Wirtschaft von innen
06/28/2015

Kein Glück mit dem Automaten-Spiel

Investoren mit Ex-Kanzler Gusenbauer an Bord setzen Casinos-Chef Karl Stoss zu.

von Andrea Hodoschek

Als ob Karl Stoss, Chef des Casinos-Austria-Konzerns (Casag), nicht schon genug Probleme hätte. Finanzminister Hans Jörg Schelling will billig verstaatlichen, private Bieter rittern dagegen. Bei der wertvollsten Beteiligung, den Lotterien (68 Prozent), deren Chef Stoss ebenfalls ist, hat sich der Erzrivale Novomatic eingekauft. Die Entscheidung über drei neue Casino-Konzessionen lässt auf sich warten. Und ob sein Vertrag, der Ende 2016 ausläuft, verlängert wird, steht in den Sternen.

Viel Stress für Karl Stoss. Am Freitagabend flatterte den Aufsichtsräten der Lotterien ein Brief ins Haus, der weiteres Ungemach verheißt. Eine Investorengruppe, mit der Stoss nach intensiven Verhandlungen fast ins große Geschäft mit Automaten gekommen wäre, pocht hartnäckig auf die Realisierung des Projekts. Mit dem dezenten Hinweis, ein Rechtsstreit sei hoffentlich nicht notwendig.

Zentraler Player ist der ehemalige Polit-Berater Tal Silberstein. In der Öffentlichkeit ist er kaum bekannt, dafür aber seine Kunden umso mehr. Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak zählte ebenso dazu wie die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko. Oder Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Alfred Gusenbauer, als er noch SPÖ-Chef war.

Silberstein stieg vor fünf Jahren aus und gründete den auf Glücksspiel fokussierten Investmentfonds Novia. Mit an Bord sind Gusenbauer, heute Österreichs bestverdienender Ex-Politiker, sowie Herbert Stepic, Ex-Chef und Berater der Raiffeisen Bank International. Stepic wechselt demnächst allerdings in einen anderen Gaming-Fonds.

Es geht um die sogenannten Video Lottery Terminals (VLTs). Der Unterschied zu konventionellen Slotmaschinen: Die Geräte sind über einen zentralen Rechner an einen Zufallsgenerator angeschlossen. Dafür braucht es eine Lotto-Konzession, die nur die Lotterien haben.

Die Tochter winwin betreibt 14 Standorte mit 645 Geräten und hat bis 2027 die Konzession für bundesweit 5000 Geräte. Dieses Business brummt weltweit, nur beim Casag-Konzern nicht. Zugangskontrollen, Spielerkontrollen und die Anbindung der Geräte an das Bundesrechenzentrum schrecken seit heuer zudem Gambler ab. Wien drehte zwar das Automatenspiel ab, doch VLTs wären gesetzlich erlaubt. Die Lotterien aber verhängten sich in Wien selbst ein Verbot.

Vor einem Jahr schlug Silberstein den Lotterien vor, miteinander ins Geschäft zu kommen. Das Business-Modell: Die Novia investiert in den Ausbau der VLT-Standorte und managt diese, die Lotterien bekommen dafür rund 15 Prozent Provision vom Netto-Spielertrag (Einsätze minus Auszahlungen). Das wirtschaftliche Risiko plus sämtliche Kosten hätte Novia.

In den Hochrechnungen kalkuliert Novia bei einem "Full Rollout" einen Gewinn für winwin von 176 Millionen Euro. Nebst 441 Millionen Glücksspielabgabe für den Staat und knapp 1000 zusätzlichen Jobs. Investitionsbedarf für Novia – rund 150 Millionen Euro.

Die Verträge waren so gut wie unterschriftsreif. Stoss allerdings bekam im letzten Moment kalte Füße und sagte Silberstein am 24. April per Mail ab. Inhaltliche Differenzen über den Business-Plan, außerdem sei die künftige Eigentümerschaft der Casag unklar.

Gut möglich, dass die Anwälte beider Seiten bald neue Arbeit bekommen. Novia wird von Leopold Specht vertreten, in dessen Kanzlei Gusenbauer sein Arbeitszimmer hat. Die Casag beschäftigt Lansky, Ganzger +Partner. Gabriel Lansky ist mit Gusenbauer bekanntlich im Kasachstan-Business. Der Ex-Kanzler sitzt auch im Aufsichtsrat des Immobilien-Zampano René Benko – gemeinsam mit Stoss.

Verboten, aber der Staat kassiert

Die Regierung will illegales Internet-Glücksspiel blockieren und wartet dafür noch eine Studie der Uni Graz ab, die im Sommer vorliegen soll. Mit dem Argument, dem Fiskus würden Millionen an Steuern entgehen. Einziger Anbieter mit einer Konzession ist die Casinos- und Lotterien-Tochter win2day.

Das mit dem Steuerentfall stimmt so aber nicht. Obwohl illegal, zahlen jene Online-Anbieter, die in einem anderen EU-Land eine Konzession haben, in Österreich Glücksspielabgabe (40 Prozent auf Einsätze minus Gewinne). Die Abgabe ist selbst erklärend, heißt, die Unternehmen liefern ihre Steuern ohne Vorschreibung ab. Gezahlt wird vermutlich deswegen, um nicht wegen eines möglichen Steuerstrafverfahrens in Österreich innerhalb der EU Probleme mit der Konzession zu bekommen. 2014 nahm der Staat 489 Millionen an Glücksspielsteuer ein, wie viel davon auf illegales Online-Zocken entfällt, ist nicht aufgeschlüsselt.

Eine absurde Situation. Ohne Konzession ist Online-Gaming illegal, aber das Geld nimmt der Staat schon. Dann aber soll der Finanzminister Konzessionen vergeben, argumentiert man in der Branche. Durchaus mit strengen Spielerschutz-Auflagen.

Wie zu hören ist, will das börsenotierte schwedische Online-Unternehmen Mr Green, das mit einer Konzession aus Malta spielt, in Österreich eine Lizenz beantragen. 2011 bis 2013 soll Mr Green im Finanzministerium elf Millionen an Glücksspielabgabe abgeliefert haben. Während win2day 2014 Umsatzrückgänge einspielte, boomt das Online-Business weltweit. Zehn Prozent Wachstum jährlich seien drin, ohne besondere Marketing-Anstrengungen, meinen Insider.