Vater als zweitreichster Mann Thailands ein Vermögen von rund fünf Milliarden Dollar (3,81 Mrd. Euro) und elf Kinder. Mateschitz hat bislang nicht auf die Aussagen reagiert.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( SZ ) Erstellt am 27.06.2012