© Rainer_81/Fotalia

Wirtschaft Karriere
04/15/2019

Wege zur Million: Lebenseinkommen unter der Lupe

Wir haben ausgerechnet wann man die Brutto-Million erwirtschaftet hat, wie hoch das Lebenseinkommen ist – und warum man als Angestellter nie superreich wird.

von Sandra Baierl, Magdalena Vachova

Albert Einstein war sich sicher, dass „die besten Dinge im Leben nicht die sind, die man für Geld bekommt.“ Da ist was Wahres dran. Andererseits verschafft einem Geld die Möglichkeit, sich ein gutes Leben zu gestalten – von Essen bis Wohnen, von Gesundheit über Mobilität bis Reisen. Ein solides Einkommen macht noch lange nicht sorglos, auch nicht unbedingt glücklicher, aber leichter ist es mit Geld im Leben allemal.

Einkommen: Das zeigen Statistiken

Wie viel die Österreicher verdienen? Weil Gehälter statistisch genau aufbereitet werden, ist diese Frage relativ gut zu beantworten. Man kennt die Einstiegsgehälter, die Gehaltsentwicklungen, kann Brüche im Gehaltsverlauf ausmachen – die passieren vor allem in Phasen des Nicht-Arbeitens, bei Frauen mehrheitlich durch die Kinderkarenz. Aus all diesen Zahlen lässt sich das Jahreseinkommen und das kumulierte Lebenseinkommen herauslesen.

Einkommensschere hat Auswirkung auf erste Brutto-Million

Im Jahr verdient der angestellte Österreicher – im Schnitt über alle Gruppen – 33.776 Euro (2.412 Euro brutto im Monat), die Österreicherin 21.178 Euro (1.500 Euro brutto im Monat), zeigt die Statistik Austria. Die erste Brutto-Million ist in der Einkommensstatistik bei Männern irgendwo im Alter zwischen 37 und 42 Jahren zu finden, bei Frauen zwischen 41 und 50 Jahren, errechnen die WIFO-Ökonomen Serguei Kaniovski und Thomas Url. Wann genau, hängt vom Geschlecht, der Ausbildung, vom Einstiegsalter und Karriereverlauf ab.

Einziger Haken: Man hat diesen schönen Betrag zwar erwirtschaftet, jedoch leider nicht auf seinem Konto. Ein relativ hoher Prozentsatz fällt für Steuern und Sozialabgaben, also für Gesundheits-, Bildungs- und Pensionswesen weg. Die Netto-Welt schaut anders aus: männliche Akademiker und technische Fachkräfte haben die erste Nettomillion mit 42 Jahren auf dem Konto, top ausgebildete Frauen frühestens mit 45.

Millionär wird der Koch genauso wie der Arzt

Laut gehalt.de liegt das Lebenseinkommen bei einer Person mit Bachelorabschluss – Berufseinstieg mit 21 Jahren, Pension mit 65 –, bei etwa 2,3 Millionen Euro brutto; bei Master-Absolventen bei 2,6 Millionen. Aber nicht nur Jobs mit akademischer Ausbildung verdienen im Laufe des Lebens Millionen. Auch Maurer (ca. 1,7 Millionen Euro brutto im Leben), Köche (1,3 Millionen), LKW-Fahrer (1,2 Millionen) überschreiten die Brutto-Millionengrenze.

Ein männlicher Hilfsarbeiter bezieht zwischen 16 und 20 Jahren bereits ein Netto-Einkommen von 92.000 Euro, das Vierfache eines akademischen Einsteigers, der im ersten Berufsjahr gerade einmal 23.000 Euro netto im Jahr verdient. Jedoch: Höhere Bildung zahlt sich später aus. Je höher der Bildungsabschluss, desto höher das Einstiegsgehalt und desto stärker steigt auch die Lohnkurve im Laufe des Lebens. Bachelor-Absolventen steigen übrigens mit 2.300 bis 2.600 Euro brutto pro Monat ein, Master-Absolventen mit 2.500 bis 2.900 Euro brutto pro Monat.

Gehälter im Handwerk: erst Anstieg dann Abflachung

Die Gehaltsentwicklung von Handwerkern bremst sich im Laufe des Lebens ein. 10.400 Euro netto pro Jahr beim Berufseinstieg mit 16. Im zweiten Jahr Anstieg auf 13.000 Euro netto, in den nächsten fünf bis zehn Jahren deutliche Anstiege, aber danach Abflachung. Ab 30 Jahren sind Handwerker laut WIFO bei einem Einkommen von rund 30.000 Euro eingefroren – sie erfahren kaum noch Steigerungen.

