© APA/AFP/ANGELA WEISS

04/26/2020

Konzerne bevorzugt: Chaos bei US-Corona-Hilfspaket

Großunternehmen holen sich das Geld ab, das für kleine Betriebe gedacht war.

von Angelika Ahrens

Daniel Minzer steht jeden Morgen selbst hinter der Theke seiner Patisserie in Harlem. So wenig Mitarbeiter wie möglich, ist derzeit das oberste Gebot. Denn maximal ein Kunde traut sich in Corona-Zeiten in den Laden, der so schmal ist wie ein Baguette. Social Distancing ist hier nur schwer möglich.

Der gebürtige Chilene hat seine Banker-Karriere gegen die Patisserie eingetauscht und verkauft Süßes aus seiner Heimat. Die „Dulceria“ in NYC war immer sein Traum. Mit seinem Partner hat er 200.000 Dollar in den kleinen Laden investiert. Die Coronakrise trifft ihn, die Umsatzberechnungen halten nicht. Aber seit Starbucks gegenüber zugesperrt hat, holen sich die Polizisten eben hier ihren „Coffee to go“. Das hilft.

Da Daniel seinen Laden erst vor vier Monaten aufgesperrt hat, konnte er keinen Kredit des Corona-Hilfsprogramms des Staates beantragen. Etliche andere Kleinunternehmer sind nicht zum Zug gekommen.

„Es war so enttäuschend für so viele meiner Klienten,“ sagt Steuerberater Allan Gross. „Viele Firmen haben keine Finanzierung bekommen, weil dem Regierungsprogramm das Geld ausgegangen ist.“ Innerhalb von zwei Wochen sind 349 Milliarden Dollar regelrecht verdampft. Wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allan hat vielen seiner Kunden geholfen, einen Antrag bei den Banken zu stellen. Aber genau da sind dann die Schwierigkeiten erst los gegangen.

Jeder will andere Unterlagen

„Es war sehr verwirrend. Allein in unserem Büro mussten wir Anträge an acht bis zehn verschiedenen Banken stellen. Und jede Bank wollte unterschiedliche Unterlagen. Die Behörde hat keine konkreten Regeln dafür gemacht. Und da hat jede Bank eben andere Geschäftsdokumente von ihren Kreditnehmern verlangt.“ Allan berät mehr als hundert kleine Unternehmer, hauptsächlich Innenausstatter und Restaurateure. Aber nur ein Dutzend davon hat tatsächlich einen der heiß begehrten Kredite bekommen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Geschenktes Geld also. Fast.

Denn es gelten bestimmte Kriterien: Zum Beispiel müssen 75 Prozent des Kredits für Löhne verwendet werden. Doch auch die Mitarbeiter rechnen. Für viele rentiert es sich derzeit nicht, sich wieder anstellen zu lassen. Denn wer zuvor in NYC 300 Dollar die Woche verdient hat, bekommt jetzt bis zu 150 Dollar Arbeitslosengeld. 600 Dollar gibt es wegen der Coronakrise oben drauf. Zumindest vier Monate. Das sind in Summe 750 Dollar. Mehr, als sonst.

Wie sieht der Steuerberater das „First come – first serve“-Prinzip, nachdem die Kreditvergabe abgelaufen ist? Gross: „Dieses Hilfs-Programm hätte funktioniert, wenn sie diese vier Worte weg gelassen hätten. Dann hätte sich jeder hinsetzen und überlegen können, ob es für ihn überhaupt Sinn macht. Denn die Mitarbeiter müssen acht Wochen nach Zuteilung des Kredits eingestellt werden.“ In New York ist der Shutdown aber noch zumindest bis 15. Mai verlängert worden.

Wenn die Kriterien der Regierung nicht erfüllt werden, gelten ultraniedrige Zinsen von einem Prozent für zwei Jahre. Aber, der Kredit muss zurückgezahlt werden. „Die Leute haben wie wild Kredite beantragt. Das war das größte Problem des Hilfsprogrammes.“ Für einige wenige hat sich der „Run“ richtig ausgezahlt: Ruth’s Chris Steakhouse in Midtown Manhattan hat 20 Millionen Dollar Kredit bekommen. Börsenotiert und mit mehr als 5.000 Mitarbeitern mit Sicherheit keine kleine Firma. Der Trick? Das Hilfs-Programm gilt für Unternehmen, wenn sie nicht mehr als 500 Mitarbeiter an einem Standort beschäftigen.

Die ebenfalls börsenotierte Fastfood-Kette „Shake Shack“ hat zehn Millionen Dollar erhalten, will den Kredit aber zurückgeben.

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