Wirtschaft
27.10.2017

Letzter Flug von Air Berlin: "Macht et jut!"

Die insolvente Airline beendet heute nach knapp 40 Jahren ihren Flugbetrieb. Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren sieht trotz der ungewissen Zukunft Chancen auch für die nicht übernommenen Mitarbeiter.

Die insolvente Air Berlin beendet heute, Freitag, nach knapp 40 Jahren ihren Flugbetrieb. Die letzte Maschine mit eigener Air-Berlin-Flugnummer AB6210 startet um 21.35 Uhr in München und landet um 22.45 Uhr in Berlin-Tegel. Dort wird es für die Maschine voraussichtlich eine Wasserfontäne der Feuerwehr geben, wie es bei solchen Ereignissen üblich ist.

" Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben", teilte die Fluggesellschaft am Freitag mit. "Air Berlin wünscht allzeit " Happy Landings!" und sagt im Namen aller Mitarbeiter "Macht et jut!""

"Tiefer Einschnitt"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach von einem "tiefen Einschnitt" im Berliner Luftverkehr. "Die Fluggesellschaft mit Sitz in der deutschen Hauptstadt und mit dem Namen Berlin auf ihren rot-weißen Maschinen war auf der ganzen Welt ein sympathischer Botschafter unserer Stadt."

Die Airline wurde 1978 gegründet und feierte am 28. April 1979 ihren Erstflug von Berlin nach Mallorca. Kritiker machen eine zu schnelle Expansion und ein verfehltes Geschäftsmodell für das Scheitern der Fluggesellschaft verantwortlich. Demnach wurde Air Berlin im Konkurrenzkampf mit Billigfliegern auf der einen Seite und Premium-Airlines wie der Lufthansa auf der anderen Seite zerrieben.

Nach der Insolvenz Mitte August wird Air Berlin nun zerschlagen. Den Löwenanteil mit rund 80 von gut 130 Flugzeugen übernimmt die AUA-Mutter Lufthansa. Tausenden der ehemals 8.000 Mitarbeitern droht die Kündigung. Auch die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki geht an die Lufthansa.

Bevollmächtigter: 70 bis 80 Prozent der Jobs erhalten

Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren bei Air Berlin, Frank Kebekus, sieht trotz der ungewissen Zukunft vieler Beschäftigter Chancen auch für die nicht übernommenen Mitarbeiter. "Wir gehen davon aus, dass wir 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze überleiten können", sagte er am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin".

Es gebe gute Aussichten, betonte Kebekus mit Blick auf die anhaltenden Gespräche mit Easyjet und Condor: "Wir verhandeln ja noch mit einem zweiten und dritten Interessenten - ich hoffe, dass wir da in den nächsten Tagen Vollzug melden können." Dies könne dazu führen, "dass wir da möglicherweise weitere 1.000 Arbeitsplätze anbieten können".

Einen Großteil der Maschinen der bisherigen Air Berlin will die AUA-Mutter Lufthansa übernehmen, die auch die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki übernimmt. Bis zu 3.000 Mitarbeiter sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. Die Lufthansa hatte es allerdings abgelehnt, sich an einer Transfergesellschaft zu beteiligen, in der weitere Beschäftigte nach dem Ende von Air Berlin weiterqualifiziert und -vermittelt werden könnten.

Übergang bei Technikabteilung

"Bei der Air-Berlin-Technik wird es einen Übergang geben", ergänzte Kebekus. Die Berliner Logistikfirma Zeitfracht will das Unternehmen zusammen mit der Wartungsfirma Nayak kaufen. Rund 300 Mitarbeiter werden übernommen, für weitere 550 soll es eine Auffanggesellschaft geben. Ein Betriebsübergang aller Mitarbeiter, für den sich auch die Gewerkschaft Verdi eingesetzt hatte, sei nicht realistisch, stellte Kebekus klar: "Ich glaube, nicht."

Man müsse das Engagement der Lufthansa respektieren, sagte er - auch wenn viele Beschäftigte davon nicht erfasst werden: "Allein durch die Übernahme von Niki und LGW werden über 1.700 Arbeitsplätze gesichert, da gibt es auch keine Änderungen oder Reduzierungen oder Ähnliches. Daneben gibt es weitere 1.300 - dafür muss man sich bewerben. Also reden wir schon mal über 3.000."

Zweifel an Lösung für Mitarbeiter

Beobachter zweifeln an den genannten 70 bis 80 Prozent. Ein Betriebsratsvertreter hatte jüngst gesagt: "Die 80 Prozent sind der größte Beschiss." Tausenden Mitarbeitern droht die Kündigung. Denn eine große Lösung für eine Transfergesellschaft über rund 50 Mio. Euro für etwa 4.000 Mitarbeiter war gescheitert, da sich Bund und Länder nicht ausreichend an der Finanzierung beteiligen wollten. Für die rund 1.200 Beschäftigten des Bodenpersonals soll es eine Auffanglösung gehen, die Air Berlin selbst und der Berliner Senat finanzieren wollen.

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag eine fehlende Unterstützung für die von der Arbeitslosigkeit betroffenen Mitarbeiter beklagt. Im Bayerischen Rundfunk bedauerte Sprecherin Martina Sönnichsen am Freitag das Scheitern einer großen Transfergesellschaft. Verdi begrüße es "außerordentlich", dass Berlin bereit sei, Geld für eine kleine Lösung beizusteuern. "Leider muss ich sagen, dass Bayern überhaupt nicht bereit war, dafür Geld zur Verfügung zu stellen."

Die Angebote von Nordrhein-Westfalen und dem Bund seien "nicht ausreichend" gewesen, sagte sie. Somit drohe nun vielen Beschäftigten die Arbeitslosigkeit. "Es werden tausende von Air Berlinern nicht sofort einen Arbeitsplatz finden können - leider", sagte Sönnichsen. Zwar habe vor allem das fliegende Personal Möglichkeiten, bei anderen Airlines einzusteigen, jedoch befürchte sie für sie "schlechtere Arbeitsbedingungen".