Verdammt unsexy

In den liebestollen Träumen tausender Singles spielen Architekten und Ärztinnen die Hauptrollen.

Wir lieben Klischees - auch in der Partnerwahl. Das hat eine aktuelle Umfrage von mehr als 12.600 Singles der Partnervermittlung ElitePartner erneut bestätigt. Frauen wollen ein Alpha-Männchen, das Status hat und Einfluss, Männer eine Frau, die gern zu ihnen aufblickt. Daran hat sich seit Anbeginn der Menschheit nicht viel geändert.

Traum-Partner

Akademikerinnen lassen Handwerker völlig kalt, ihr Traummann muss mindestens das ihrige Bildungsniveau aufweisen. Am attraktivsten finden Frauen an der männlichen Spezies Architekten - gefolgt von Ärzten und Journalisten. Die tausendfachen McDreamys in den weiblichen Single-Köpfen sind wohl nicht nur durch ihren Status, sondern auch die hirnzellenzerfetzende Konzentration an Arzt-Serien im Hauptabendprogramm zu erklären. Journalisten versprechen eine düstere Endzeit-Romanze mit Rettereffekt, während sie sich gefährliche Machenschaften aufdeckend immer am Rande zur Todesgefahr bewegen. Und Architekten? Sie zimmern den Damen den Traum vom gnadenlos durchdesignten Nest-Bau zurecht.

Die Herren fischen im ähnlichen Fahrwasser und träumen von Ärztinnen, Journalistinnen und Krankenschwestern, Models werden mit herzhaftem Gähnen (der Landestopmodelcastingshow-Overkill??) auf Platz 9 abgestraft. Auf Rang 4 müssen sich beiderseits Anwälte und -innen zufrieden geben. Ein bisschen unmoralisch-abgründige im-Auftrag-des-Teufels-Fantasien und etwas schräg-süße Ally McBealsche Verheißungen dürften hier ihre Langzeitwirkung nicht verfehlt haben. Dass Männer Angst vor zuviel Frauenpower haben, ist evident: Während bei Frauen der Manager Platz 5 belegt, schafft es die Managerin bei den Herren gerade noch auf Rang 10.

Dass die Vorstellungen der werten Damen und Herren wohl eher Hollywood entstammen, ist ebenfalls klar: Denn in Wahrheit kriegt man den tablettensüchtigen Arzt und die burnout-gefährdete Ärztin nur zwischen zwei Wimpernschlägen am Wochenende zu Gesicht, die Krankenschwester sieht in ihrem weißen Baumwollkittel und den Geox-Latschen längst nicht so sexy aus und der Regional-Journalist weiß nicht mal, wie man "Undercover" buchstabiert.
Tja, das wahre Leben ist eigentlich verdammt unsexy.

(kurier) Erstellt am
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