© APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLATT

Wirtschaft
04/03/2020

USA: Was kann das 2-Billionen-Hilfspaket?

Der Erfolg ist auch eine Frage der Geschwindigkeit, sagen Experten.

von Angelika Ahrens

Die USA sind weltweit mittlerweile der Corona-Krisenherd Nummer eins, mit mehr als 124.000 Fällen. Die Wirtschaft der Supermacht steht wegen der „Ausgangssperren“ vielerorts quasi still.

In der letzten Woche haben sich 6,65 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, eine Woche davor waren es mehr als drei Millionen, ein Anstieg wie nie zuvor.

Ein rasanter Umschwung, vor Kurzem wurde von Küste zu Küste noch fast Vollbeschäftigung gemeldet. Die Amerikaner haben Häuser und neue Autos gekauft, auf Pump. Doch wer keinen Job mehr hat, investiert auch weniger.

Kein Heilmittel für die Wirtschaft

Viele wissen nicht, wie sie die Miete oder den Strom bezahlen sollen. Daher hat die US-Regierung das größte Hilfspaket in der Nachkriegsgeschichte der USA geschnürt: Zwei Billionen US-Dollar. Oder anders formuliert: 2.000 Milliarden US-Dollar. Das entspricht fast zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

„Dieses massive Wirtschaftspaket wird die Auswirkungen der Epidemie auf die US-Wirtschaft abfedern“, meint Richard Bernstein, Vorstand der Wallstreet-Investmentfirma Richard Bernstein Advisors.

„Aber es sollte nicht als Heilmittel für die Wirtschaft verstanden werden. Keiner weiß, was das zweite und das dritte Quartal bringen wird und ob es weitere Hilfspakete gibt. Die Geschichte lehrt uns, dass es klug ist, zumindest ein bisschen skeptisch zu sein.

Bares auf die Hand

Im Rahmen des Hilfspakets sollen Erwachsene 1.200 Dollar bekommen, wenn sie weniger als 75.000 Dollar verdienen. Zusätzlich soll es für Kinder bis 16 Jahre 500 Dollar geben. Die Arbeitslosenversicherung wird deutlich ausgeweitet.

Kleine Unternehmen wie die vielen Geschäfte, Restaurants, die derzeit zugesperrt sind, sollen Zuschüsse bekommen, genauso wie große Unternehmen.

Zuschüsse in Form von Krediten, die unter bestimmten Auflagen nicht zurückgezahlt werden müssen. Ein großer Ansturm wird erwartet. Hilfen gibt es unter anderem auch für die Airlines und den Flugzeughersteller Boeing, sowie für Krankenhäuser und bei der Ausbildung.

„Die Politiker und Notenbanker haben uns mit ihren Maßnahmen Zeit gekauft,“ sagt Michael Pugliese, Ökonom bei dem US-Investmentkonzern Wells Fargo. „Mit diesen Maßnahmen sollen die Löcher im Boot gestopft werden. Es geht nicht darum, die Wirtschaft zu beschleunigen.“

Könnte zu spät kommen

Laut US-Finanzminister Steven Mnuchin sollen die ersten Gelder im April fließen. „Je länger es dauert, desto weniger effektiv ist es. Denn es ist noch nie so schnell mit der Wirtschaft bergab gegangen. Die privaten Haushalte und Unternehmen sind noch nie so schnell und so hart getroffen worden. Wenn die Auszahlungen verzögert werden, könnte die Hilfe für manche zu spät kommen, um sie vor dem Zahlungsverzug oder dem Konkurs zu retten,“ so der Wall-Street-Banker Richard Bernstein.

„Wir haben es mit etwas zu tun, das so schlimm oder schlimmer ist als die große Rezession“, so Pugliese. Also größer als das, was durch das Platzen der Immobilien-Blase 2009 und der einhergehenden Finanz- und Bankenkrise nahezu weltweit zu einer Rezession geführt hat.

Erholung erst ab Herbst

Während JP Morgan mit einem Einbruch der US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 25 Prozent rechnet, geht Wells Fargo von minus 15 Prozent im zweiten, minus 6 Prozent im dritten Quartal aus. Ab Herbst sollte sich die Wirtschaft wieder erholen.

Und: Die USA könnten das gewaltige Hilfspaket schultern: „Die USA haben bereits höhere Budgetdefizite in Notfällen gehabt, nehmen sie z. B. den Zweiten Weltkrieg, da war das Defizit in der Spitze bei 25 bis 30 Prozent der Wirtschaftsleistung“, sagt Pugliese. Für heuer rechnet er mit elf oder zwölf Prozent.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.