Wirtschaft | Karriere
02.05.2017

Was macht Firmen zu Top-Arbeitgebern?

Attraktiver Arbeitgeber: viel zitiertes Schlagwort und Thema zahlreicher Awards. Aber was steckt dahinter? Was machen Unternehmen, um sich im War for Talents einen Vorteil zu verschaffen?

Die größte Herausforderung für Unternehmen derzeit: qualifizierte und engagierte Mitarbeiter für das Unternehmen zu begeistern. Das ist das Ergebnis eine aktuelle Studie, durchgeführt von der Johannes Kepler Universität Linz. Früher gewannen jene Unternehmen, die über die besseren Produktionstechnologien verfügten, das qualitativ ausgereiftere Produkt anboten oder die bessere Markenposition innehatten. In Zeiten, in denen spezialisiertes Personal knapp ist, werden gute Mitarbeiter zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. In Zukunft werden nur Unternehmen zu den Gewinnern zählen, die diese wertvollen Mitarbeiter gewinnen und halten können. Dafür müssen sie mehr bieten als der Durchschnitt.

Präsent sein

Genau das ist die Herausforderung: "Es ist schwieriger geworden für Arbeitgeber, die nötige Aufmerksamkeit zu erzielen. Wir müssten mit einer gelben Yacht auf einem Lkw durch Frankfurt fahren, damit uns das gelingt", beschreibt Peter Ginser, Partner der Unternehmensberatung Capco, das Dilemma. "Über Headhunter gelingt es uns nicht, die Unternehmenskultur nach außen zu transportieren", sagt Jiri Siklar, Managing Director der Software-Firma Meltwater.
"Vor 15 Jahren wollte jeder Konzipient bei einer Anwaltskanzlei werden. Heute ist es sogar schwierig geworden, jemanden zu finden, der Partner werden will", schildert Hannes Havranek, Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei PHH. Sich als attraktive Firma hervorzutun ist heute nicht leicht. Und erfordert vor allem eines: eine ehrlich gelebte Firmenkultur, authentisch nach außen getragen. Bewerber entlarven Mogelpackungen schnell – Firmen-Bewertungsplattformen wie kununu, wo Unternehmen schonungslos kritisiert werden, tun ihres dazu.

Was Firmen bieten

Vier wesentliche Faktoren sind es, die im War of Talents darüber entscheiden, ob ein Arbeitgeber als attraktiv wahrgenommen wird: Firmenkultur, Familienfreundlichkeit, Work-Life-Balance und Benefits. Treffen diese Faktoren großteils zu, ist das gut fürs Image. Arbeitgeber, die glauben, ihre Mitarbeiter 60 Stunden die Woche an sich binden zu können und dafür nichts zu bieten, ziehen vielfach den Kürzeren. Teilweise ist das aber noch nicht in den Köpfen der Chefs angekommen. Dabei ist das, was eine Firma bieten kann, nicht zwingend an Geld oder Größe gebunden. Große Firmen tun sich zwar leichter, "weil sie mehr Ressourcen haben. Sie können entsprechende Vorgaben von zentraler Stelle aus planen. Kleinere Unternehmen haben hier oft Nachholbedarf," kommentiert Personalberaterin Manuela Lindlbauer. Sie ortet aber bei allen Firmenlenkern generell zu wenig Sensibilität für das Thema: "Gezielte Maßnahmen zur langfristigen Mitarbeiterbindung werden eher zögerlich umgesetzt", sagt sie.

Faktor 1 : Die Firmenkultur

Bei der Firmenkultur geht es um die Werte, für die ein Unternehmen steht, und was damit verknüpft wird. "Eine Bindung zu Mitarbeitern gelingt nur über die emotionale Ebene, es geht nicht übers Geld", sagt Peter Ginser, Partner der Unternehmensberatung Capco. "Bei uns ist jedem neuen Mitarbeiter ein Coach zugeteilt, der ihn berät. Das hat die Leute zusammengeschweißt. Außerdem vergeben wir viele Projekte intern, zuletzt etwa das neue Logo", so Ginser. "Wir setzen auf eine gute Arbeitnehmerkultur", sagt Oliver Krizek, CEO der eigentümergeführten IT-Firma Navax. "Mitarbeiter, die neue Kollegen rekrutieren, bekommen eine Prämie von 2000 Euro. Wir machen das, weil Mitarbeiter am besten wissen, wie die Organisation tickt."

