Ferienbetreuung

© Verkehrsbüro

Familie & Urlaub
07/30/2013

Kinderbetreuung: Ein Sommer will geplant sein

Einige Betriebe ermöglichen Eltern stressfreie Ferien. Sie sind die Ausnahme.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Wenn ich das Fenster aufmache, höre ich die Menschen auf dem Karussell kreischen.“ Die Kinder pressen fasziniert die Nasen ans Fenster. Vom Schreibtisch aus auf den Wiener Prater schauen, das kann nicht jeder. Susanne Kerschbaumer, Chefsekretärin im Touristikkonzern Verkehrsbüro Group, schon. Die „Ferienwoche“ für 21 Mädchen und Buben zwischen 4 und 12 Jahren hat soeben begonnen. Die Kinder zeigen einander, was ihre Eltern arbeiten. So wie die Zwillinge Felix und Moritz (10) und Nina (12) gerade im Büro ihrer Mama.

Aufpassen, unterhalten, trösten – das ist der Job von Susanne, Patricia und Pia von den Kinderfreunden. Sie bringen Spiel- und Bastelmaterial mit, haben sich um die Versicherung der Kinder gekümmert. „Mit einem professionellen Partner ist der Aufwand eigentlich überschaubar“, sagt Verkehrsbüro-Personalentwicklerin Katharina Böhm. Sie hat die Ferienwoche organisiert, Tochter Hannah (5) nimmt ebenfalls teil. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern erstmals eine sommerliche Kinderbetreuung. Die Kids werden basteln, spielen, Ausflüge machen. Die Eltern können zumindest eine Woche im Ferienplaner abhaken.

Attraktiver Arbeitgeber

Eltern zahlen für die Woche 80 Euro, das Essen in der Firmenkantine ist enthalten. Die Kosten seien damit natürlich nicht abgedeckt, sagt Böhm. Das Verkehrsbüro hat andere Motive. Man bemüht sich um die Vereinbarkeit von Job und Familie. „Wir wollen als Arbeitgeber interessanter werden. Das Gehaltsschema ist in unserer Branche nicht so attraktiv“, sagt Böhm. In den Bundesländern erhalten die Eltern Kostenzuschüsse für die Kinderfreunde. Was aber auf überraschend wenig Nachfrage gestoßen sei.

Dabei kennen alle Eltern das Problem: neun Wochen Schulferien, aber nur fünf Urlaubsanspruch. Wie geht sich das aus? Nur mit planerischen Kraftakten. Sind Großeltern, Nachbarn und Leihomis ausgebucht, bleibt nur die Gruppen-Betreuung.

Apropos Gruppe: So viele neue Gesichter. Ilvie (5) äugt etwas schüchtern in die Schar. Gut, dass die gleichaltrige Hannah sie gleich an der Hand schnappt. Eine neue Freundin ist gefunden. Ilvies Mutter Manuela Martinu ist erleichtert: „Im Kindergarten hätte der Hort zwar noch offen. Aber ich möchte, dass es das Angebot weiterhin gibt, wenn Ilvie in die Schule kommt.“ Die Ferienwoche hat obendrein ein abwechslungsreicheres Programm. Dazu hat Grafikerin Martinu beigetragen. „Ich hab das Logo und die Malbögen für eure Ferienwoche entworfen“, erklärt sie. „Wartet, ich drucke euch noch ein paar aus.“

Sommercamps, Sportwochen, Kindergruppen: Angebote gibt es, aber sie sind teuer. 300 Euro pro Woche und Kind sind keine Seltenheit. Einige Betriebe greifen ihren Mitarbeitern deshalb organisatorisch und/oder finanziell unter die Arme.

Meist sind das die größeren Konzerne: Billa veranstaltet zwei einwöchige Camps, an denen 100 Kinder von 6 bis 14 Jahren teilnehmen. Fußball, Tennis, Musical: Die Bank Austria organisiert den Sommer über Camps beim Freizeitzentrum am Kaiserwasser. Die Aktivwoche des Pharmakonzerns Baxter für 6- bis 9-Jährige gibt es seit 1999; heuer kommt ein Abenteuer-Camp für 10- bis 13-Jährige im Schloss Eckartsau dazu. Mondelez (früher Kraft Foods) ermöglicht günstigere Mitarbeiter-Tarife bei der Sportunion West-Wien. Das Hightech-Unternehmen Frequentis betreut mit dem Hilfswerk zwei Wochen lang je 60 Kinder am Firmengelände.

Bundesländer-Camps

Die Angebote sind nicht auf Wien beschränkt: Ebenfalls mit dem Hilfswerk veranstaltet kika/Leiner an drei Terminen in drei Bundesländern Sommercamps.

Die BKS Bank erwartet, dass rund 50 Kinder bundesweit an Camps teilnehmen. „Viele Eltern müssen getrennt Urlaub nehmen. Wir wollen den Familien einen gemeinsamen Urlaub ermöglichen“, sagt Sprecherin Petra Ibounig. Bei den „Seekids“ in Pörtschach steht Schwimmen und Wasserski auf dem Programm. Die „Summerkids“ in Villach und Klagenfurt lernen im zweisprachigen Camp Englisch oder besuchen Betriebe – von der BKS über die Kelag bis zur Freiwilligen Feuerwehr. Wirklich billig ist die Betreuung nirgends. Die BKS-Camp zählen mit maximal 150 Euro Selbstbehalt pro Kind und Woche zu den günstigeren.

Was in der Aufzählung wie ein umfassendes Angebot klingt, ist zudem eher die Ausnahme: Nur zwei Prozent der Kinder-Gesamtbetreuung erfolgt in Österreich durch die Betriebe, hat das Institut für Familienforschung erhoben.

„Toll, dass einige Betriebe Vorreiter sind“, sagt Andrea Polleichtner, Obfrau der Wiener Elternvereine. „Aber der Bedarf ist riesig. Es gibt viel, viel zu wenig Angebote in Wien.“ Ihr Wunsch, dass die öffentliche Hand die Sommerbetreuung fördert, sei wohl Zukunftsmusik: „Somit sind wir auf die Betriebe angewiesen.“

Ein Tag in Schönbrunn

„Ein Mal Griechenland, bitte!“ Die Kinder der Verkehrsbüro-Ferienwoche sind inzwischen im Buchungscenter angekommen und äußern keck ihre Urlaubswünsche. „Viel zu heiß“, mault einer der Großen: „Der Nordpol wäre gut.“

Die Arktis haben die Kinderfreunde leider nicht im Programm; Highlight ist ein ganzer Tag im Zoo Schönbrunn. „Cool!“, ruft einer der Buben. Na bitte.

Links

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.