Wirtschaft | Karriere
24.12.2011

Weltklasse sein – nicht nur bei Brot und Spielen

Spitzenforschung braucht Zeit, Geld und Visionen. Da herrscht Nachholbedarf.

Österreich kann ruhig stolz auf sein hervorragendes Sozialsystem sein. Aber lässt sich dasselbe auch für Forschung und Innovation sagen? Rollen wir ehrgeizigen Spitzenforschern und mutigen Unternehmensgründern den roten Teppich aus? Oder eher den bequemen Stubenhockern? In manchen Bereichen ist das Land wirklich gut: Die Chance, dass Sie irgendwo auf der Welt einen tüchtigen österreichischen Hoteldirektor oder erfolgreichen Koch treffen, ist ziemlich hoch. In Tourismus, Kulinarik und Musik – also quasi bei Brot und Spielen – mischt Österreich in der obersten Weltliga mit.

Anderswo gibt’s Nachholbedarf. Auch wenn der Wissenschaftsminister in einer Herkulesleistung für die Unis mehr Geld erkämpft hat: Er weiß es als Ex-Rektor selbst am besten: Um Weltklasse zu erzeugen, müssten sich die Universitäten ihre Hörer aussuchen können. Die Verhältniszahlen Professoren zu Studenten sind Lichtjahre von Spitzeninstituten wie etwa der ETH Zürich entfernt. Und während etliche Modefächer überrannt sind, könnte das Land mehr technisch-naturwissenschaftliche Absolventen brauchen.

Entwertete Matura

Auch das politische Ziel, um jeden Preis mehr Akademiker zu erzeugen, erweist sich zunehmend als zweifelhaft. Der Massenansturm hat zuerst die Matura entwertet, dasselbe wird bei den Unis geschehen. Der edle egalitäre Gedanke fördert letztlich ein elitäres Zwei-Klassen-System. Denn Spitzenleistungen sind an solchen Universitäten kaum mehr zu gewährleisten, daher hat die Politik folgerichtig Exzellenz-Zentren geschaffen: das IST Austria in Klosterneuburg, das Austrian Institute of Technology AIT, das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation des Ausnahmeforschers Anton Zeilinger und das Biotechnologiezentrum IMBA von Josef Penninger. Ihre Forschungsergebnisse sollen auch kommerziell auswertbar sein und „Spin-offs“, also Firmengründungen durch Uni-Mitarbeiter, nach sich ziehen.

Spitzenforschung bedeutet Schnelligkeit: Man muss weltweit der Erste sein, der eine Erkenntnis publizieren kann. Das Match läuft nicht zwischen Wien und Graz, sondern man misst sich mit Harvard und Singapur. Dafür braucht es nicht nur Zeit und Ressourcen, sondern auch Planungssicherheit, klare Ziele und natürlich Visionen. All das gibt es an öffentlichen österreichischen Unis leider oft nicht. Abgesehen davon ist es mittlerweile ein Problem, dass zwar alle Verwalter von Wissenschaft sichere Jobs haben, nur die jungen Forscher nicht mehr. Hier müsste das Dienstrecht nachjustiert werden.

Denn wenn die Bedingungen nicht stimmen, sind Spitzenforscher weg und kommen nicht mehr zurück. „Nichts ist mobiler als kluge Köpfe“, warnt AIT-Geschäftsführer Anton Plimon. Es könnte sein, dass diese im Ausland erfolgreichen Österreicher ( siehe Seiten 8, 9 ) erst als Pensionisten wieder zurückkommen. Denn dann lebt es sich hier am besten. Aber die tollen Sozialleistungen lassen sich nur erhalten, wenn wir innovativ bleiben – oder besser: es endlich in allen Bereichen werden.

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