INTERVIEW: STAATSSEKRETÄR MAGNUS BRUNNER (ÖVP)

Luftfahrt-Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP): "Nachhaltiges Fliegen ist möglich"

© APA/HERBERT PFARRHOFER / HERBERT PFARRHOFER

Interview
11/10/2021

„Klimaschutz und Fliegen sind vereinbar“

Luftfahrt-Staatssekretär Brunner will die Produktion von synthetischen Flugzeug-Kraftstoffen in Österreich forcieren.

von Andrea Hodoschek

Österreich soll ein maßgeblicher Produktionsstandort für CO2-neutrale, synthetische Flugzeug-Treibstoffe werden. Der türkise Luftfahrt-Staatssekretär im grünen Klimaministerium, Magnus Brunner, will dazu alle Kräfte im Land bündeln. Von Flugverboten hält er gar nichts, die Zukunft der Luftfahrt liege in der technologischen Innovation, sagt er im KURIER-Interview.

KURIER: Immer mehr Grüne und Klimaschützer wollen das Fliegen verbieten, zumindest die Kurz- und Mittelstrecken. Klimaschutz und Fliegen, das geht heute offenbar nicht mehr zusammen.

Magnus Brunner: Ich halte gar nichts davon, das Fliegen zu verteufeln oder sogar zu verbieten. Österreich braucht als Wirtschaftsstandort dringend internationale Fluganbindungen, Direktinvestitionen hängen unmittelbar damit zusammen. Und der Tourismus braucht die Luftfahrt sowieso. Fliegen ist nicht per se negativ, wir müssen es nur nachhaltiger gestalten. Denn auch wenn die Luftfahrt weltweit zu den CO2-Emissionen nur 3,8 Prozent beiträgt, kann diese Branche ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Was wird denn ganz konkret dafür getan? Greta Thunberg würde jetzt sagen, das ist doch alles bla, bla, bla.

Keineswegs. Nachhaltigkeit und Fliegen schließen einander nicht aus. Wir sollten nicht über Verbote sprechen und darüber wie wir die Menschen aus den Flugzeugen herausbringen, sondern wie wir alternative Kraftstoffe in die Flieger hinein bringen. Wenn wir die Klimaziele ernst nehmen, müssen wir praxisnahe Innovationen vorantreiben. Im Regierungsprogramm haben wir ein Commitment zur Entwicklung von klimaschonenden Treibstoffalternativen für die Luftfahrt abgegeben, sogenannten SAFs, Sustainable Aviation Fuels. Daher unterstützen wir auch das EU-Maßnahmenpaket „Fit for 55“ zu einer Beimischverpflichtung.

Könnten Sie den Fahrplan kurz skizzieren?

2025 soll der Anteil alternativer Treibstoffe in Flugzeugtanks bei 2 Prozent liegen, das entspricht einem Bedarf an SAFs in Österreich von rund 20.000 Tonnen. Bereits 2050 sollen 63 Prozent beigemischt werden, davon 28 Prozent synthetische E-Fuels. In Österreich ist das ein Bedarf von 600.000 Tonnen.

Bis 2050 dauert viel zu lange, würden die Klimaschützer sagen. Die Zukunft der Luftfahrt liegt in der Innovation. Und die Investitionen müssen in Österreich stattfinden. Mein klares Ziel ist, in Österreich alternative Treibstoffe für die Luftfahrt zu produzieren. Wir wollen in Österreich so gut darin werden, SAFs zu produzieren, dass wir unsere Expertise exportieren können und nicht in Zukunft selbst SAFs importieren müssen. Es gibt bereits tolle Projekte.

Zum Beispiel?

Der Technologiekonzern AVL baut bis 2023 in Graz die effizienteste Power-to-Liquid-Anlage. Mit ihr sollen rund 100.000 Liter sogenannter E-Fuels pro Jahr erzeugt werden. Der vollkommen synthetische Kraftstoff wird CO2-neutral hergestellt, damit können Flugzeuge CO2-neutral betrieben werden. Oder Agrana und Verbund, die intensiv forschen. Oder Pörner, die in Leipzig eine Anlage bauen. Oder FACC, die an einem Auftrag für den neuen Airbus arbeiten, der durch eine leichtere Bauweise 25 Prozent der Emissionen einspart. Oder die Flugsicherung Austro Control, die durch effizientere An- und Abflugplanung 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, das entspricht 2000 Mittelmeerflügen.

Man könnte synthetischen Treibstoff doch jetzt schon beimischen, was hindert die Airlines eigentlich daran?

SAFs sind im Schnitt derzeit noch fünf Mal so teuer wie herkömmliches Kerosin, daran ist der enorme Forschungsbedarf erkennbar. Außerdem fehlen die Kapazitäten. Wir brauchen allein in Österreich 600.000 Tonnen, um die Ziele zu erreichen. Daher müssen wir alle Kräfte bündeln und ich habe für Donnerstag zu einem großen Kick-off eingeladen.

Welche wichtigen Player sind dabei? Die Anlagenbauer genauso wie die Produzenten, also die OMV, die Airlines als Verbraucher, die Flughäfen, Vertreter der weltweiten Luftfahrtvereinigung IATA, die Energiebranche, Wissenschaftler und Vertreter der die EU-Kommission. Nochmals, wir müssen alle Kräfte zusammenbringen, um Österreich zum Produktionsstandort für E-Fuels zu machen.

Für Elektro-Antriebe für Flugzeuge sehen Sie keine Zukunft?

Vielleicht für kurze Strecken. Wir müssen technologie-offen bleiben, aber sinnvoller ist wahrscheinlich synthetischer Kraftstoff.

Aber könnten Airlines aus Nicht-EU-Staaten alle diese Bemühungen ganz einfach und billig durch Fuel-Tankering unterlaufen? Sie nehmen genug Treibstoff für den Rückflug mit und müssen nicht in der EU tanken.

Sie müssten verpflichtet werden, vor Ort zu tanken. Langstrecken-Airlines können zwar nicht soviel Treibstoff mitnehmen, aber sie könnten in Istanbul oder Dubai zwischenlanden und tanken. Das wäre allerdings eine grobe Wettbewerbsverzerrung gegenüber EU-Fluglinien. Wir brauchen hier eine vernünftige europaweite Regelung.

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