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Lehrwerkstätten
03/29/2013

Überbetriebliche Lehrausbildung: Teuer, ineffizient, praxisfern?

VP-Wirtschaftsbund will den staatlichen Ersatz-Lehrstellen Förderungen kürzen. Die Gewerkschaft klagt, dass immer weniger Betriebe Lehrlinge ausbilden.

von Anita Staudacher

Beinahe wöchentlich schleusen Regierungsmitglieder Politiker aus dem EU-Ausland durch staatliche Lehrwerkstätten, um sie als Erfolgsmodell gegen Jugendarbeitslosigkeit zu promoten.

Diese ursprünglich als Auffangnetze für schwer vermittelbare Schulabgänger konzipierten überbetrieblichen Ausbildungszentren (ÜAZ) zählen mittlerweile zu den größten Lehrlingsausbildnern. Schon 10.000 Jugendliche machen hier ihre Lehrausbildung, immer mehr bleiben gleich die gesamte Lehrzeit dort.

Für den Wirtschaftsbund fällt die Bilanz der Überbetrieblichen eher nüchtern aus. Zu teuer, zu ineffizient, zu praxisfern, lässt sich die Kritik zusammenfassen. „Lehrwerkstätten kosten pro Lehrling drei Mal so viel wie betriebliche Ausbildungsplätze“, erklärt Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner. Weil Ausbildner und Lehrling bezahlt werden müssen, kostet ein ÜAZ-Platz 17.319 Euro im Jahr, ein Lehrplatz im Betrieb kommt auf 5605 Euro. Dem Staat kosten die Lehrwerkstätten 225 Millionen Euro im Jahr.

Mit einer hohen Drop-out-Rate während der Ausbildungszeit sowie der niedrigsten Erfolgsquote bei den Lehrabschlussprüfungen schneiden die ÜAZ wesentlich schlechter ab als die Lehrausbildung in einem Betrieb.

Falscher Weg

„Die Förderung von staatlichen Lehrwerkstätten ist der falsche Weg“, kritisiert Haubner und will wieder mehr staatliches Geld in Richtung Betriebe umleiten.

Ziel der Lehrwerkstätten müsse es sein, dass Jugendliche schon während der Ausbildung in eine betriebliche Lehrstelle wechseln, so Haubner, nur reguläre Arbeitsplätze seien nachhaltig. Die ÜAZ sollten nur eine Ergänzung zur betrieblichen Lehre sein, um Jugendliche Job-fit zu machen.

In die Privatwirtschaft zu vermitteln sei ohnehin Ziel der Lehrwerkstätten, kontert Christoph Peschek, Jugendvorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), doch die Betriebe würden immer weniger Lehrlinge aufnehmen. In Wien seien es nicht einmal mehr zehn Prozent, weshalb schon fast jeder dritte Lehrling vom Staat ausgebildet werde. Was die Erfolgsquoten anbelangt, so will Peschek eine „generelle Qualitätsdiskussion“ führen. Auch in Gewerbe- und Handwerksbetrieben gebe es schlechte Abschlussquoten.

Außerdem habe sich der Staat im Rahmen der Ausbildungsgarantie verpflichtet, jeden Jugendlichen aufzufangen. „Alternativen wären Arbeitslosigkeit und Armut.“

Im Rahmen der Ausbildungs- garantie gibt es heuer 11.700 Lehrplätze in 119 über- betrieblichen Ausbildungszentren (ÜAZ), z. B. bfi, Jugend am Werk, Weidinger&Partner. Ein Lehrplatz kostet 17.319 €. Zum Vergleich: Betriebliche Lehre: 5605 €,

AHS oder BHS: ca. 10.000 €.

27 Prozent der ÜAZ-Lehrlinge schafften 2012 die Abschluss-

prüfung nicht (bfi Wien: 15 Prozent). Der Österreich-Schnitt ist 18 Prozent, im Handwerk- und Gewerbe 22 Prozent. Ziel der ÜAZ ist auch Job-Integration und Berufsorientierung, um Arbeitslosigkeit zu verhindern.