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Wirtschaft
08/25/2020

Lagerhaus statt Hotel: die Staatsfonds investieren jetzt anders

Die Corona-Krise zwingt Staatsfonds zum Umdenken. Sie stecken weniger Geld in klassische Büro- und Hotelimmobilien.

Die Corona-Krise zwingt Staatsfonds zum Umdenken. Sie stecken weniger Geld in klassische Büro- und Hotelimmobilien, die ihnen jahrelang stabile Renditen eingebracht haben.

Wegen der Pandemie stehen nun aber auf der ganzen Welt Büros leer, Hotels sind nicht einmal annähernd ausgelastet und zahlreiche Einzelhändler haben Schwierigkeiten, sich über Wasser zu halten.

Immobilien für die Logistikbranche

In den Fokus der Staatsfonds rücken daher Immobilien für die Logistik- und Gesundheitsbranche. "Immobilien werden bei Staatsfonds auch künftig einen großen Teil der Portfolien ausmachen, aber sie wollen Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit und schauen sich daher in anderen Branchen um", sagt Diego Lopez, Chef bei der auf Staatsfonds spezialisierten Beratungsagentur Global SWF.

Die Investitionen von Staatsfonds in den Immobiliensektor sind insgesamt deutlich eingebrochen, wie Daten von Global SWF zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Demnach legten die riesigen Investmentvehikel aus reichen Ländern wie Norwegen, Singapur oder Katar in den ersten sieben Monaten 2020 rund 4,4 Mrd. Dollar (3,71 Mrd. Euro) im Immobiliensektor an - das waren 65 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2019.

Büroobjekte sind out

Zahlen der Beratungsfirma Jones Lang LaSalle (JLL) zufolge schrumpften die direkten Investitionen in gewerbliche Immobilien im ersten Halbjahr global um 29 Prozent auf 321 Mrd. Dollar.

Das war der niedrigste Stand seit 2012. Am stärksten unter die Räder kamen der Studie zufolge gemischt genutzte Immobilien (minus 57 Prozent) und Hotels (minus 50 Prozent).

Büroobjekte hätten circa ein Drittel eingebüßt. Vor allem bei Investments in Städten wie Los Angeles oder London hielten sich die Fondsmanager zurück, obwohl Gewerbeimmobilien in solchen Metropolen in der Regel heiß begehrt sind.

Gute Aussichten für Biotechbranche

Positiv schätzen die Experten hingegen die Aussichten für Gebäude in der Biotech-Branche ein. "Wir erkennen einen starken Anstieg der Nachfrage nach Laboren", sagt Alistair Meadows, Manager bei JLL in Großbritannien.

Eine Umschichtung in den Portfolien könnte nach Meinung von Experten weitreichende Folgen für die gesamte Immobilienbranche bedeuten, denn Staatsfonds haben viele Milliarden Dollar zu verteilen. Unter den Top-10-Immobilienanlegern finden sich dem Researchhaus IPE Real Assets zufolge gleich drei der staatlichen Investoren.

Experten rechnen damit, dass in Folge der Corona-Pandemie manche Büros vor allem in Stadtrandlagen künftig nicht mehr benötigt werden, da mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten.

Steigende Leerstände

"Immobilienanbieter in einigen Regionen werden ziemlich darunter leiden, dass Mitarbeiter sich die quälende Pendlerei ersparen wollen", sagt Immobilienspezialistin Yolande Barnes von der Londoner Universität UCL.

Andreas Wende, Geschäftsführer der Immobilienberatungsgruppe NAI Apollo, rechnet mit einem Rückgang der benötigten Büroflächen um 20 bis 30 Prozent in Deutschland. Analysten erwarten steigende Leerstände und sinkende Mieten.

Ganz verschwinden werden Immobilien vom Radar der großen Investoren nicht, da sind sich Experten einig. "In einer Welt mit vielen Turbulenzen sind Immobilien egal welcher Art immer noch eine gute Alternative zu anderen Anlagemöglichkeiten", sagt UCL-Professorin Barnes.

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