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Wirtschaft
11/01/2020

Künstliche Intelligenz macht oft nicht klüger

Warum KI-Projekte meist die Erwartungen enttäuschen und was man dagegen tun kann

von Thomas Pressberger

Weltweit setzen 57 Prozent aller Unternehmen Projekte mit künstlicher Intelligenz (KI) um, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber 2019. 59 Prozent haben sogar eine konkrete KI-Strategie – das sind um 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch bringt nur jedes zehnte KI-Projekt Ertrag, besagt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG).

„KI ist ein Thema, es wird viel in Projekte investiert. Man sieht aber, dass die messbaren Erfolge oft ausbleiben“, sagt Michael Widowitz, Leiter von BCG GAMMA Österreich und CEE, eine BCG-Einheit, die sich mit Data Science und künstliche Intelligenz beschäftigt. Da müsse man sich die Frage stellen, ob man das nur mache, weil es modern sei, oder ob man Geld damit verdienen wolle.

Grabenkämpfe

Die Studie nennt auch die Gründe, warum der Einsatz von KI schiefgehen kann. Entscheidend ist die Kombination aus Modell (z.B. die Abschätzung von Preis-Sensitivitäten im Einzelhandel und Optimierung von Rabatten), Technik (z.B. ein Echtzeitsystem, welches Lagerstände, Kundenströme und Einkaufspreise kontinuierlich an das Modell liefert) und deren Einbindung in Prozesse. „Mehrheitlich hängt der Erfolg vom letzten Punkt ab“, sagt Widowitz. Man müsse Mensch und Maschinenarbeit richtig verbinden, oft werde hier noch zu sehr in Gräben gedacht. Der Mensch habe kognitive Fähigkeiten, die Maschine könne Millionen Datensätze an einem Tag verarbeiten.

Widowitz nennt als Beispiel die Kredit- und Risikoanalyse von Banken, die einmal pro Jahr ihr Kreditportfolio durchchecken müssen. Die Maschine kann die Routineaufgaben übernehmen, zum Beispiel überprüfen, ob sich die Einnahmen der Kreditnehmer im vergangenen Jahr verändert haben. „Damit nimmt sie dem Experten viel langweilige Arbeit ab. Dieser kann die gewonnene Zeit für Fälle nutzen, die die Maschine nicht beurteilen kann.“

Das erfolgreiche Einsetzen eines Modells erfordert ein massives Umdenken der Prozesse, erklärt Widowitz. „Man muss die Dinge also ganz anders denken.“ Sieht man sich den Marketingbereich an, so liege in vielen Unternehmen der Fokus noch zu viel auf Kampagnen, statt sich maßgeschneidert und zum richtigen Zeitpunkt an einzelne Kunden zu wenden. KI sei nicht nur für große Unternehmen sinnvoll, sondern – zumindest gewisse Elemente – auch für kleinere Betriebe. „Eine Chance, KI zu nutzen, besteht dann, wenn man Veränderung fördert beziehungsweise kreative Veränderung nicht beschränkt“, sagt Widowitz. In Europa werde es oft belohnt, wenn der Ist-Zustand erhalten werde. Das sei kein Umfeld, das dazu führe, alle Prozesse neu zu denken. Führend beim Einsatz von KI sind China und die USA, aber auch osteuropäische Staaten und Russland sind experimentierfreudig. Österreich liegt in Europa im Mittelfeld. „Man weiß, dass Innovation wichtig ist, aber das Verständnis für das Thema ist noch am Anfang.“

Für große Unternehmen ist der Einsatz von KI alternativlos. „Ein Bäcker kann vielleicht auch in Zukunft ohne KI auskommen, aber Banken werden sie nutzen müssen“, so der Experte.

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