Wirtschaft
16.03.2018

Konjunktur läuft auf Hochtouren, aber viel zu viele Arbeitslose

Auch US-Strafzölle werden Österreichs Wirtschaft beim Wachstumstempo kaum bremsen können.

Ganz anders als die aktuelle Wetterprognose lautet die Konjunkturprognose: ungetrübt, nahezu wolkenlos. Österreichs Wirtschaftsleistung wird heuer um 3,2 Prozent zulegen, sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) voraus. Das ist der beste Wert seit zehn Jahren. Das Institut für Höhere Studien (IHS) sagt ein etwas geringeres Wachstumstempo voraus (siehe Grafik unten). Der Unterschied ist in den Vorhersagen zum privaten Konsum zu finden: Während das IHS davon ausgeht, dass die privaten Haushalte wieder mehr sparen und ihre Ausgaben daher nicht stark steigern (+1,4 Prozent), sagt das WIFO durchaus steigende Konsumlust (+1,8 Prozent) voraus.

Die Weltwirtschaft läuft sehr gut, viele Länder in Osteuropa erleben gerade einen Boom, Österreichs Exporte florieren. Das alles trägt dazu bei, dass die Unternehmen kräftig investieren. Und Personal einstellen. Auf dem Höhepunkt der Krise auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2015/16 machte die Arbeitslosenrate 9,1 Prozent aus. Heuer dürfte sie auf 7,7 Prozent und nächstes Jahr auf 7,3 Prozent zurückgehen, so die WIFO-Prognose. "Das sind aber immer noch um eineinhalb Prozentpunkte mehr als vor der Finanzkrise", sagt WIFO-Chef Christoph Badelt. Österreich habe noch immer ein strukturelles Problem auf dem Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite sind Fachkräfte Mangelware, auf der anderen Seite gibt es viel zu viele Langzeit-Arbeitslose. Im Durchschnitt des Vorjahres waren 37 Prozent der Arbeitslosen schon lange ohne Job. In der Altersgruppe 50plus waren es sogar 46,7 Prozent. Ein zarter Silberstreif zeigt sich jedoch auch hier. In den vergangenen zwei Monaten ist die Zahl der Langzeit-Arbeitslosen endlich gesunken. "Das Problem löst sich aber nicht von selbst", warnt Badelt und fordert Qualifizierungs-Maßnahmen ein.

Risiken

Es gibt wenig, was die Konjunktur einbremsen könnte. Gefahren gibt es aber doch. IHS-Chef Martin Kocher nennt hier stärkere Korrekturen an den Aktienmärkten und die protektionistische US-Handelspolitik. Die US-Steuerreform stütze zwar die Konjunktur des Landes, könnte – durch Importe – aber auch das Handelsdefizit weiter erhöhen. Für Präsident Trump ein weiterer Grund, Handelsbarrieren zu errichten. Laut WIFO-Studie hätten die angekündigten bzw. angedrohten Zölle auf die EU-Konjunktur kaum und auf das heimische Wirtschaftswachstum noch weniger Auswirkungen. Die USA selber würde es viel mehr treffen.

Als Rückenwind auch für die heimische Konjunktur könnte sich das Investitionspaket erweisen, das Deutschland gerade schnürt.