Wirtschaft
18.10.2017

Lieber Touristen als Langzeit-Mieter

Investoren sind ins gewinnträchtige Geschäft mit der Kurzzeit-Vermietung eingestiegen.

Das Vermieten der eigenen Wohnung oder von Zimmern an Touristen ist ein mittlerweile bekanntes Geschäftsmodell. Internet-Plattformen wie Airbnb vermitteln zig-tausende Wohnungen und Zimmer.

Doch mittlerweile haben professionelle Investoren dieses Modell übernommen und es weiterentwickelt. Es geht nicht mehr darum, die eigene Wohnung während des Urlaubs zu vermieten. Investoren kaufen mehrere Eigentumswohnungen und vermieten sie übers Jahr tage- oder wochenweise. Damit lässt sich deutlich mehr Geld verdienen, als wenn die Eigentumswohnung gemäß Mietrecht vergeben wird.

Laut den Experten vom Immobilienring geht es dabei österreichweit um rund 10.000 Wohnungen. Etwas mehr als die Hälfte davon sind in Wien. Immobilienplattformen beraten die Investoren beim Wohnungskauf und allen administrativen Problemen.

Preisgestaltung

Es werden sogar anhand von geschätzten Auslastungszahlen und Vorschlägen für die Preisgestaltung Berechnungen über die zu erwartende Immobilien-Renditen angestellt. Das Geschäftsmodell ist sehr beliebt. Die Vermietungsleistung von Wohnungen in den Landeshauptstädten stieg laut Andreas Baidinger vom Immobilienring von 2014 auf 2015 um das Doppelte. Bis zum Herbst 2017 betrug die Steigerung sogar fast das Dreifache.

Der Vizepräsident des Immobilienrings Andreas G. Gressenbauer erklärt die Motivation der Investoren, in das Geschäft einzusteigen, an Hand eines Beispiels: Bei der regulären Langzeitvermietung eines Einfamilienhauses in Salzburg Stadt konnte man jährlich etwa 50.000 Euro erwirtschaften. Wenn man es für Tage oder Wochen außerhalb des Mietrechts vergibt, sind 85.000 Euro pro Jahr möglich.

Mehrwert

Dadurch wird die Immobilie teurer und der Investor profitiert doppelt: Höhere Mieterträge und Wertsteigerung. "Mit diesem Geschäftsmodell der Kurzzeitvermietung ist nach derzeitiger Gesetzeslage und völlig regulärer finanztechnischer Abwicklung innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Preissteigerung von 40 Prozent zu erzielen", rechnet Gressenbauer vor.

Immobilienring-Präsident Georg Spiegelfeld sieht in den deutlich gestiegenen Kurzzeitvermietungen einen wesentlichen Grund für das weitere Steigen der Immobilienpreise in den Ballungszentren. "Der Höhenflug der Immobilienpreise hätte sich schon seit einigen Jahren abschwächen sollen."

Außerdem fehlen die Wohnungen für eine Langzeitvermietung gemäß Mietrecht. Das verschärft die ohnehin angespannt Lage am Wohnungsmarkt in den Ballungszentren. Eine vor einer Woche veröffentlichte Studie der Technischen Universität über Kurzzeit-Vermietung kam zur gleichen Schlussfolgerung. Trotzdem sieht die Wiener Stadtregierung keinen Handlungsbedarf: Die Zahl der betroffenen Wohnungen sei nur gering.