Wenn Mitarbeiter Gutes tun ...

... und ihre Arbeitgeber ihnen dabei helfen: Corporate Volunteering ist in Österreich im Kommen. Gut so!

Wer denkt schon daran, wie viele Lebensmittel jeden Tag im Müll landen und wie viel Armut es gleichzeitig in Österreich gibt?“, fragt Isabella Luschin (siehe unten). 140 Mitarbeiter von IBM tun es. Sie sammeln Brot, Gemüse, Eier von Märkten ein, bevor sie ungekauft im Müll landen. Und beliefern Menschen, die sich kaum etwas zu essen leisten können. Ehrenamtlich, bei der Wiener Tafel.

Viele Menschen in Österreich beschränken die Zeit des Gebens nicht allein auf den Weihnachtsabend und eilig besorgte Einheitsware. Sie geben etwas anderes: Sie hören zu. Sie packen an. Sie geben Hilfe, wo sie gebraucht wird, und das ohne Erwartung einer Gegenleistung. Manchmal werden sie dabei sogar von ihren Arbeitgebern unterstützt.

Corporate Social Volunteering nennt man das. Die Unternehmen kooperieren mit gemeinnützigen Organisationen, unterstützen die ehrenamtlichen Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter mit Sach- und Geldspenden. Oder sie stellen ihre Mitarbeiter dafür sogar vom Dienst frei.

Zeit und Geld

Die Bawag PSK verschenkt im Rahmen der Volunteering-Initiative „Mitten im Leben“ insgesamt 150 Arbeitstage jährlich an ihre Mitarbeiter für ehrenamtliche Tätigkeiten. Bis zu zwei Tage pro Jahr kann ein Mitarbeiter beantragen. „Wir wollen das gesellschaftliche Engagement forcieren, ohne dass die Mitarbeiter dafür Urlaub nehmen müssen“, sagt Sprecherin Sabine Hacker. Lisa Weber, Geschäftsführerin des Unternehmens-Netzwerks respact, das solche Initiativen mit dem Trigos Sonderpreis auszeichnet, sieht ein wachsendes Interesse der Unternehmen an Corporate Volunteering: „Im Vergleich zu den USA steckt das Thema in Österreich zwar noch in den Kinderschuhen, aber vor allem große Firmen sind dabei, Programme zu entwickeln.“ Dazu beigetragen habe das Europäische Jahr der Freiwilligenarbeit.

Einige Konzerne sind schon länger aktiv: Henkel unterstützt mit seiner Initiative „Miteinander im Team“ bereits seit 1998 ehrenamtliche Tätigkeiten von Mitarbeitern. Seit 2003 fördert auch IBM gemeinnützige Projekte. Corporate Volunteering trage viel bei zur Mitarbeitermotivation, „wenn man gemeinsam als Team Neues erlebt“, sagt Weber. Berater von Pricewaterhouse Coopers besuchen seit 2008 alle zwei Wochen alte Menschen im Seniorenheim. „Das trägt zum Teambuilding bei, die Verbundenheit zum Unternehmen und die Motivation steigen“, meint Weber. Ein gestandener Berater, gewohnt, sich im besten Licht zu präsentieren, müsse plötzlich die weinende alte Frau im Rollstuhl trösten. „Die Mitarbeiter lernen so, in ungewohnten Situationen angemessen zu reagieren “, meint Weber. Ein anderer

Ansatz ist das skills-based Volunteering: Hier unterstützen die Mitarbeiter gemeinnützige Organisationen ehrenamtlich mit ihrem beruflichen Know-how – wie IBM die Wiener Tafel. Hat ein Unternehmen vor, solche Programme ins Leben zu rufen, rät Weber: „Schauen, welche Mitarbeiter schon wo ehrenamtlich tätig sind – und dort ansetzen.“ Oder den Kontakt mit gemeinnützigen Organisationen suchen: Respact hat heuer einen „Marktplatz der Guten Geschäfte“ abgehalten, wo Unternehmen mit NGO Kooperationen anbahnen konnten. Dass das kollektive Geben auch ganz ohne Programm erfolgen kann, zeigt die Aktion der Firma STIWA (siehe unten). Geben bringt also immer was – auch denen, die es tun.