"Motherhood Pay Gap"

Frauen haben, egal mit welcher Ausbildung, andere Gehaltsentwicklungen als Männer. Das hat mehrere Gründe, die sich massiv auf das Lebenseinkommen auswirken. Folglich auch auf die Pension. Den größten Einkommensknick machen Kinder. „Der Gender Pay Gap ist in Wahrheit ein Motherhood Pay Gap“, schreibt die Agenda Austria in einer kürzlich erschienen Broschüre. Mütter verdienen weniger als Kinderlose. Der Verdienst ist bis zur Geburt des Kindes mit dem der Männer vergleichbar, stürzt aber dann ab.

Nach Karenz geht Einkommen zurück

Nach einer Karenz – im Schnitt 21 Monate lang – geht das Einkommen zurück. Weil Frauen dann oft und lange nur Teilzeit arbeiten (fast die Hälfte aller Frauen). Und weil sie Karriere-Chancen weniger wahrnehmen. Bei einem Vergleich der Durchschnittsmutter und ihrer kinderlosen Zwillingsschwester zeigt sich zehn Jahre nach der Karenz: die Mutter verdient nur 67 Prozent ihrer kinderlosen Zwillingsschwester, skizziert die Agenda Austria.

Angestellte werden nie superreich

Aber wie kommt man gehaltlich in andere Höhen? In eine sehr hohe Einkommensklasse? Laut Robert Koenes, Geschäftsführer bei Iventa, ist superreich werden durch einen Angestelltenjob nur in seltenen Ausnahmen möglich.

„Als normaler Angestellter können Sie nicht richtig reich werden. Ein gutes Leben, das geht sich aber allemal aus.“

Robert Koenes, Geschäftsführer bei Iventa

„Wenn Sie eine dieser Vorstandspositionen in einer Aktiengesellschaft bekommen, ja, dann geht sich das aus. Das sind aber nur ganz wenige Fälle.“ Koenes ist der Meinung, dass man als normaler Angestellter „nicht richtig reich werden kann.“ Ein gutes, sicheres Leben, das ginge sich jedoch allemal aus. ITler etwa seien derzeit gefragt und würden gut bezahlt, auch in Vertriebs-Führungspositionen ist gutes Geld zu machen. „Weil da hat man einen messbaren Erfolg, einen Hebel, der den variablen Anteil des Gehalts in die Höhe treibt.“

„Sammeln Sie ein, zwei Jahre Berufserfahrung, spezialisieren Sie sich in einem Gebiet und entwickeln Sie sich dort weiter.“

Emine Yilmaz, Director Robert Half

Emine Yilmaz, Director Robert Half, rät Berufseinsteigern: „Sammeln Sie ein, zwei Jahre Berufserfahrung, spezialisieren Sie sich in einem Gebiet und entwickeln Sie sich dort weiter. Regelmäßige Firmenwechsel schaden nicht, seien Sie aber kein Jobhopper.“ Auch sie nennt den Vertrieb und hier Führungspositionen als Feld, in dem man sehr gut verdienen kann, weil hier Leistung und Provision zählten.

Viele Reiche gingen das Risiko der Selbstständigkeit ein

Wer mehr will, muss mehr Risiko in Kauf nehmen. Um gehaltlich ganz hoch hinaus zu kommen, gibt es nur den Weg, sich auf eigene, selbstständige, Beine zu stellen. Jene Menschen, die sich selbstständig machen, können am allermeisten verdienen, weil sie eben nicht durch ein Lohnschema limitiert sind. Siehe dazu auch die Reichenliste in der Grafik:

Die Reichsten der Welt wie Jeff Bezos, Bill Gates, Warren Buffet; in Österreich Dietrich Mateschitz, Johann Graf und René Benko – sie alle haben ihr eigenes Unternehmen. Die Superreichen sind das Risiko der Selbstständigkeit eingegangen und waren damit erfolgreich: Jeff Bezos ist heute 131 Milliarden Dollar reich, Dietrich Mateschitz hat fast 20 Milliarden Vermögen. Der andere Weg, um superreich zu werden, ist leider nicht der Angestelltenjob. Sondern: eine Erbschaft.