Wirtschaft | Karriere
04/15/2019

Wie verdiene ich eine Million?

Mit langem Atem, nicht per Zufall und mit ein bisschen Risikobereitschaft, sagen drei Menschen, die es geschafft haben.

Wer in seinem Leben viel Geld verdienen will, muss mehr Risiko in Kauf nehmen. Um gehaltlich hoch hinaus zu kommen, stellten sich diese drei Menschen auf eigene, selbstständige Beine.

Ina Kent, Designerin und Umsatzmillionärin

Spaziert man durch die Wiener  Innenstadt, schmücken  ihre Taschen gefühlt jede vierte Frau – jede vierte selbstbewusste und kreative Frau mit Geld, wohlgemerkt. „Ina Kent“ ist in das Leder der Riemen gestanzt.  60 Designs schmücken heute  die zwei Geschäfte der gleichnamigen Designerin. Sie verkauft mittlerweile 10.000 Stück pro Jahr, die Preisspanne ihrer Taschen liegt zwischen 100 und knapp 500 Euro.

Nach zwölf Jahren im Business ist Kent also Umsatzmillionärin, eine Selfmadefrau mit 16 Mitarbeitern und Wachstumsplänen für ihre Marke. Des Erfolges sicher ist sie sich deshalb nicht: „Je mehr man hat, desto mehr hat man zu verlieren“, sagt sie beinahe ehrfürchtig.

„Ich war von Anfang an vom Erfolg positiv überrascht und bin es heute noch. Erstaunlicherweise hat sich das Empfinden rund um finanzielle Sicherheit nicht gewandelt.“

Ina Kent

Mehr Geld zu haben, hat sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit nie motiviert. Vielmehr  war es eher ein notwendiger Schritt – als Mutter, die ein Doktorat in Ernährungswissenschaft machen will, hat sie schlicht keine Zukunft gesehen. Auf ihren Verdienst als Selbstständige angesprochen, sagt sie:

„Ich habe noch nie versucht, meinen  Lebensverdienst zu errechnen. Ob man seine Qualitäten lukrativer in der Selbstständigkeit oder im Angestelltenverhältnis umsetzen kann, ist sehr individuell. Eine sinnvolle Frage ist vielmehr, ob ich lösungsorientiert und langatmig bin. Beide Eigenschaften sind für die Selbstständigkeit entscheidend.“  Wachsen möchte Kent mit Bedacht: „Man muss schauen, dass es gut und skalierbar bleibt und sich die Mitarbeiter dabei wohlfühlen.“  

Therese Niess, macht Karriere in Politik und Wirtschaft

Therese Niss ist neben ihren Jobs als  Vorständin der MIBA AG und  Abgeordnete zum Nationalrat (VP)  Mutter von drei Kindern.  Ihr  Geheimrezept ist, „nicht sehr viel dem Zufall zu überlassen“, sagt sie und verweist auf gutes Zeitmanagement.

„Ganz wichtig ist auch Spass – dann ist es einfacher, die Extrameile zu gehen. Und dass man weiß, was man will und sich kein schlechtes Gewissen einreden lässt.“

Therese Niess

Hilfreich sei  der Austausch mit anderen Frauen in Führungsfunktionen. Wo es eine bessere Karriere zu erwarten gibt – in Politik oder Privatwirtschaft?  „Ich bin überzeugt, dass man in beiden Bereichen viel erreichen kann.  Beim Gehalt verrate ich kein Geheimnis, wenn ich sage: In der Privatwirtschaft gibt es kein Limit. Das ist  natürlich auch mit Risiko verbunden. Wichtig ist aber die Durchmischung: Wir  brauchen viel mehr Leute aus der Wirtschaft in der Politik und auch die Möglichkeit, nach der Politik (wieder) in die Wirtschaft zu gehen. Die  Erfahrung ist unglaublich wertvoll.“

Hansi Hansmann, investiert Millionen in Start-ups

Wirklich reich kann man als Angestellter nicht werden“, glaubt Unternehmer und Business Angel Hansi Hansmann. Er selbst hat als Manager immer gut verdient, richtig losging es aber erst Mitte der 1990er-Jahre, als er mit einem Management-Buy-out eine Pharmafirma übernahm. Als Eigentümer zog er die Firma hoch, 800 Mitarbeiter, verkaufte, machte viele Millionen.

„Wenn du Millionen hast, denkst du in größeren Dimensionen: kannst mehr Risiko beim Investieren nehmen, verdienst damit mehr Geld. Ein Verlust tut weniger weh.“

Hansi Hansmann

Bisher hat er 25 Millionen Euro in 70 Start-ups investiert, hatte einige große Exits (24 erfolgreiche Verkäufe), zehn bis 15 musste er unerfolgreich zusperren. Aktuell ist er in 38 Firmen investiert, er rechnet „mit weiteren zehn  guten Verkäufen. Zehn sperre ich sicher zu und der Rest ist fraglich.“ Jedoch sagt er kritisch: „Zum Unternehmer muss man das Zeug  haben. Energie, Zahlenverständnis, Verkaufstalent. Das haben die wenigsten.“