Raiffeisen: „Erlebnis, das verbindet“

Gemeinsam für andere: Raiffeisen-Mitarbeiter kochen in der Wiener Obdachlosenunterkunft Gruft für 180 Menschen
© Bild: Stephan Boroviczenycall. +43(0)6889092400sboro@live.de

Alfred Greimel ist Abteilungsleiter des Kommunalservice in der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien. Manchmal kocht er Abends gemeinsam mit seinen Mitarbeitern. Nicht für sich, sondern für bis zu 180 Obdachlose.Die Wiener Gruft bietet Obdachlosen ein warmes Essen und eine kurze Bleibe. Seit 2006 haben Mitarbeiter der Raiffeisen Bank NÖ-Wien bereits beinahe 160-mal in der Gruft für heimatlose Menschen gekocht. Gestartet wurde die Aktion im Rahmen der Kardinal-König-Patenschaft der Raiffeisen im Advent 2004. „Wir dachten daran, zwei, drei Essen zu machen. Mittlerweile ist es ein Selbstläufer geworden“, sagt Pressesprecher Peter Wesely. 300 bis 350 Raiffeisen-Mitarbeiter haben schon in der Gruft aufgekocht und Essen an die Obdachlosen ausgegeben. „Was hier in relativ kurzer Zeit an Teamerfahrung erreicht wird, nimmt es leicht mit teuren Teamtrainings auf“, sagt Wesely. Auch Greimel ist begeistert: „Ein tolles Gemeinschaftserlebnis, das die Mitarbeiter verbindet.“ Das gehe von der Diskussion, was man koche, über die Arbeitsteilung bis hin zur Koordination der Essensausgabe. „Und man wird bescheiden. Man merkt, wie gut es einem eigentlich geht.“ Auch zu Weihnachten gehen die Raiffeisen-Mitarbeiter in die Gruft: Zum fünften Mal mit einer Weihnachtspackerl-SpendenAktion, die eine Kollegin initiiert hat.

IBM: „Unsere Leute machen das gern“

Hamstern für arme Menschen: Auch Peter Gangl, Finanzchef bei IBM, half am Wiener Naschmarkt mit, Essen vor dem Müll zu retten
© Bild: IBM

Täglich retten 150 ehrenamtliche Mitarbeiter der Wiener Tafel rund drei Tonnen genießbare Lebensmittel vor dem Müll und beliefern damit 80 Wiener Sozialeinrichtungen. So werden 9000 von Armut Betroffene mit dem Nötigsten versorgt. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums unterstützt IBM seit Beginn des Jahres die Wiener Tafel. Insgesamt 140 Mitarbeiter des Konzerns sammeln samstags Lebensmittel am Naschmarkt ein und machen Lieferfahrten. Ein Logistik-Team hat für die Wiener NGO in vier Monaten ein Konzept ausgearbeitet, um die Emissionen für die Transporte zu reduzieren.

Die Wiener Tafel habe man wegen der gemeinsamen Vision ausgewählt, „intelligente Lösungen für die Gesellschaft zu bringen“, sagt CSR-Verantwortliche Isabella Luschin. „Unsere Leute machen das gern. Solche engagierten Mitarbeiter wollen wir im Unternehmen.“ Die Helfer könnten ihr Wissen von IBM für die soziale Tätigkeit verwenden – und umgekehrt, meint Luschin: „Es werden soziale Kompetenzen mitgegeben, man wird zu Problemstellungen in der Gesellschaft sensibilisiert. Und lernt, über den eigenen Tellerrand hinausblicken. “ Auch für nächstes Jahr werden IBM-Mitarbeiter für die Wiener Tafel im Einsatz sein.

STIWA: „Der Kollege wurde nicht im Stich gelassen“

Aktion „Zusammenhalt“: STIWA-Gesellschafterin Herta Sticht und Johann Gehmayr überreichten den Scheck an Calvin Cunningham (M.)
© Bild: STIWA

Die Mitarbeiter der oberösterreichischen STIWA Group halten zusammen. Auch in nicht so guten Zeiten. Als der Sohn des langjährigen Mitarbeiters Calvin Cunningham unter mysteriösen Umständen schwer verletzt am Flughafen in Barcelona gefunden wurde, starteten die Kollegen mit Unterstützung des Betriebsrats kurzerhand eine Spendenaktion für die in finanzielle Bedrängnis geratene Familie. „Die Mitarbeiter sind zu uns gekommen und haben gesagt, man muss da etwas tun“, erzählt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Johann Gehmayr. Der Betriebsrat schloss sich mit der Personalabteilung zusammen und sammelte Spenden an allen fünf Standorten des Unternehmens. Ein Großteil der 1100 Mitarbeiter nahm an der Aktion teil. 5000 Euro kamen so zusammen, der Betriebsrat spendete 3700 Euro, das Unternehmen rundete auf 10.000 Euro auf. „In solchen Situationen sieht man, dass Kollegen einen in Not geratenen Kollegen nicht im Stich lassen“, sagt Gehmayr. Die Familie Cunningham kann das Geld gut gebrauchen. Hohe Kosten entstanden für die Überstellung des Sohns von Spanien nach Wien, für die Spitals- und Reha-Aufenthalte. Calvin Cunningham ist dankbar: „Die Spenden waren sehr hilfreich. Angelo ist gerade auf Reha und auf dem Weg der Besserung.“

( Kurier ) Erstellt am 19.12.2011