Absatz eingebrochen: Lindt muss Preiserhöhungen zurücknehmen
Zusammenfassung
- Lindt & Sprüngli nimmt in mehreren europäischen Kernmärkten nach Absatzrückgängen infolge deutlicher Preiserhöhungen gezielt Preise für einzelne Produkte zurück.
- Zusätzlich setzt der Schokoladenhersteller auf kleinere Verpackungen, mehr Marketing und engere Zusammenarbeit mit dem Handel, um die Verkaufszahlen bis 2026 zu stabilisieren.
- Trotz eines Absatzrückgangs von 7,5 Prozent stiegen Umsatz und Betriebsergebnis im ersten Halbjahr dank Preiserhöhungen zur Abfederung der höheren Kakaokosten.
Weil die Schokolade den Kunden nach den jüngsten Preiserhöhungen zu teuer wurde, muss der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli nun zurückrudern. Besonders in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien hätten die Kunden nach den deutlichen Preiserhöhungen zurückhaltender eingekauft als erwartet. Auch in Österreich verzeichnete der Konzern einen Nachfragerückgang.
Lindt habe in den vergangenen Jahren Preiserhöhungen meist ohne nennenswerte Absatzverluste durchsetzen können. Umso überraschender sei die diesmal deutlich vorsichtigere Reaktion der Konsumenten in einzelnen europäischen Kernmärkten gewesen. Als Reaktion kündigte Lindt gezielte Preiskorrekturen in den Märkten an, in denen der Rückgang besonders groß gewesen sei. Die Anpassungen sollen sich auf einzelne Produkte beschränken, bei denen die Nachfrage besonders stark auf die höheren Preise reagiert habe.
Kleinere Packungen sollen Verkaufszahlen wieder antreiben
Auch an den Verpackungsgrößen wird geschraubt: Künftig sollen kleinere Packungen angeboten werden, um den Kaufpreis für die Konsumenten zu senken, ohne den Kilopreis grundsätzlich zu verändern. So sollen etwa Lindor-Produkte zusätzlich in 100- oder 137-Gramm-Packungen sowie statt nur in 500 Gramm auch in einer 337-Gramm-Version erhältlich sein. Dadurch werde der Einstiegspreis für die Kunden attraktiver.
Lindt-Vorstandschef Adalbert Lechner erhofft sich eine Stabilisierung der Verkaufszahlen.
Daneben setzt das Unternehmen auf eine engere Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel sowie auf verstärkte Marketingaktivitäten. „Die von uns gestarteten Maßnahmen zielen darauf ab, in der zweiten Jahreshälfte 2026 Volumen zu stabilisieren und den Grundstein für ein beschleunigtes Volumenwachstum im Jahr 2027 zu legen“, kündigt Vorstandschef Adalbert Lechner an. Man sei zuversichtlich, so die eigenen Jahresziele zu erreichen, und rechne nicht mit langfristigen negativen Effekten, teilt eine Sprecherin dem KURIER mit.
Der Konzern hatte die Preise im ersten Halbjahr gruppenweit um 11,8 Prozent erhöht, um die stark gestiegenen Kakaokosten auszugleichen. Gleichzeitig brach die Absatzmenge um 7,5 Prozent ein. In Österreich betrafen die Preiserhöhungen im ersten Halbjahr etwa das Ostersortiment.
Die Preiserhöhungen führten zu einem saftigen Umsatzplus
Dank der Preiserhöhungen stieg der Umsatz von Lindt & Sprüngli organisch um 4,3 Prozent auf 2,33 Milliarden Schweizer Franken (2,48 Mrd. Euro). Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich leicht auf 260,2 Millionen Franken. Die Ebit-Marge stieg auf 11,2 von 11,0 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Aktuell kostet eine 100-Gramm-Tafel der Serie „Lindt Excellence“ bei Spar online 4,49 Euro. Im Billa-Webshop sind es 4,79 Euro. Die Produkte vieler Mitbewerber liegen preislich deutlich darunter. Bei Spar spüre man wegen des Preises keine Kaufzurückhaltung, teilt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann dem KURIER mit. Die Kunden würden aber vermehrt zu günstigeren Produkten – etwa von Eigenmarken – greifen.
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