Wirtschaft
01.10.2015

Keuschnigg macht Wifo und IHS Konkurrenz

Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg mit Außenstelle von St. Gallen in Österreich zurück.

Es ist fad, wenn bei einem Skirennen nur einer runterläuft." Mit einer Bildsprache, die man sowohl in der Schweiz als auch in Österreich versteht, begründet Christian Keuschnigg sein neues Vorhaben: Der Ex-IHS-Chef baut ein neues Wirtschaftsforschungsinstitut in Österreich auf.

Keuschnigg ist Volkswirtschaftsprofessor an der Schweizer Universität St. Gallen, die neue österreichische Plattform "WPZ" (Wirtschaftspolitisches Zentrum Wien) anfangs ein auf getrennte Rechnung arbeitendes Kostenzentrum des Uni-Instituts in St. Gallen. Das neue Institut betont seine Unabhängigkeit.

Was geplant ist

Sobald die Startphase vorbei ist, ist an eine GesmbH-Lösung gedacht. Forscher und Spezialisten arbeiten hier großteils zeitlich befristet. Die Tätigkeit ist auf die jeweilige Projektdauer begrenzt. "Wir bauen dabei stark auf internationale Zusammenarbeit und Experten, die unabhängig sind von österreichischen Vor-Positionierungen ideologischer Art und ohne Abhängigkeiten zum nationalen politischen System". Sehr wohl will Keuschnigg, "dass die Politik gar nicht anders kann" als die Studienergebnisse aufzugreifen. Ein ordentlicher Medienwirbel ist ihm da nicht unrecht.

Eine Frage der Finanzierung

Jetzt müsse einmal die Finanzierung klappen. "Wenn es sie gibt, werden Sie von uns hören. Wenn nicht, dann nicht." Wer die WPZ-Forschungsplattform finanziert, will Keuschnigg jedenfalls offenlegen. Die erste Studie ("Föderalismus und Steuerautonomie in Österreich") werde von Agenda Austria finanziert. Die Agenda Austria habe sich auf das Policy Briefing gemeldet. "Wenn uns die Arbeiterkammer das gegeben hätte, hätten wir das auch gemacht", sagte Keuschnigg heute bei der Vorstellung der Plattform in Wien. "Wir hätten das gleiche geschrieben."

In Österreich sieht der einstige Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) wachsenden Bedarf an einer "wirksamen Institution", die mit der internationalen Spitzenforschung eng vernetzt sei, und die einen Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis herstelle, sowie diesen zugänglich aufbereite. Den jetzigen Markt für wirtschaftspolitische Beratung hält er für fehlkonstruiert.

In Österreich sei die Gefahr groß, zu so einer Veranstaltung zu werden. Der Markt sei enorm vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) dominiert. Vom Institut für Höhere Studien (IHS) höre man einfach wenig. Grund für seinen Abgang vom IHS sei ja die Unterfinanzierung des Instituts gewesen, sagte Keuschnigg. Die Politik brauche aber ein großes Menü aus unterschiedlichen Experten-Meinungen, sonst sei sie ausgeliefert.

"Sie dürfen nicht von jenen finanziert werden, deren Arbeit sie nachher evaluieren sollen"

In Deutschland würden umfangreiche Wirtschaftsforscher-Leistungen ausgeschrieben, die Institute müssten sich bewerben. Da gebe es immer welche, die rausfliegen oder zumindest zitterten. Für die Qualität sei die Unabhängigkeit zentral: "Sie dürfen nicht von jenen finanziert werden, deren Arbeit sie nachher evaluieren sollen", so Keuschnigg. Dass jetzt für das IHS von Ministerien spekuliert werde, wer dort Direktor wird, empfindet er übrigens als Skandal.