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Kernenergie
04/10/2014

Keine Subvention: Temelin-Ausbau abgesagt

Prag will keine Preisgarantie für Strom aus Temelin geben. Betreiber CEZ stoppt die Ausschreibung.

von Christoph Weiermair

Der geplante Ausbau des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerks Temelin ist vorerst vom Tisch. Der Energiekonzern CEZ hat die Ausschreibung für den Bau eines dritten und vierten Blocks in dem südböhmischen AKW aufgehoben, wie ein Unternehmenssprecher bestätigt. Hintergrund sind die gesunkenen Großhandelspreise auf dem europäischen Strommarkt und die Weigerung der Regierung in Prag, Preisgarantien für Atomstrom zu gewähren.

In Österreich wird der vorläufige Ausbau-Stopp von Temelin begrüßt. „Die Entscheidung der tschechischen Amtskollegen ist ein wichtiger Etappensieg im Kampf gegen Atomkraft“, betont Bundesminister Andrä Rupprechter (ÖVP). Österreich werde seinen Kampf gegen die staatlichen Beihilfen für Kernkraftwerke fortsetzen. Wie berichtet, soll auch der AKW-Neubau in Hinkley Point, Großbritannien, durch staatliche Strompreisgarantien ermöglicht werden. Die EU-Kommission will demnächst entscheiden, ob sie eine solche Unterstützung genehmigt.

Keine Euphorie

Oberösterreichs UmweltlandesratRudolf Anschober(Grüne) warnt auch deshalb vor Siegesstimmung und will beim Widerstand gegen die Kernkraft auf keinen Fall nachlassen: „Die Atomlobby ist stark, sie wird mit allen Mitteln um das Projekt kämpfen. Denn scheitert der Ausbau von Hinkley Point und Temelin, dann wäre das das Aus für eine Renaissance der Atomenergie in der EU.“

Die Initiative „Atomstopp Oberösterreich“ zeigt sich aber zuversichtlich, dass das Nein aus Prag zu staatlichen Subventionen auch Auswirkungen auf die Entscheidung der EU-Kommission hat. „Es waren fundierte Überlegungen. Zum einen werden die tschechischen Bürger vor überzogenen Strompreisen bewahrt, zum anderen stärkt es der Kommission den Rücken, das Ansuchen Großbritanniens auf eine Umgehung des Wettbewerbsrechts abzulehnen.“

Ein Atomkraft-Ausstieg Tschechiens ist durch das vorläufige Aus für den Ausbau von Temelin nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Die Gefahr, dass wir in 20 Jahren nicht imstande sein werden, den Stromverbrauch unseres Landes zu decken, ist weiterhin akut“, sagt Daniel Benes, Vorstand des zu zwei Drittel staatlichen Energiekonzerns CEZ. „Wir müssen unsere Pläne den Änderungen anpassen, die nun in Brüssel vorbereitet werden. Es ist offensichtlich, dass wir in Zukunft eng mit dem Staat kooperieren müssen.“

CEZ hatte den Ausbau von Temelin 2009 ausgeschrieben. Um den rund zehn Milliarden Euro schweren Auftrag bewarben sich die US-amerikanische Toshiba-Tochter Westinghouse und ein tschechisch-russisches Konsortium. Trotz positiver Umweltverträglichkeitsprüfung wurde das Auswahlverfahren nie abgeschlossen.

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