Bauchladen mit Ökostrom und Reisen

Einzelhandel legt bei Umsatz und Beschaeftigtenzah
Foto: AP/Timur Emek Im Supermarkt und beim Diskonter gibt es längt nicht nur Lebensmittel.

Im Kampf um Marktanteile und Margen sind Händler auf der Suche nach neuen Einnahmequellen.

Milch, Butter, Brot, Grünstrom, Handykarte, Sparkonto und Traumstrand auf den Malediven: Im Supermarkt und beim Diskonter gibt es längt nicht nur Lebensmittel.

Erst am Wochenende hat Hofer mit seiner Grünstrom-Aktion den Tarifkalkulator zum Glühen gebracht (mehr dazu hier). Ein geschickter Schachzug des Diskonters, der sich damit ein weiteres grünes Mäntelchen zur Imagepolitur umhängt, sagen Experten. Und für die Stromanbieter eine ideale Gelegenheit, um ihr Angebot breitenwirksam zu platzieren. „An einem guten Samstag gehen 400.000 bis 500.000 Menschen zu Hofer einkaufen. Hofer ist also auch für Anbieter aus der Strom-, Telekom- oder Banken-Branche der ideale Partner, um an Kunden zu kommen“, weiß Peter Schnedlitz, Handelsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Auf diesen Weg sichern sich Handynetzbetreiber Hunderte zusätzliche Verkaufsstellen. Hinter der Spar-Marke sbudget-mobile steckt T-Mobile, hinter den Yesss-Karten von Hofer steckt A1 und Lidl vertreibt Wertkarten von Bob (A1) und „3“.

Bank im Supermarkt

Auch Banken zieht es in den Lebensmittelhandel. Ihre Selbstbedienungsfoyes und Internetbanking-Angebote hatten einen Haken: Sie haben nicht nur Kosten reduziert, sondern auch den Kundenkontakt. Schnedlitz: „In den USA ist das noch extremer ausgeprägt als bei uns. Die Banken versuchen jetzt wieder dorthin zugehen, wo die Menschen sind: In Geschäfte. Deswegen finden sie bei Walmart und Tesco Finanzdienstleistungen, die bis zum Verkauf von Lebensversicherungen gehen.“ Im Jahr 2000 hat auch Billa eine Sparkonten-Kooperation mit der Bank Austria gestartet. Das Modell hat in Österreich bisher aber nicht Schule gemacht. „Genauso wenig wie die meisten anderen Versuche des sogenannten Cross-Sellings“, meint Schnedlitz. Auch die Hofer-Designer-Mode-Ambitionen sind letztlich gefloppt.

Reise-Angebote

Fast schon Standard sind dagegen Reise-Angebote im Lebensmittelhandel. Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg) hat mit ITS-Billa-Reisen einen eigenen Veranstalter im Konzern. Spar verkauft in Kooperation mit Ruefa Urlaube und hinter Hofer-Reisen steht die Eurotours, eine Vertriebstochter des Verkehrsbüros. Allein im Vorjahr waren 550.000 Österreicher mit Hofer-Reisen unterwegs.

Die Händler stehen in einem harten Konkurrenzkampf, die Gewinnspannen sind mit durchschnittlich ein bis drei Prozent klein. „Deswegen wird verzweifelt nach ertragsstarken Warengruppen gesucht“, erklärt Peter Györffy, Chef der Unternehmensberatung Conplementation und selbst Berater großer Handelshäuser. Im Baumarkt gibt es deswegen neuerdings Rotwein, im Buchladen Olivenöl oder eben im Lebensmittelhandel Telefonwertkarten. „Der Lebensmittelhandel ist gierig darauf, seine Umsätze darzustellen. Wenn eine 50-Euro-Telefonkarte über die Kassa gezogen wird, zieht das die durchschnittliche Bon-Summe nach oben und hilft die Marktanteile besser aussehen zu lassen“, plaudert er aus der Schule.

Fest steht, dass das Angebot immer breiter wird und immer mehr Produzenten ihre Angebote im Handel platzieren wollen. „Die meisten Angebote müssen wir ablehnen“, erklärt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Gut laufen unter anderem Kooperationen mit Tourismusregionen sowie sbudget-Reisen.

Ökostrom aus dem Supermarkt gab es übrigens schon 2010 bei Merkur: Binnen sechs Wochen wurden 2000 Verträge verkauft. Ob es eine Neuauflage der Aktion geben wird, verrät der Konzern nicht. Bei Hofer haben jedenfalls am Montag binnen weniger Stunden die ersten 1200 Kunden Ökostrom-Verträge abgeschlossen. Der Diskonter überlegt bereits eine Ausdehnung der Aktion.

(kurier) Erstellt am
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