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Wirtschaft Karriere
03/06/2019

Zwinker, Rose, Daumen hoch: Emojis in der Arbeitswelt

Kommunikationsexpertin Tatjana Lackner erklärt, wo die Emojis angemessen sind und wo man sie besser meiden sollte.

von Ornella Wächter

"Guten Morgen (Smiley)! Ich komme zehn Minuten später (blindes Äffchen), der Zug hatte Verspätung! (Zug, Verbotsschild, ärgerliches Gesicht). Die Präsentation werden wir trotzdem rocken (Rose, Rose, Daumen hoch, Sternchen)!"

Aus Whatsapp-, Facebook-, oder Instagram-Nachrichten sind sie nicht mehr wegzudenken: Emojis :-).

Sechs Milliarden Emojis pro Tag

Die kleinen Symbolbilder sind längst kein Jugend-Hype mehr, sondern durchdringen auch die Arbeitswelt, tauchen in Bewerbungsschreiben oder im beruflichen eMail-Austausch auf. Und wir haben eine große Auswahl. Die Symbol-Palette wird vom Unicode Consortium, einer gemeinnützigen Organisation, die für die weltweite Vereinheitlichung von Schriftsystemen zuständig ist, laufend erweitert.

Laut einer Erhebung von Unicode aus dem vergangenen Jahr werden weltweit täglich sechs Milliarden Emojis verschickt. Für einige Sprachforscher sind sie, bezogen auf die Berufswelt, ein Rückschritt, heißt es in einer Studie über die Verwendung von Emojis in der Business-Kommunikation der Universität Mostar.

Schwer zu vermeiden

Die Forscher vertreten die Meinung, man müsste bereits etablierte Kommunikationsstandards berücksichtigen. Emojis in einer eMail oder im Chat mit dem Arbeitskollegen oder gar Chef wirken unprofessionell. Andere sind der Ansicht, dass gerade in der Online-Kommunikation von Unternehmen Emojis nicht zu vermeiden sind.

„Es hängt dabei aber von der Größe des Unternehmens ab“, relativiert Tatjana Lackner. Die Kommunikationsexpertin und Autorin gründete vor 25 Jahren die „Schule des Sprechens“ in Wien.

Emoji-Einsatz muss zu Unternehmenskultur passen

Bei großen Konzernen gebe es tatsächlich formalistische Kommunikationskanäle: „Hier wäre es befremdlich, zwinkernde Smileys oder Emojis, die ihr Hirn verlieren oder verschwörerisch schauen, zu verschicken“, so Tatjana Lackner. Das könne schnell missverstanden werden.

In KMU ist das Ganze aber wieder anders. „In einer Agentur beispielsweise kann man dem Chef auch Dinge über Smileys mitteilen, der Umgang ist oft freundschaftlicher.“ Daumen hoch also für Burger, Sushirollen und Tangotänzer.

Klar im Ton...

Emojis sind damit kleine, soziale Akteure geworden, die zwischen dem Absender und dem Adressaten stehen. „Sie sind eine Möglichkeit, Stimmungen zu visualisieren und der Botschaft eine Tonalität zu verleihen“, ergänzt Tatjana Lackner.

Emojis würden Nachrichten auf eine emotionale Ebene heben und die Aussage einer Nachricht vereinfachen. „Das geht im Textspiegel eines Buches nicht immer. Denn wenn man nicht dazu schreibt, dass etwas witzig, böse oder mit einem Zwinkern gemeint war, versteht man das auch nicht.“

...und in der Aussage

Das Herumdeuten und Mutmaßen, was der Autor der Nachricht gemeint haben könnte, hätte damit ein Ende. Streut man hier und da ein paar lachende Icons in seine Nachricht, ist die Aussage eindeutig.

So weit, so klar. Aber: „Emojis infantilisieren auch, da muss man aufpassen,“ findet die Kommunikationsexpertin. Die Verwendung von Emojis außerhalb des Privatlebens hat auch seine Grenzen: „Im Bewerbungsschreiben, im Kondolenz-Buch muss der Smiley-Sack geschlossen bleiben.“

Nicht übertreiben

Auch wenn man dem Vorgesetzten eine Krankmeldung per Textnachricht schickt – zu viele Teetassen und verschnupfte Emojis sind da unangebracht, betont Tatjana Lackner. Emojis würden ihrer Meinung nach zu bemüht eine Art Wohlfühl-Rhetorik schaffen, damit ja keine schlechte Stimmung aufkommt.

Wenn man also eine Nachricht schreibt und eine Verspätung ankündigt: fünf Rosen, Sternchen und weinende Emojis sind da übertrieben.