Wirtschaft | Karriere
16.11.2017

Studienabbruch – was nun?

Bill Gates hat es getan, Sebastian Kurz und Günther Jauch ebenfalls. Der Abbruch des Studiums muss nicht zwingend das Karriereende bedeuten, bringt aber viele Studenten und deren Wegbegleiter in eine belastende Situation.

Ein Studium abzubrechen kann viele Gründe haben: den Wechsel ins Erwerbsleben, finanzielle oder persönliche Gründe oder die einfache Tatsache, dass das gewählte Studium oder das universitäre System doch nicht das Richtige für einen sind. Zumeist geht der Abgang von der Universität ohne Abschluss mit einem Gefühl von Versagen einher, auch die Umwelt begegnet einem dann oft mit Unverständnis und Vorwürfen.

Alternativen

Die Alternativen für Studienabbrecher sind aber durchaus vorhanden: Oft hilft ein Fachwechsel oder ein Duales Studium mit mehr Praxis, um wieder Freude am Studieren zu erlangen. Auch eine Berufsausbildung in Form einer Lehre oder der direkte Berufseinstieg sind möglich. Zwei Ex-Studenten erzählen von ihrer Entscheidung, der Universität den Rücken zu kehren und neue Wege einzuschlagen: Julia Menzinger studierte drei Semester Biologie an der Universität in Wien. "Ich habe mich in das Studium von meinen Eltern hineinreden lassen.‘‘ Der Vater Biologie- und Chemielehrer, die Mutter Pharmazeutin, die Schwester studiert sogar Medizin. "Es war irgendwie vorprogrammiert, dass ich eine universitäre Ausbildung einschlagen sollte.‘‘

Studienabbruch

Bereits zu Beginn ihres Studiums bemerkte sie aber, dass der gewählte Ausbildungsweg nicht den eigenen Wünschen entsprach. "Als die Noten schlechter wurden und ich mich kaum noch an der Uni aufhielt, brach ich das Studium ab. Meine Eltern waren erwartungsgemäß wenig begeistert.‘‘ Nach ihrem Studienabbruch hat sie einige Schnupperstunden in verschiedenen Branchen absolviert. Jetzt arbeitet die 22-Jährige in einem Kinderhort als Früherzieherin. "Ich werde später zwar bestimmt nicht an das Gehalt meiner Schwester herankommen, aber ich bin glücklich.‘‘

Unfreiwillig

Der Studienabbruch von Philipp Wenner war weniger freiwillig: Der heute 32-Jährige wollte schon als kleines Kind Rechtsanwalt werden. "Wir sind keine Akademikerfamilie. Dass ich studieren wollte, war bei uns eher die Ausnahme. Das Verhältnis zu meinen Eltern war nie gut. Ich zog mit 18 Jahren von zu Hause aus und wurde danach nie von ihnen finanziell unterstützt.‘‘ Dass er dies hätte einklagen können, ist ihm bewusst, kam für ihn aber trotzdem nicht infrage. Sein Leben selbst zu finanzieren und zusätzlich ein anspruchsvolles Studium zu absolvieren, brachte ihn aber an seine Grenzen. "Der Akku war irgendwann leer und zwang mich quasi dazu, mein Studium abzubrechen. Ich hab danach begonnen, in einer Bank zu arbeiten und mich auch ohne Abschluss hochgearbeitet. Der Job macht Spaß und bringt genügend Geld. Ich nage aber schon noch daran, dass ich das Studium damals nicht durchziehen konnte‘‘, gesteht Wenner.

Nicht verheimlichen

Für zukünftige Bewerbungen ist es allerdings wichtig, den Studienabbruch nicht in seinem Lebenslauf zu verheimlichen, sondern die positiven Aspekte seiner – wenn auch kurzen – universitären Laufbahn herauszuheben. Wer überzeugend deutlich machen kann, dass der vorzeitige Abbruch des Studiums keine leichtfertige Entscheidung, sondern ein sorgfältig überlegter Kurswechsel war, geht trotz Startschwierigkeiten mit guten Voraussetzungen in eine neue berufliche Zukunft. - Barbara Heiss

Wie die Österreicher studieren

In Österreich schließen nur 24 Prozent der Studierenden ihr Studium in Mindeststudienzeit ab. 34 Prozent wechseln ihr ursprüngliches Studium und 27 brechen innerhalb von 14 Semestern ihr begonnenes Studium ab. Im Durchschnitt schließen Frauen ihr Studium um sechs Prozent häufiger ab als Männer. Für 15,2 Prozent der Studienabbrecher liegt der Hauptgrund an den nicht erfüllten Erwartungen an die Uni. Weitere häufig
genannte Gründe sind die Unvereinbarkeit mit dem Beruf, persönliche Gründe oder finanzielle Probleme.