Die typische Teilzeitbranche ist der Handel. Netto verdienen die Teilzeitbeschäftigten mehr als jene in Vollzeit – pro Stunde

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Gehälter
12/06/2013

Teilzeit bringt den Frauen mehr

Pro Arbeitsstunde verdienen sie im Halbtagsjob netto mehr als in Vollzeit

von Nicole Thurn

Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Österreich arbeitet in Teilzeit. Oft wird von der „Teilzeitfalle“ gesprochen: Unter anderem wird befürchtet, dass Teilzeit-Frauen pro Arbeitsstunde schlechter entlohnt werden als jene in Vollzeit. Die typischen Teilzeitbranchen bezahlten generell niedrigere Gehälter, die Frauen seien weniger gebildet, oft Wiedereinsteigerinnen, so die Argumentation.

Das alles treffe zwar auf die Frauen in Teilzeit zu, sagt Silvia Rocha-Akis vom Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFO). Doch ihre Arbeitsstunde ist genauso viel wert wie jene der vollzeitbeschäftigten Frauen. Das hat das WIFO in einer aufwendigen Studie herausgefunden, die die mittleren Einkommen von Frauen und Männern zwischen 2005 und 2011 verglichen hat. Das Fazit: Frauen in Teilzeit verdienen pro Arbeitsstunde brutto fast genauso viel wie jene in Vollzeit. Und: Netto bekommen sie sogar mehr pro Stunde als ihre Kolleginnen in Vollzeit.

Älter und „teurer“

Laut Rocha-Akis würden bestimmte positive Merkmale dafür sorgen, dass die Frauen in Teilzeit passable Stundenentgelte bekommen. Sie seien tendenziell älter, würden wegen des Senioritätsprinzips ähnlich gut verdienen wie die jüngeren und gebildeteren Vollzeitverdienerinnen. Außerdem: „Den Anspruch auf Teilzeit gibt es erst nach drei Jahren im Unternehmen und in größeren Unternehmen mit Betriebsrat.“ Sie seien also oftmals schon länger im Unternehmen und hätten eine bessere Verhandlungsposition.

Netto bringt mehr

Netto ist die Arbeitsstunde in Teilzeit sogar mehr Wert als jene in Vollzeit. Verantwortlich dafür ist die progressive Besteuerung. Konkret sehen die Stundenentgelte so aus: Frauen in Teilzeit verdienten im Schnitt 11,4 Euro brutto pro Stunde, in Vollzeit 11,9 Euro. Netto verdienen sie in Teilzeit 8,8 Euro, aber nur 8,5 Euro in Vollzeit. Ähnlich ist das Ergebnis bei den Männern: Männer in Teilzeit verdienten brutto 14,6 Euro, in Vollzeit 15,3 Euro brutto – netto waren es in Teilzeit 10,7 Euro, in Vollzeit 10,5 Euro.

Vergleicht man die Bruttostundengehälter zwischen den Geschlechtern, verdienen Männer in Vollzeit um 3,4 Euro mehr, in Teilzeit um 3,2 Euro mehr. Netto beträgt der Unterschied in Teil- und Vollzeit nur mehr knapp zwei Euro. Die Einkommensschere ist also bei den Nettostundengehältern deutlich niedriger als brutto.

Laut WIFO verdienen Männer im privaten Sektor in der Stunde brutto um 23 Prozent mehr als Frauen (inflationsbereinigt) – Teilzeit und Vollzeit zusammengenommen. Ein Drittel dieser Lücke ließ sich bisher erklären: Frauen sind weniger in Führungspositionen vertreten, arbeiten in schlechter bezahlten Branchen. Nun lassen sich laut Rocha-Akis zehn bis 18 Prozent der Einkommensschere dadurch erklären, dass Frauen Teilzeitarbeit wählen. Für den Großteil der Einkommensschere haben die Wissenschaftler aber immer noch keine Erklärung.

Auch wenn man netto pro Stunde besser aussteigt – unterm Strich bleibt Teilzeit eine „Falle“. Nicht nur, dass man im Monat weniger verdient – im Teilzeitjob steigt man seltener im Unternehmen auf, die Pension fällt später geringer aus.

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