Zwei Kilometer südlich der Wiener Stadtgrenze züchten Johannes Wiesmayer und Lydia Fuchs Damwild – bis zum letzten Atemzug sind sie in der Natur

© KURIER /Franz Gruber

13 Fragen
12/06/2013

Vom Schulabbrecher zum wilden Züchter

Johannes Wiesmayer ist Jäger, Koch und züchtet Wild. Auch der Abschuss gehört zum Job

von Andrea Hlinka

Hirsch, Kälber und Muttertiere laufen auf den Zaun zu, wenn Johannes Wiesmayer und Lydia Fuchs näher ans Gehege kommen. Wenn die Tiere Glück haben, gibt es einen Apfel. Wenn nicht, eine Kugel in den Kopf. Johannes Wiesmayer züchtet zwei Kilometer südlich der Wiener Stadtgrenze Damwild. Die edelsten Stücke verkauft er an die Spitzengastronomie und ab Hof. Im eigenen Gasthaus kocht er Wildspezialitäten. Kein Stück wird verschwendet, Johannes Wiesmayer hat viel Respekt und wertschätzt die Natur. Lydia Fuchs, seine Partnerin, hilft, wenn sie nicht gerade mit ihrer eigenen Leidenschaft, der Malerei, beschäftigt ist.

1 Wie geht es Ihnen, wenn Sie eines Ihrer Tiere töten?

Johannes Wiesmayer: In freier Wildbahn ist es leichter. Hier im Gehege ist man sentimental.

2Wie geht das vor sich?

Wiesmayer: Mit einem Schuss in den Kopf – das Tier fällt einfach um. Wir sagen dazu: „Wir entnehmen es dem Gehege“. Es hat keinen Stress, es gibt keinen Schlachthof und keinen Transport.

3 Gibt es etwas, dass Sie an Ihrer Arbeit nicht mögen?

Wiesmayer: Schlimm ist für mich, wenn Menschen entsetzt sind, weil wir Wild züchten. Aber sie gehen zum Supermarkt, kaufen abgepacktes Fleisch und glauben, dass sie Gutes tun.

4 Das Schlachten und Zerteilen?

Wiesmayer: Das war gewöhnungsbedürftig.

5 Wie wurden Sie Wildzüchter?

Wiesmayer: Ich bin ein klassischer Schulabbrecher, habe eine Lehre im Einzelhandel gemacht – dann jahrelang in einem Kfz-Betrieb gearbeitet. Meine Eltern hatten hier in Hennersdorf eine Landwirtschaft. Ich habe ein solches Wildgehege mal in der Steiermark gesehen und dachte mir, dass wir das auch machen könnten. So hat das Ganze angefangen.

6 Die Spitzengastronomie schätzt Ihr Fleisch. Wie kamen Sie zu Meinl am Graben und ins Steirereck?

Wiesmayer: Joachim Gradwohl, den Haubenkoch, kenne ich aus der Kfz-Werkstatt. Er war mein erster Kunde.

7 Können Sie von der Damzucht leben?

Wiesmayer: Noch nicht ganz. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche beim Roten Kreuz.

8 Wie oft essen Sie Fleisch?

Wiesmayer: Fast täglich.

Lydia Fuchs: Ich esse wenig Fleisch, weil wenn man so nah an den Tieren ist, hat man einen anderen Bezug dazu.

9 Arbeiten Sie mit?

Fuchs: Ja, im Service im Gasthaus. Wir machen so viele Dinge: Wir veranstalten Kindergeburtstage, verkaufen in unserem Landladen Produkte und ich male viel, habe vor einiger Zeit die Maloase gegründet. Hier können Kinder völlig frei und ohne bewertet zu werden malen. Ich habe vor einigen Jahren bei Arno Stern (Anm.: Malpädagoge, bekannt aus dem Film „Alphabet“) eine Ausbildung gemacht.

10 Vermissen Sie manchmal einen Bürojob?

Wiesmayer: Nein. Für mich ist das unvorstellbar.

Fuchs: Nein. Im vorigen Job waren neue Ideen nicht willkommen, Anerkennung gab es auch nicht. Ich bin jetzt viel selbstbestimmter und flexibler. Wir können hier all unsere Ideen ausprobieren.

11 Stress?

Fuchs: Schon, aber anders.

12 Wie ist es, mit dem Partner zusammenzuarbeiten?

Wiesmayer: Schön und interessant. Jeder hat manchmal seine Spinnereien. Ich sicher öfter.

Fuchs: Wir können uns gegenseitig die Meinung sagen.

13 Was gefällt Ihnen am Job?

Wiesmayer: Kein Tag ist planbar, aber jeder machbar.

Fuchs: Wenn die Kinder rausgehen und sagen: „Das war so toll!“

Die Zucht

47 Tiere Seit 2004 züchtet Johannes Wiesmayer an der Stadtgrenze zu Wien in Hennersdorf Damwild. 47 Tiere sind es gesamt, davon ein Hirsch und 23 Muttertiere. Die Jungtiere kommen im Juni zur Welt, im Winter werden sie geschossen.

Kunden Wiesmayer beliefert die Spitzengastronomie: Meinl am Graben, Sacher, Coburg, Steirereck. Ab Hof wird mittwochs, donnerstags und samstags verkauft. Im eigenen Gasthof kocht Wiesmayer zwei Mal pro Woche.

Maloase Lydia Fuchs folgt in ihrer Maloase dem Prinzip Arno Sterns, der Kindern seit mehr als 50 Jahren in seinem Malort in Paris das freie Malen ermöglicht. In vier Blocks zu je 90 Minuten können Kinder in Kleingruppen in der Maloase völlig frei malen.

Advent Jeden Samstag im Dezember gibt es von 9 bis 13 Uhr Mal-Workshops, zudem gibt es Christbäume, Weihnachtsgeschenkkisterl, Krippen und Bäckerei zu kaufen. wiesmayer-wild.at


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