Keine Zeit für Börse-Helden: Kursverluste voraus

Keine Zeit für Börse-Helden: Kursverluste voraus
An den globalen Börsen drohen bald Verluste von 15 Prozent und mehr. Das bietet Kaufgelegenheiten.

Neues Jahr, neues Glück – mit diesem Motto zog mit Jänner frischer Optimismus an den Börsen ein. Vorbei war die Angst vor einer Rezession, die in den Wochen davor für Ausverkäufe an den Aktienmärkten ausgelöst hatte. Bis in den Frühling hinein griffen die Anleger wieder bei Aktien zu. Seither schwanken die Kurse zwar wieder heftiger, die Halbjahresbilanz kann sich dennoch sehen lassen. Auf Euro-Basis gerechnet hat sich der Weltaktienkorb (MSCI Welt) um mehr als 16 Prozent verteuert (siehe Grafik). „Das ist super, es läuft fast zu gut“, sagt Helge Rechberger, Analyst der Raiffeisen Bank International.

Keine Zeit für Börse-Helden: Kursverluste voraus

Der Montag als Start ins zweite Halbjahr zeigte einmal mehr, wie groß der Optimismus der Anleger – noch – ist. An den Börsen wurde gefeiert, dass es im Zollstreit der USA mit China zumindest vorläufig eine Entspannung gibt. Und dass der US-Bann gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei gelockert wurde. Dass laut Daten vom Montag die Industrie in China weiter an Schwung verliert und die Industrie der Eurozone auch im Juni ihre Talfahrt fortsetzte, fiel an den Börsen wenig ins Gewicht.

Harte Fakten

„Auch die harten Fakten werden aber wieder berücksichtigt werden“, meint Rechberger. Zudem können die US-Handelskonflikte mit China, Mexiko und der EU jederzeit wieder hochkochen. Brexit, Konflikt mit dem Iran, Italiens Schuldenpolitik – Risiken für die Aktienmärkte gibt es reihenweise. Die Experten des US-Vermögensverwalters T. Rowe Price meinen dazu: „Die Risiken steigen, sodass es nicht die Zeit ist, ein Held zu sein.“ Die Vermögensverwalter von Columbia Threadneedle raten zur Senkung des Aktiengewichtes in der Veranlagung und einer allgemein geringeren Risikoneigung.

Fünf bis fünfzehn Prozent

Worauf müssen sich die Anleger einstellen? „Auf Kursverluste von fünf bis fünfzehn Prozent“, sagt RBI-Experte Rechberger. Heftigen Gegenwind an den Börsen erwartet er bis Oktober. Die anschließende Erholung werde die globalen Leitindizes aber wohl kaum an die aktuellen Niveaus heranführen können. „Im Tal der Tränen kann man aber durchaus wieder Aktien einsammeln“, so Rechberger. Vor allem Werte, die durchaus auch mehr als 15 Prozent verlieren können – wie etwa Autobauer oder Fluglinien. Aktien aus der Welt der IT zählen nicht zu seinen Tipps.

Unabhängigkeit

Vor allem in den USA brummt die Konjunktur noch. Im kommenden Jahr dürfte sich das Wirtschaftswachstum allerdings auf 1,5 Prozent einbremsen. Ein guter Grund für US-Präsident Donald Trump, die Notenbank dazu aufzufordern, die Leitzinsen rasch zu senken – auch wenn die Fed unabhängig ist. Offen ist, wie sehr die Fed diese Unabhängigkeit demonstrieren wird. „Munition“ für Zinssenkungen hat die Fed allemal, hält der Leitzins doch bei 2,25 bis 2,5 Prozent, während das Euro-Pendant bei 0,00 Prozent liegt. Bis Jahresende gehen die Analysten von zwei Zinssenkungen in den USA aus. Tiefere Zinsen in den Vereinigten Staaten und keine Zinsen in der Eurozone zeigen aber auch: Aktien bleiben wichtig, wenn es darum geht, die Inflation zu schlagen. Nach den Sommer- und Herbstgewittern an den Börsen sollte es wieder nach oben gehen, so die Prognosen.

Börsenpremiere

Der mit Abstand größte Börsegang des ersten Halbjahres war übrigens jener des Fahrdienst-Vermittlers Uber in New York. Nach der Premiere im Mai gab es anfänglich kräftige Bremsspuren. Die Aktie, die in der Emission 45 Dollar gekostet hatte, fiel auf bis zu 36 Dollar. Mittlerweile werden die Uber-Papiere aber für mehr als 46 Dollar gehandelt.

Wiener Börse

Im internationalen Konzert haben sich die Unternehmen, die an der Wiener Börse notieren, recht tapfer geschlagen. Den größten Kurssprung im Prime Market hat die Warimpex-Aktie hingelegt (siehe Grafik).

 

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