Dell Technologies Summit

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Wirtschaft
12/16/2019

Laptop-Stresstest: "Unser Motto ist: bauen und kaputt machen"

PC-Hersteller Dell testet seine Notebooks und Tablets unter Extrembedingungen. Der KURIER durfte dabei zusehen.

von Martin Stepanek

Es ist eine Szene wie aus einem Science-Fiction-Film. Die geöffnete riesige StahltĂŒr gibt den Blick auf eine fensterlose Kammer frei, die komplett mit dunklem Schaumstoff ausgekleidet ist. In der Mitte des Raumes steht ein sich drehendes weißes Podest, aus dem zwei schwarze HĂ€nde emporragen. Sie halten ein zum Tablet umfunktioniertes Notebook, das mittels roten Lasers bestrahlt wird. Ort der Szenerie: Ein Labor des US-Computerherstellers Dell am Firmensitz in Austin, Texas.

Funksignale messen

Der KURIER bekam die seltene Gelegenheit, einen Blick in die Forschungs- und Testeinrichtungen des Konzerns zu werfen. In dem „Drahtlos“-Labor, das sich hinter einem der zahllosen TĂŒren im GebĂ€udekomplex am Campus versteckt, prĂŒfen Forscher, wie und wo der WLAN-Chip und Mobilfunkantennen verbaut sein mĂŒssen, damit das GerĂ€t einen guten Empfang hat.

Da moderne Laptops so gut wie keinen GehĂ€userahmen mehr ĂŒber dem Bildschirm haben, können Funkmodule dort nicht mehr integriert werden. Sie sind bei Dell nun unter dem Touchpad angebracht.

Menschliche Haut simulieren

Auch Störfaktoren, wie etwa das Halten des Tablets mit zwei HÀnden, aber auch wie GebÀudewÀnde das Signal beeinflussen, werden gemessen. Dazu fÀhrt ein Roboter mit einem aufmontierten Laptop zwischen BetonwÀnden unterschiedlicher StÀrke umher und sammelt Daten.

Aber auch auf den menschlichen Körper muss RĂŒcksicht genommen werden. An einer anderen Station im Raum wird die Strahlungsbelastung auf menschliches Gewebe untersucht, das von WLAN und Mobilfunk ausgeht. Ziel ist es, den sogenannten SAR-Wert, der die ErwĂ€rmung des Gewebes durch Strahlung angibt, möglichst gering zu halten. Als Versuchskaninchen fungiert kĂŒnstliches Gewebe, das der menschlichen Haut nachempfunden ist.

In der KĂ€ltekammer

Ortswechsel: Wer sehen will, wie ein Notebook aus drei Metern Höhe auf eine Stahlplatte knallt, ist im „Rugged“-Labor richtig. Dort werden besonders robuste GerĂ€te getestet, die fĂŒr den Außeneinsatz vorgesehen sind. „Unser Motto ist: bauen und kaputt machen. Wenn wir es geschafft haben, dass etwas kaputt geht, analysieren wir, was die Schwachstelle war und wie man das GerĂ€t widerstandsfĂ€higer machen kann“, erklĂ€rt Laborleiter Anthony Bundrant auf KURIER-Nachfrage. 

Der Sturzflug des GerĂ€ts auf harten Boden ist nur einer von vielen Tests. An einer anderen Station wird ein Laptop von einem Roboterarm 150.000-mal auf- und zugeklappt. Der Test dauert 84 Tage und simuliert im Schnelldurchlauf eine 5 Jahre lange Nutzung. Noch ungemĂŒtlicher wird es fĂŒr die GerĂ€te in diversen Kammern, wo sie Temperaturen von minus 51 bis plus 71 Grad ertragen mĂŒssen und mit feinstem Staub beworfen werden.

Wasser und WĂŒste

In einem anderen Raum, der an einen Schlachthof erinnert, wird ein am Boden liegendes GerĂ€t gar mit einem Schlauch mit Wasser bespritzt. „Die Tests haben einen realen Hintergrund. So kann es in Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr oder Polizei schnell mal 70 Grad bekommen, wenn diese im SĂŒden der USA in der Sonne abgestellt werden. Bei MilitĂ€reinsĂ€tzen wiederum muss der Laptop auch bei SandstĂŒrmen in der WĂŒste funktionieren“, erklĂ€rt Bundrant.

Viele der Erkenntnisse fĂŒr die besonders robusten „Rugged“-Modelle fließen in die normalen Konsumenten-GerĂ€te ein. Dass diese in den vergangenen Jahren immer kompakter und leichter geworden sind, hat die Aufgabe der Entwickler nicht einfacher gemacht.

Wenig glamourös

Dell ist nicht Apple oder Google. Am Campus steht weder ein futuristischer Glastempel, noch werden Besuchern stolz durch AufenthaltsrĂ€ume gefĂŒhrt, wo man mit Rutschen in ein buntes PlastikbĂ€llebad abtauchen kann. Im Inneren der GebĂ€ude dominiert brauner Teppichboden, der schon bessere Tage gesehen hat. Auch die GroßraumbĂŒros, die man auf dem Weg in die Labors passiert, erinnern eher an die 80er-Jahre. „Es wird in KĂŒrze renoviert, ein Teil ist schon fertig“, erfahren Besucher knapp auf Nachfrage.

Wer GrĂŒnder Michael Dell kennt, wird sich ĂŒber die zweckmĂ€ĂŸige Gestaltung des Hauptquartiers nicht wundern. Der Unternehmer gilt als hemdsĂ€rmelig und bodenstĂ€ndig, das Inszenieren und Sich-zur-Schau-Stellen ist ihm fremd. Dazu passt auch, dass Dell an der wenig glamourösen und wiederholt totgesagten PC-Kategorie festgehalten hat und damit weiterhin gut verdient.

Über Dell Technologies

Michael Dell machte die 1984 von ihm gegrĂŒndete Firma zu einem der grĂ¶ĂŸten Computer-hersteller der Welt. 2015 ĂŒbernahm Dell um 67 Milliarden Dollar den Speicher- und Serverspezialisten EMC, um sein Portfolio in den Bereichen Cloud und Datenverarbeitung zu stĂ€rken.

Mit ĂŒber 11 Millionen verkaufter GerĂ€te landete Dell im vergangenen Quartal zwar hinter Lenovo und HP. Der Umsatz von 11,5 Milliarden Euro bedeutete aber Platz eins auf dem PC-Markt. Der Gesamtumsatz des Konzerns belief sich im selben Zeitraum auf 22,8 Milliarden Dollar.

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