Kohleberge in China: Sie werden noch lange wichtige Energiequelle sein

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Wirtschaft
08/01/2019

Kohle treibt den Gang der Wirtschaft in Asien

Österreich steigt aus der Kohle aus: Verbund sperrt im Frühjahr 2020 das Kraftwerk Mellach zu. In Asien bleibt Kohle dominant.

von Irmgard Kischko

Wolfgang Anzengruber, Chef des größten heimischen Stromerzeugers Verbund, wird demnächst den Schlussstrich unter Österreichs Stromerzeugung aus Kohle ziehen: Nach dem Winter, voraussichtlich im April 2020, wird der Verbund das letzte Kohlekraftwerk Österreichs in Mellach bei Graz endgültig schließen. 970.000 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr fallen damit weg.

Der Verbund wird dann 97 Prozent seiner gesamten Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen, also ohne jegliche CO2-Emissionen, bestreiten. Der Großteil des Stroms wird in den Wasserkraftwerken erzeugt, ein wachsender Teil aber aus Fotovoltaik und Windkraftanlagen.

Zertifikate teurer geworden

Ein kleiner nicht-erneuerbarer Teil des Stroms stammt aus dem ebenfalls in Mellach stehenden Gaskraftwerk. Dass mit den Erneuerbaren gutes Geld zu machen ist, zeigen die Verbund-Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2019. Der operative Gewinn stieg um 46 Prozent auf 506 Millionen Euro.

Der Anstieg ist mit dem gestiegenen Strompreis zu begründen. Und der Treiber dafür ist unter anderem ein in die Höhe schießender Preis für CO2. Dieser ist von etwa fünf Euro die Tonne vor einem Jahr auf mittlerweile 30 Euro geklettert. Der Preis für Strom aus Kohlekraftwerken ist wegen der teureren CO2-Zertifikate gestiegen und zieht den gesamten mitteleuropäischen Großhandels-Strompreis mit nach oben. Stromversorger wie der Verbund, die kaum noch CO2 emittierten, können sich also freuen.

Anders die deutschen Stromkonzerne. Allen voran RWE und Uniper betreiben noch gut 100 Kraftwerke, die mit Braun- oder Steinkohle 45 Prozent des deutschen Strombedarfs produzieren. In Polen kommen gar 80 Prozent des Verbrauchs aus Steinkohlekraftwerken. Doch während Deutschland zumindest den allmählichen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle bis 2038 anpeilt, ist Kohle in Asien noch für viele Jahre die treibende Kraft in der Energie- und Industrielandschaft.

Indien auf Kohle-Kurs

Unangefochtener Spitzenreiter im weltweiten Kohleverbrauch ist China mit 2,7 Milliarden Tonnen Jahresbedarf. Allerdings: Chinas Kohleverbrauch sinkt und wird bis 2040 laut Prognose der Internationalen Energie Agentur (IEA) auf 2,4 Milliarden Tonnen zurückgehen.

In Indien dagegen wird sich im selben Zeitraum die Kohlenachfrage auf 1,2 Milliarden Tonnen jährlich verdoppeln. Ähnlich steil nach oben geht es mit dem Kohleverbrauch in Indonesien. „Viele Entwicklungsländer sehen die Kohle als Treiber ihrer Wirtschaft an, weil sie leicht verfügbar und relativ billig ist“, argumentiert die IEA die Entwicklung.

Doch in der Stromerzeugung wird Kohle auch in Indien und China allmählich von erneuerbaren Energien verdrängt. Für China erwartet die IEA einen Rückgang des Kohleanteils an der Stromerzeugung von 80 Prozent im Jahr 2010 auf 40 Prozent 2040. Der gesamte Rückgang wird durch Erneuerbare ersetzt. In Indien geht die Entwicklung langsamer.