Warum Studis für Firmen schreiben

Mit ihrer Diplomarbeiten bringen Studenten innovativen Wind in Unternehmen. Und kriegen nicht selten dafür einen Job.

Der letzte Studienabschnitt geht zu Ende. Jetzt stellt sich die Frage: Worüber schreibe ich meine Diplomarbeit? Hier gibt es drei Möglichkeiten: Man schreibt über das, was einem der Betreuer vorgibt. Oder sucht sich selbst ein spannendes Thema. Oder schaut sich bei den Unternehmen um. Abschlussarbeiten können für Firmen unbezahlbar sein, viele suchen nach innovativ denkenden Technik- und Wirtschaftsstudenten, die kostengünstig Unternehmensprozesse analysieren und verbessern. Die Studierenden werden mit einem bezahlten Projektauftrag belohnt, einer Referenz für den Lebenslauf und den Blick in die Praxis. An den Fachhochschulen erhalten Studierende schon früh mit verpflichtenden Unternehmensprojekten Kontakt zur Praxis. Daraus können sich dann auch Themen für die Diplomarbeit ergeben. Auch die Technischen Universitäten kooperieren mit Unternehmen.

"Das Interesse von Unternehmen an Diplomarbeiten ist groß", sagt Daniel Heim, Studiengangsleiter Metall und Kunststofftechnik am Campus Wels der FH OÖ. "80 bis 90 Prozent unserer Studenten machen ihre Diplomarbeit in einem Unternehmen, viele bekommen konkrete Jobangebote."

Verlinkung

Einer von ihnen ist Rene Brückl. Der Absolvent des Studiums Automatisierungstechnik hat in seiner Diplomarbeit für die Firma Höfer eine neuartige Temperaturregelung für Heizpressen entwickelt. Wie das zustande kam? Der 29-Jährige fragte bei Höfer um ein Praktikum an, "dann haben wir über mögliche Themen und Aufgaben philosophiert", sagt Geschäftsführer Heinz Pesendorfer. Da traf es sich gut, dass Brückl von der Automatisierung kam und Höfer die Temperaturregelung optimieren wollte. Brückls System wird vom Unternehmen bereits eingesetzt. "Durch die massive Einsparung der Inbetriebnahmekosten sind wir nun noch wettbewerbsfähiger", ist Pesendorfer erfreut. Er plant weitere Projekte mit der FH Wels. Auch wenn bei Diplomarbeiten nicht immer ein so positives Ergebnis herauskomme, "sie helfen, die Betriebsblindheit zu überwinden". Auch Brückl hat die Diplomarbeit viel gebracht - den Job bei Höfer und "die Verlinkung zwischen Theorie und Praxis".

Für Tanja Stoifl, Biotechnologie-Absolventin der IMC FH Krems, hat sich die Diplomarbeit ebenfalls ausgezahlt. Sie hat diese Woche den Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums erhalten. Für ein EU-Projekt am Zentrum für Biomedizinische Technologie der Donau-Uni Krems entwickelte sie mit der schwedischen Firma Protista Cryogele, die Lebertoxine aus dem Blut entfernen. Sechs Monate arbeitete sie im Labor bei Protista in Lund mit. Stoifl hält Abschlussarbeiten in forschungsorientierten Unternehmen für sinnvoll: "Man bekommt Einsicht in die Praxis. Und es findet ein Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie statt."

Diplomarbeit: Thema finden
Suche Viele Unternehmen fragen bei den Fachhochschulen und Universitäten an bzw. schreiben Themen für Abschlussarbeiten aus. Ob das Thema passt, entscheidet der Betreuer des Diplomanden an der Hochschule. An den Fachhochschulen erhalten Studierende schon früh mit verpflichtenden Unternehmensprojekten Kontakt zur Praxis. Auch die Technischen Universitäten kooperieren mit Unternehmen. Daraus können sich Themen für die Diplomarbeit ergeben. Schwieriger ist es in geistes- und sozialwissenschaftlichen Studien - hier müssen die Studenten selbst aktiv werden.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011