Raum, in dem eine gro├če Maschine steht

┬ę KURIER/Gilbert Novy

Lokalaugenschein
02/13/2017

Kraftwerk Greifenstein: 30 Meter unter dem Strom

Beim Lokalaugenschein im Donaukraftwerk muss man tief unter Wasser.

von Irmgard Kischko

Acht zig-Tonnen schwere Dammbalken sch├╝tzen uns vor den Wassermassen der Donau, die normalerweise hier durchrauschen. Wir befinden uns 30 Meter unter dem Wasserspiegel der Donau, herabgelassen in einer Art menschengro├čem Vogelk├Ąfig, im Herzst├╝ck des Donaukraftwerks Greifenstein, dem Maschinenraum. Hier donnern im Vollbetrieb Hunderte Kubikmeter Wasser pro Sekunde auf die Kaplan-Turbine, die den Generator antreibt, der Strom erzeugt.

Es ist einer der seltenen Momente seit Inbetriebnahme des Kraftwerks 1985, in dem das Betreten des Maschinenraums, der von Betonw├Ąnden so hoch wie ein zehnst├Âckiges Geb├Ąude umgeben ist, ├╝berhaupt m├Âglich ist. Nur alle zehn Jahre ├╝berpr├╝ft der Verbund die Maschinen so wie derzeit. Dann m├╝ssen Techniker penibel alle Verschlei├čteile testen und wenn n├Âtig erneuern. Fehler sind nicht erlaubt, zu teuer w├Ąre eine Abschaltung. "Bis zu 900.000 Euro kann so eine Revision kosten", sagt Heinz Allmer, Leiter der nieder├Âsterreichischen Donaukraftwerke.

Fische nehmen Schleuse

Doch das, was die Ingenieure am Kraftwerk so fasziniert, kommt Stromverbrauchern beim Gedanken an Wasserkraft selten in den Sinn. Sie fragen sich eher, ob sich in den riesigen Rechen, die das Treibgut am Kraftwerkseingang abhalten, Fische verfangen. Oder ob die Fische gar in die Turbinen kommen und dort zerfetzt werden. Oder, ob die Wasserkraft die Aulandschaft zerst├Ârt.

"Fische kommen fast nie in den Rechen und gar nie in die Turbinen", sagt Allmer. Denn sie meiden die starke Str├Âmung, sie schwimmen meist mit den Schiffen durch die Schleusen. "Manch ein Fisch schwimmt sogar zur├╝ck und nochmals durch die Schleuse", erkl├Ąrt Allmer.

Gie├čgang sch├╝tzt Au

Er kennt sich mit Fischen inzwischen fast genauso gut aus wie mit der Wasserkraft. Denn der Verbund hat sogar mehrere Biologen angestellt und arbeitet mit der Universit├Ąt f├╝r Bodenkultur zusammen, um die Fischwanderungen im Detail zu studieren. Und er baut eine neue Fischaufstiegshilfe, die den Fischen das Durchqueren des Kraftwerks erleichtert.

Die Au in Greifenstein sei durch das Kraftwerk ├╝berhaupt erst vor der Autrocknung gesch├╝tzt worden, meint Allmer. Der Verbund habe n├Ąmlich einen so genannten Gie├čgang errichtet, einen k├╝nstlichen Donauarm, der die Au seit der Errichtung des Kraftwerks bew├Ąssert.

25.000 Tonnen M├╝ll

Aus der Donau fischt der Verbund dennoch einiges: Keine Fische, sondern M├╝ll und den tonnenweise. 25.000 Tonnen im Jahr war der bisherige Rekord. "Viel Plastik, aber auch biogener M├╝ll", sagt Allmer. Abtransportiert wird der M├╝ll mit schwimmenden Kr├Ąnen ÔÇô nicht die einzigen Schiffe, die der Stromkonzern besitzt. "Wir haben die gr├Â├čte Flotte ├ľsterreichs", nennt Michael Ammerer, Leiter der Verbund Hydro Power, eine ├╝berraschende Zahl: 43 schwimmende Ger├Ąte, vom Baggerschiff bis zum Eisbrecher, sind beim Verbund im Einsatz. F├╝r die schwimmenden Ger├Ąte besch├Ąftigt er sogar 18 Matrosen.

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