Auch das ist Firmenkultur: Wenn der frisch gefangene Mitarbeiter neben dem Chef am Schreibtisch sitzt. "Wir arbeiten alle open space, es gibt bei uns kein Chefzimmer", sagt Jiri Siklar, Managing Director der Software-Firma Meltwater. "Über 90 Prozent unserer Mitarbeiter haben als Studenten bei uns begonnen. Ziel ist es, eine möglichst feste Bindung zu ihnen aufzubauen. Dazu zählt auch, dass die Mitarbeiter alle Partner bewerten, das Ergebnis wird dann öffentlich gemacht", sagt Hannes Havranek, Partner bei PHH Rechtsanwälte.
"Arbeitgeber sollten sich nicht besser darstellen, als sie sind", mahnt Jürgen Horak, CEO Dimensions Data Austria. "Sonst läuft man schnell Gefahr, als unauthentisch wahrgenommen zu werden. Man ist als Firma durch das Internet vergleichbarer geworden. Als Arbeitgeber muss man schauen, dass man einem Kandidaten im Bewerbungsgespräch nicht zu viel verspricht. Man muss es schließlich auch noch nach Monaten halten können ", so Horak.

Faktor 2: Die Familienfreundlichkeit

"Wir bieten neben der betrieblichen Gesundheitsförderung einen Betriebskindergarten, der sehr gut angenommen wird. Beides sind Maßnahmen, um die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden", sagt Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsmitglied der Österreichischen Kontrollbank. Familienfreundlichkeit zählt heute bei vielen Arbeitgebern zur Unternehmensstrategie – es ist aber nicht immer das drin, was draufsteht. Zwar sehen drei von vier Unternehmen in Österreich in einem familienfreundlichen Umgang mit den Mitarbeitern einen wesentlichen Faktor für den Unternehmenserfolg, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Doch die Maßnahmen, so es welche gibt, verbessern das Arbeitsleben der Angestellten nur gering. Denn in erster Linie geht es Mitarbeitern (mit Kindern) um mehr Flexibilität bei der Arbeitzeitgestaltung, so das Ergebnis.

Faktor 3: Die Work-Life-Balance

Dass vor allem jüngere Arbeitnehmer Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legen, ist vielen Firmenchefs bekannt. Doch viele setzen weiterhin auf Kandidaten, die vollen Einsatz bringen. Manch guter Kandidat geht lieber zur Konkurrenz und nimmt ein geringeres Gehalt in Kauf, als 60 Stunden die Woche arbeiten zu müssen. Dessen sind sich die Firmen noch immer zu wenig bewusst, zeigt die aktuelle Diskussion um das Thema flexible Arbeitszeiten. Während die Arbeitgeber darunter verstehen, dass sie die Mitarbeiter je nach anfallender Arbeit zu Mehrarbeit verpflichten können, haben Arbeitnehmer ein anderes Bild vor Augen: Sie wollen neben der Arbeit auch Zeit für die Familie oder Hobbys haben. "Die Mitarbeiter haben nicht mehr Lust, sich zu 100 Prozent zu verpflichten", sagt Jiri Siklar.

Faktor 4: Die Benefits

Relativ leicht punkten können Unternehmen mit Zusatzleistungen. Das können Benefits wie Krankenversicherungen für Mitarbeiter sein, gratis Mittagsmenüs, aber auch bezahlte Weiterbildungskurse. Die Goodies müssen dabei gar nicht viel kosten. "Wir bieten als Benefits gesunde Getränke, Kaffee und Obst für die Mitarbeiter gratis an. Will jemand ein Cola oder ähnliches, muss er es aber selbst bezahlen", sagt Oliver Krizek, CEO der IT-Firma Navax. "Außerdem haben wir zwei Psychologen, die Mitarbeiter kontaktieren können, wenn sie Bedarf haben."

Austausch zum Thema Employer Branding

Manageers, die Community für Young Professionals, organisiert einmal im Quartal einen CEO-Roundtable zu einem aktuellen Thema. An dem aktuellen Roundtable zu „War for Talents, Employer Branding Generations X, Y, Z“ nahmen sieben Manager österreichischer Unternehmen teil. Unternehmensberater Philipp Belcredi moderierte und führte durch den Vormittag, der JOB-KURIER war dabei. Der nächster Termin ist am 31. Mai , Thema: „Think Big“.