"Dann kratzen wir an der Rezession": Wie WIFO und IHS zu ihren düsteren Prognosen kommen
2026 sollte Österreichs Wirtschaft wieder spürbar wachsen. Der Krieg im Nahen Osten macht dem aber einen Strich durch die Rechnung. Die Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS, die davor von einem Wachstum von 1,2 bzw. 1,0 Prozent ausgingen, korrigierten ihre Prognosen am Freitag deutlich nach unten. Das WIFO geht jetzt von einem Wachstum von 0,9 Prozent aus, das IHS rechnet nur noch mit 0,5 Prozent.
Die Prognosen sind aber alles andere als sicher. Denn sollte der Iran-Krieg länger dauern, sieht es weit düsterer aus. „Dann kratzen wir an der Rezession“, sagte WIFO-Chef Gabriel Felbermayr am Freitag bei der Präsentation der Konjunkturprognosen der beiden Institute. Das WIFO sieht dann für heuer ein Vollbremsung beim Wachstum auf 0,2 Prozent, das IHS geht in einem solchen Fall von 0,3 Prozent aus.
Warum fällt die Wirtschaftsleistung schwächer aus?
Grund dafür sind die steigenden Energiepreise. Mehr als 60 Prozent des heimischen Energiebedarfs werden importiert. 2025 wurden Öl und Gas im Wert von 10 Mrd. Euro eingeführt. Seither habe es Preisschübe von rund 60 Prozent gegeben, rechnete Felbermayr vor. Die Energiepreise verteuern nicht nur die Tank- und Energierechnungen der Haushalte, sondern schlagen auch auf Transport- und Produktionskosten durch und sorgen für Preiserhöhungen auf breiter Front. Die Kaufkraft und Konsumlust sinkt, Unternehmen geraten unter Druck, Investitionen werden zurückgestellt.
Entscheidend sei, wie es mit den Preisen weitergehe. Wenn der Krieg bald endet und sich die Energiepreise wieder normalisieren, „kommen wir mit einem blauen Auge davon“, sagte der WIFO-Chef. Voraussagen lassen sich die Entwicklungen nicht. Die rasante Erosion der politischen Weltordnung bringe schwer kontrollierbare Kettenreaktionen mit sich, sagte IHS-Chef Holger Bonin.
Wird die Inflation jetzt wieder anziehen?
Das Wifo rechnet für heuer mit einer Inflation von 2,7 Prozent. Das IHS geht von einer Teuerung von 2,9 Prozent aus. Im schlimmsten Fall könnten es laut Wifo heuer sogar 4,1 Prozent werden. Der ursprüngliche Plan der Regierung, die Inflation auf 2 Prozent zu senken, ist in jedem Fall Makulatur.
Was kann die Politik jetzt machen?
Die Inflation werde mit den hohen Preisen für Öl und Gas importiert. Maßnahmen, das Problem an der Wurzel zu packen, gebe es nicht. Angesetzt werden müsse an den Transmissionsriemen, die den Importschock auf die heimischen Preise übertrage, sagte Felbermayr. Mit den bisherigen Maßnahmen zur Dämpfung der Inflation, der Spritpreisbremse und der am 1. Juli in Kraft tretenden Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, werde die Regierung zwar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, habe aber richtige Schritte gesetzt.Bonin sprach sich dafür aus, die importierte Inflation aus dem Indexierungsfaktor herauszunehmen, damit sie nicht auf Mieten, Versicherungen und Löhne durchschlägt.
Die Wirtschaftsforscher mahnten auch den raschen Ausbau erneuerbarer Energien ein, um Energiepreisschocks künftig stärker entgegenwirken zu können. Es brauche massive Investitionen in Energienetze und Energiespeicher, sagte IHS-Chef Bonin.
Was bedeutet das für das Budget?
Das WIFO rechnet heuer mit einem Defizit von 4,1 Prozent, das IHS geht von 4,2 Prozent aus. Zwar habe geholfen, dass das Jahr 2025 besser ausgefallen sei als erwartet, die Spielräume bleiben aber beschränkt, sagte WIFO-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller.
Maßnahmen zur Abfederung der Energiepreiskrise sollten budgetneutral sein, empfiehlt die Expertin. Vorstellbar sei etwa, die Senkung der Lohnnebenkosten durch den Abbau von klimaschädlichen Subventionen (Dieselprivileg, Vergünstigungen für Dienstwagen) gegenzufinanzieren oder durch die Reduzierung des Familienbonus Plus Spielräume für den Ausbau der Kinderbetreuung zu schaffen. Schratzenstaller zählte auch Entlastungsmaßnahmen auf, die das Budget überhaupt nicht belasten würden, darunter etwa eine temporäre Senkung des Tempolimits.
Braucht es höhere Einsparungen?
Um die Spielräume für künftige Krisen zu erhöhen, sollte das für das kommende Doppelbudget geplante Sparpaket um eine Milliarde Euro höher ausfallen, also insgesamt drei Milliarden betragen, empfahl Bonin.
Auch private Investitionen müssten angestoßen werden, regte Felbermayr an. So könnten sanierte Altbauten aus der Mietregulierung ausgenommen und ein Schub an Investitionen ausgelöst werden. Das würde nicht nur der Baubranche helfen, sondern auch der Energiewende zuarbeiten, dem Staat aber nichts kosten.
Die Wirtschaftsforscher mahnten auch Strukturreformen bei Pensionen und in der Verwaltung ein. Wenn man langfristig Schulden nach unten bekomme, sei kurzfristig auch ein höheres Defizit machbar, sagte Bonin.
Kommentare