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Wirtschaft Karriere
01/19/2020

Über die Vielfalt der Solo-Selbstständigkeit in Österreich

Wie bunt Erwerbsformen in Österreichs 315.900 Kleinstbetrieben ausfallen können, zeigt ein Blick auf alte und neue Zahlen.

von Ornella Wächter

Ob genug Druckerpapier im Haus ist, alle Rechnungen bezahlt wurden oder wann die Homepage das letzte Update hatte – mit dem Schritt in die Selbstständigkeit bekommt man zahlreiche weitere Verpflichtungen aufgebürdet. Solo-Unternehmer sind Chef, Mitarbeiter und Assistenten in einem.

„Bei mir war es schon eine Veränderung um 180 Grad“, erinnert sich Marketing-Expertin Ingrid Winkler, die vor ihrer Selbstständigkeit elf Jahre lang in zwei Unternehmen angestellt war. „Am Anfang denkt man: Ein freier Tag ist ein Tag ohne Umsatz. Da habe ich auch gearbeitet, als ich nicht ganz fit war.“

"Die positiven Seiten überwiegen"

Für manche klingen diese Aussichten wenig verheißungsvoll, für andere bedeuten sie Freiheit und Selbstverwirklichung. Denn obwohl Winkler nun nach knapp acht Jahren Selbstständigkeit ihren Rhythmus gefunden hat – manche Gedanken werden sie immer begleiten. Das Risiko, einmal auszufallen etwa. „Doch die positiven Seiten überwiegen.“

Die rund 315.900 Solo-Selbstständigen, die eine Mitgliedschaft bei der Wirtschaftskammer (WKO) haben, ließen sich ebenfalls nicht von der Gründung eines Ein-Personen-Unternehmens (EPU) abschrecken. Im Gegenteil. Sein eigener Chef zu sein, die flexible Lebensgestaltung und die Verantwortung für sein eigenes Unternehmen zu haben, gehört zu den Top-Motiven für Selbstständigkeit, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Vom Masseur über IT-Techniker bis hin zur Yoga-Lehrerin

Das Solo-Unternehmertum, von der WKO als „Kleinstbetrieb ohne Angestellte“ definiert, macht mittlerweile rund 60 Prozent aller Unternehmen in Österreich aus, die Firmenlandschaft wird damit immer kleinteiliger. Die Palette der EPU reicht vom IT-Techniker über die Yoga-Lehrerin, vom Buchhalter bis zum Video-Produzenten.

„Es kommen zwar keine neuen Berufsgruppen hinzu. Aber es können aufgrund neuer technischer oder digitaler Möglichkeiten immer mehr Tätigkeiten auch freiberuflich ausgeführt werden“, kommentiert Elisabeth Zehetner-Piewald, EPU-Beauftragte der WKO, die steigenden Zahlen.

Digitalisierung sorgt für steigende Zahlen

Der stetige Wandel der Arbeitswelt macht es für Institute immer schwieriger, all die verschiedenen Formen der Selbstständigkeit zu erfassen, sowie deren Bedürfnisse. Die selbstständige Raum-Balance-Architektin Ursula Mörtl beispielsweise ist der Auffassung, dass größere Berufssparten in der WKO eine bessere Vertretung hätten als kleinere.

„Lebensraum-Consulting gehört zur Berufsgruppe Humanenergetik. Diese hat weniger Mitglieder und damit weniger Angebote als Berufe in der Unternehmensberatung.“ Jene Sparte gehört den Zahlen der WKO zufolge auch zu den wachstumsstärksten (siehe Grafik).

Solo-Selbstständige differenzieren sich zudem stark nach Alter, Ausbildung und Migrationshintergrund, wie kürzlich eine Umfrage der Arbeiterkammer (AK) unter Ein-Personen-Unternehmern ergab. Es herrsche eine große Einkommensspreizung, und nicht wenige würden sich in einer finanziell prekären Situation befinden, schreiben die Studien-Autoren.

Vollzeit-, Teilzeit- oder hybride Selbstständigkeit

Nicht alle Solo-Unternehmer bestreiten wie Marketing-Expertin Ingrid Winkler oder Architektin Ursula Mörtl ihren Lebensunterhalt ausschließlich von einer Erwerbsform. Laut AK wechseln viele zwischen Selbstständigkeit und regulärer Beschäftigung hin und her. Hier sei die Übergangsphase häufig problematisch, da nicht immer ein Arbeitslosengeld bezogen werden könne, heißt es in der Studie.

Zahlen der WKO und der KMU Forschung Austria belegen ebenfalls, dass nur 62 Prozent Vollzeit selbstständig sind (siehe Grafik oben). „Vor allem zu Beginn sind viele noch angestellt, nach ein paar Jahren arbeiten die meisten aber hauptberuflich selbstständig“, so Zehetner-Piewald. Architektin Ursula Mörtl war mit 34 ab Stunde eins Vollzeit- Solo-Unternehmerin. Wie sie als Einzelkämpferin zurechtkomme? „Ich kämpfe nicht, sondern arbeite engagiert“, stellt die Architektin klar.

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