Wirtschaft 05.12.2011

Leitl: Frauen-Lohnrunde "entwürdigend"

WK-Chef Christoph Leitl kann dem Vorschlag der Gewerkschaft wenig abgewinnen. Wenn, dann müsse dies jedes Jahr in den KV-Verhandlungen berücksichtigt werden.

Das ist doch ein entwürdigender Vorschlag für die Frauen, wenn man sagt, jetzt braucht man für euch arme Hascherln, noch eine Extrarunde", kritisiert Wirtschaftskammer-Boss Christoph Leitl im ORF Radio den Vorschlag der Gewerkschaft, Extra-Lohnrunden für Frauen zu etablieren.

Die GPA hatte angeregt, zur Schließung der Einkommensschere die Einkommen von Frauen alle paar Jahre außertourlich zu erhöhen. Entsprechende KV-Runden könnte es etwa drei Mal innerhalb von zehn Jahren geben.

Das ist für den Wirtschaftskammer-Präsidenten eindeutig zu wenig. "Ich bin der Meinung, die Frauen haben es verdient, jedes Jahr mit ihren Anliegen, mit ihren Sorgen und Problemen bei den Verhandlungen berücksichtigt zu werden."

Online-Plattform startet

Wirtschaftskammer-Präsident Leitl

Zustimmung erhält der GPA-Vorstoß von Gabriele Heinisch-Hosek, Geht es nach der SP-Frauenministerin, sollten hier "schleunigst" Verhandlungen zu dem Thema aufgenommen werden.

Die SPÖ-Frauen stellen das Thema Lohngerechtigkeit daher ins Zentrum ihrer Arbeit im Herbst. Am Freitag startet hierzu die Online-Plattform www.lohngerechtigkeit.at, um mit Arbeitnehmerinnen und Unternehmern in ganz Österreich in Kontakt zu treten. Das Schwerpunktthema wurde nicht willkürlich gewählt, schließlich findet in Kürze wieder der Equal Pay Day statt. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das fordern wir Frauen seit über 100 Jahren. Diese Forderung ist heute aktueller denn je", so die SPÖ-Frauen-Vorsitzende.

Unterstützung von Grünen und BZÖ

Auch die Grünen und das BZÖ signalisierten am Donnerstag Zustimmung. Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, fordert die KV-Verhandler auf, mit dem Vorhaben in die nächste Lohnrunde zu gehen, einen Fixbetrag von mindestens 100 Euro für alle Frauen durchzusetzen.

Grundsätzlich sei jeder Vorschlag, der zur Verringerung der Gehaltsschere bei den Einkommen von Männern und Frauen beitrage, begrüßenswert, erklärt auch BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk. Aber mit "Ankündigungspolitik und leeren Plattitüden" müsse Schluss sein. Schenk erinnerte an BZÖ-Forderung nach Abschaffung der Zuverdienstgrenze und verlangte eine entsprechende Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

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Erstellt am 05.12.2011