weXelerate: Chef des Supernetzwerks

Hassen Kirmaci, weXelerate
Foto: KURIER/Jeff Mangione Hassen Kirmaci  ist CEO von weXelerate.

Wien bekommt das größte Start-up-Hub Europas. Initiator Hassen Kirmaci will hier Talente, Start-ups, Unternehmen und Investoren zusammenbringen. Start ist 1. September.

Der Nouvel Tower am Wiener Donaukanal soll Europas größtes Supernetzwerk werden. 300 Start-ups sollen hier arbeiten, 100 neue pro Jahr mithilfe eines hauseigenen Akzelerator-Programms etabliert werden. Man rechnet für diesen mit 10.000 Bewerbungen pro Jahr. Ebenfalls im Haus: etablierte Unternehmen, die gemeinsam mit den Start-ups Innovation vorantreiben und Business Angels, die in sie Geld investieren sollen. CEO des Innovations-Hubs "weXelerate" ist Hassen Kirmaci.

KURIER: Herr Kirmaci, Sie erwarten 10.000 Bewerbungen pro Jahr aus der ganzen Welt. Das klingt ambitioniert. Warum sollte man als Start-up ausgerechnet nach Wien kommen?

Hassen Kirmaci: Wien hat extrem gute Voraussetzungen, war immer schon ein Tor zum Osten. Die Szene hat viel Potenzial nach oben, die Wirtschaft auch. Es gibt hier eine tolle Universitäts-Landschaft mit vielen gut ausgebildeten Leuten. Und enorm gute Förderprogramme für Start-ups. Wir haben hier am Standort dann Dutzende etablierte Unternehmen aus den Bereichen Internet der Dinge, FinTech und Medien, die nur darauf warten, mit den Start-ups neue Business-Modelle auszutesten, Ideen greifbar zu machen. Diese Zusammenarbeit, dieses Ökosystem zu schaffen, das ist der Kernbereich von weXelerate.

Was haben die Start-ups davon?

Für sie es oft enorm schwierig, die richtigen Leute zu adressieren, Mentoren zu finden, rasch zu skalieren. Das sind aber Skills-Sets, die die Corporates (etablierte Unternehmen, Anm. ) bereits haben. Die Start-ups, die in den Akzelerator kommen, finden eine komplette Infrastruktur vor, es gibt Werbeagenturen, die sie unterstützen, Mentoren. Es geht dann darum, diese Talente mit Systemen, die bereits funktionieren, zusammenzubringen. Viele CEOs und Vorstände der Corporates haben nämlich verstanden: Es geht nicht mehr nur um das Verteidigen meines Umsatzes, sondern um den Ausbau innovativer Business-Modelle, sie sehen die Potenziale. Wenn man da an die richtigen Ideen oder Talente kommt, kann man sich doch wunderbar ergänzen.

Wie kriegt man all diese Player unter ein Dach?

Wir haben ein gemeinsames Interesse. Wir sind an niemanden herangetreten und haben gesagt: Wir haben ein Produkt. Wir haben angeboten, dass sich die Unternehmen engagieren, mitgestalten. Hier ist das Geben und Nehmen wichtig, Grundvoraussetzung ist der Open-Innovation-Gedanke.

Was sind die Erfahrungswerte solcher Hubs?

Ich habe mir das Plug and Play in San Francisco angesehen, mit dem Management-Team darüber gesprochen, was funktioniert. Wir wollten ja nicht das Rad neu erfinden. Am meisten inspiriert hat mich aber der Zusammenschluss von 20 Unternehmen inklusive der vier größten Banken in Zürich. Die haben früher "Digital Zurich 2025" geheißen. Sie sind so schnell gewachsen, dass es mittlerweile "Digital Switzerland" heißt.

Wird für die Start-ups durch die Business-Angel-Nähe der Zugang zu Kapital niederschwelliger?

Wir wollen Unterstützer auf allen Ebenen sein, es geht also auch absolut um die Vernetzung mit Investoren.

Konkret: Wird Speedinvest vom 4.Stock in den 2. Stock fahren und sich Start-ups suchen, in die es investieren will?

Ich hoffe doch. Für alle Unternehmen hier ist gerade das der Vorteil: Sie sehen, wie die Start-ups arbeiten, wie sich das Gründungsteam verhält, wie es Projekte realisiert. All diese Informationen kann man nicht aus Zahlen herauslesen. Das minimiert das Risiko von Fehlinvestitionen enorm. Im besten Fall erhalten die Start-ups nach den 100 Tagen im Akzelerator Investitionen. Im schlechtesten Fall ist das Programm vorbei, die Start-ups haben gelernt und es kommen die nächsten.

Haben Start-ups in Österreich Business-Relevanz?

Sie sind absolute Wirtschaftstreiber. Nicht nur, weil sie neue Technologien auf den Markt bringen. Sie wachsen auch enorm schnell, schaffen Arbeitsplätze und die locken wiederum neue Talente nach Wien. Die ganze Wertschöpfung bleibt hier. Das ist, was Business-Relevanz ausmacht.

Das Projekt

Hassen Kirmaci, 39, ist CEO von weXelerate, einem Zusammenschluss von heimischen Investoren. Diese haben Großes vor: Am 1. September 2017 soll in Wien das größte Start-up-Hub Europas eröffnen. Im Nouvel Tower sollen auf 8000 Quadratmetern und vier Stockwerken Co-Worker, junge und etablierte  Start-ups, Unternehmen und Investoren unter einem Dach sitzen und zusammenarbeiten. Weitere weXelerate-Gründungsmitglieder  sind Eveline Steinberger-Kern (Blue Minds Group), Dominik Greiner (Camouflage Ventures) und Markus Wagner (Gründer von i5invest). Alle Informationen für Start-ups und Corporates unter www.wexelerate.com. Der KURIER wird involviert sein und das Projekt als Corporate Leader unterstützen.

(kurier) Erstellt am
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