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Wirtschaft
03/30/2020

Liquiditätskrise: Ansturm auf Kredite und Stundungen

Reinhard Karl, RLB NÖ-Wien-Vize, über den neuen Alltag in den Banken im Interview

von Irmgard Kischko

Viele Selbstständige sind durch die Corona-Krise in finanziellen Nöten. Beim Härtefallfonds suchten bis Sonntagabend bereits mehr als 55.000 Kleinstunternehmen um staatliche Hilfe an.

Hochbetrieb herrscht auch bei den Banken. Der KURIER sprach mit Reinhard Karl, stellvertretender Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien über Kreditklemme, Staatshilfen und warum Filialen bald weniger lang offen haben.

KURIER: Herr Karl, seit zwei Wochen steht das Geschäftsleben in Österreich still. Wie spüren das die Banken?

Reinhard Karl: Die Mitarbeiter sind sehr gefordert. Die Anzahl der Stundungen von Krediten und die Anfragen nach Überbrückungskrediten sind in den vergangenen zwei Wochen deutlich gestiegen. Bei uns reden wir allein in den vergangenen Woche von rund 2.500 Stundungen mit einem Volumen von 300 bis 400 Mio. Euro. Auch bei den Überbrückungskrediten wurden weit über 1.300 Anträge von unseren Mitarbeitern abgearbeitet. Das ist weit mehr als das normale Ausmaß.

Glauben Sie, dass das in diesem Tempo weitergeht?

Naja: Es haben sich auch viele Betrieben seit Ausbruch der Corona-Krise Gedanken gemacht, wie sie das finanziell überstehen. Es gibt unzählige Gespräche unserer Mitarbeiter mit den Firmen über individuelle Lösungen. Das reicht von Stundungen der Zahlungen an Finanzamt, Krankenkasse und ersten Maßnahmen der Regierung. Als Bank können wir fällige Kredittilgungen in einem verkürzten Verfahren bis zu sechs Monate stunden.

Geht das für alle Kunden so einfach?

Natürlich gibt es Betriebe, die vor der Krise schon Schwierigkeiten hatten. Hier müssen wir sehr genau prüfen, ob wir helfen können.

Betrifft all dies auch Private, die etwa einen Wohnungskredit haben?

Der Großteil der Stundungen entfällt auf Firmen. Aber wenn jemand arbeitslos geworden ist, hat die Bank sicher ein offenes Ohr.

Wir rasch kann die Bank eine Stundung zusagen?

Die Mitarbeiter sind gut erreichbar. Aber zum eigenen und zum Schutz der Kunden auf Teleworking umgestiegen. Wenn die erforderlichen Unterlagen vorliegen, können die Zusagen je nach Bonität der Kunden rasch erfolgen.

Die Banken sollen auch staatliche Hilfen schnell abwickeln. Schaffen sie das?

Für eine schnelle Abarbeitung brauchen wir klar definierte Prozesse - zwischen Regierung, Förderstellen und Banken. Wichtig ist: Die Firmen müssen in Abstimmung mit dem Steuerberater alle erforderlichen Unterlagen liefern. Unser Ziel ist, die Anträge binnen 48 Stunden an die Förderstellen weiterzugeben, die dann die für die Kreditauszahlung notwendige Garantie ausstellt.

Dürfen die Banken überhaupt Kredite an Firmen vergeben, deren Bonität in der Krise schlecht ist?

Es gibt keine Kreditklemme. Das zeigt schon der erwähnte Anstieg der Kredite vergangene Woche. Wenn Firmen vor der Krise gut gelaufen sind, sollte es kein Problem sein. Wenn sie schon in Sanierungsbetreuung waren, ist das schwieriger.

Und wie sieht es in den Bankfilialen aus. Kommen viele Kunden?

Alle Filialen in Wien sind offen. Aber wir sehen, dass viel weniger Kunden kommen, insbesondere am Nachmittag. Wir denken in einem ersten Schritt an eine Anpassung der Öffnungszeiten.

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