Wirtschaft
05.04.2018

Lockere Häuslbauer-Kredite: Aufsicht ist besorgt

Private Wohnbau-Kredite mit 40 Jahren Laufzeit, bis ins hohe Alter: FMA droht Banken mit Strafzuschlägen.

Bei Österreichs Banken reißen in der Kreditvergabe allzu lockere Sitten ein, die der Finanzmarktaufsicht (FMA) Sorgen bereiten. So sei es keine Seltenheit, dass Häuslbauer Finanzierungen mit überlangen 40 Jahren Laufzeit bewilligt bekommen. Manche Kreditnehmer können ihre Raten bis ins reife Alter von 80 Jahren abstottern – früher war mit Pensionsantritt in der Regel Schluss. Auch der Eigenmittelanteil sinkt bedenklich; Bankkunden müssen oft nicht einmal mehr 20 Prozent Erspartes vorweisen können.

Jetzt noch keine Blase

„Vor allem in den vergangenen 24 Monaten hat sich das aufgebaut“, warnte FMA-Vorstand Helmut Ettl am Mittwochabend vor Journalisten. „Wir versuchen, die Ausbreitung frühzeitig einzudämmen.“ Im Aufschwung würden nämlich jene Finanzierungen getätigt, die dann in der nächsten Krise zu den faulen Krediten werden.

Im abgelaufenen Jahr haben die privaten Haushalte in Österreich um 4,5 Prozent mehr Wohnbaukredite aufgenommen. Das ist deutlich mehr als das Kreditwachstum insgesamt (+3 Prozent).

Das Risiko würde für jede Bank einzeln analysiert. Bei einer Gefahrenlage könnte die FMA dem Institut notfalls einen höheren Eigenkapitalbedarf vorschreiben, sagte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller. Mit der quasi regulatorischen Keule dreinschlagen und generelle Vorschriften für alle Banken erlassen will die Aufsicht aber noch nicht. Ein Systemrisiko oder eine Preisblase sehe man derzeit nämlich nicht.

Dass die Bank sich auf den Wert der Immobilie verlässt, die sie bei Rückzahlungsproblemen einkassiert, sei die „Notbremse“. Und die sollte so selten wie möglich gezogen werden. Ein Drittel der neuen Kredite ist fix verzinst. Es gibt aber teils kritische Anreize wie fünf tilgungsfreie Jahre oder niedrige Fixzinsen nur zu Beginn.

Die FMA erinnert an den Fremdwährungsboom: Das Abenteuer mit Yen und Franken endete für Viele recht teuer. 2008 wurde die Neuvergabe verboten, bis heute tragen 110.000 Haushalte Altlasten. Bei den Tilgungsträgern klafft eine Deckungslücke von rund fünf Milliarden Euro.